Am 30. August 2023 fand in Frankfurt am Main zum 10. Mal der „Tinnitus-Tag der Deutschen Hörakustiker“ statt. Diese interdisziplinäre Fachtagung für Hörakustiker, Ärzte, Audiotherapeuten und Selbsthilfegruppen aus ganz Deutschland wird von der Bundesinnung der Hörakustiker KdöR (biha) als Spitzenverband des Hörakustiker-Handwerks ausgerichtet.
Einer aktuellen Studie zufolge sind weltweit mehr als 740 Millionen Erwachsene von Tinnitus betroffen. Mehr als 120 Millionen Menschen – meist ab einem Alter von 65 Jahren – leiden unter einem permanenten Ohrgeräusch und nehmen es als Problem wahr. Die Belastung durch einen Tinnitus für Betroffene wird häufig noch unterschätzt. Daher gibt es die Forderung an gesundheitspolitische Entscheidungsträger, die Forschung zu Therapieansätzen für Tinnitus stärker zu fördern.
Hans-Jürgen Bührer, Vizepräsident der biha, begrüßte rund 100 Hörgesundheits-Experten beim 10. Tinnitus-Tag. Er wies auf die große Bedeutung dieser interdisziplinären Fachtagung hin, die sie auch als Fortbildungsinstitution erlangt hat. Eine regelmäßige Weiterbildung und der gegenseitige Wissensaustausch zu neuen und bestehenden Therapieansätzen sei für alle Experten wichtig, um Tinnitus-Patienten eine bestmögliche Versorgung zu bieten.
Prof. Dr. med. Birgit Mazurek, Direktorin des Tinnituszentrum der Charité Universitätsmedizin in Berlin und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung Tinnitus & Hören Charité, eröffnete das diesjährige Programm und ging in ihrem Vortrag über „Neue Aspekte bei Tinnitus“ insbesondere auf seine Multikausalität ein.
Bernd Strohschein, Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Selbsthilfeorganisation Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL), beschrieb „Die 3 Säulen der Tinnitus-Behandlung: Hörakustik – Selbsthilfe – Therapie“. Demnach sei eine frühzeitige Hörgeräteversorgung für Menschen mit chronischem Tinnitus und Schwerhörigkeit besonders wichtig, weil dadurch die oft quälenden Ohrgeräusche besser in den Hintergrund treten könnten.
„Die Tinnitus-Anamnese beim Hörakustiker – Bedeutung und Durchführung des audiologischen Vorgesprächs“ stellte Michael Henning, Hörakustiker-Meister aus Frankfurt am Main, vor. Wichtig sei dabei, den individuellen Hörbedarf abzuklären und zu ermitteln, was genau die Prioritätenliste des Kunden anführe.
Über den „Zusammenhang zwischen Tinnitus und Depression, Angst- und Somatisierungsstörungen“ berichtete Dr. med. Berit Hackenberg, Fachärztin der HNO-Klinik der Universitätsmedizin Mainz. Sie stellte dar, dass solche psychischen Störungen und Erkrankungen häufiger bei Menschen mit Tinnitus auftreten.
Einen Überblick über die „Geschichte und Fortschritte in der Tinnitus-Therapie“ gab Larissa Barth, Hörakustiker-Meisterin und Dozentin an der Akademie für Hörakustik (afh) in Lübeck.