Die Zahl der Hörgeräteträger in Deutschland dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen. Zugleich zeigt eine Civey-Studie im Auftrag von Alteos, dass mit der wachsenden Nachfrage auch die Erwartungen an Beratung, Nachsorge und Service zunehmen. Für Hörakustiker rückt damit stärker die Rolle als Coach in den Vordergrund.
Wachsende Nachfrage, höhere Erwartungen
Laut dem Beitrag tragen in Deutschland derzeit rund 3,7 Millionen Menschen ein Hörgerät. Weil zunehmend Babyboomer in das Versorgungsalter kommen, werde diese Zahl in den kommenden Jahren deutlich steigen. Branchenprognosen rechnen demnach bis 2031 mit einem Absatz von bis zu zwei Millionen Hörgeräten pro Jahr. Alteos verweist zugleich darauf, dass der steigende Bedarf die Versorgung nicht automatisch einfacher mache, weil parallel die Anforderungen an Betriebe wachsen.
Für die repräsentative Untersuchung befragte Civey zwischen dem 21. und 28. August 2025 insgesamt 2.500 Bundesbürger im Alter von 55 bis 70 Jahren. Die Studie wurde im Auftrag von Alteos, der AXA-Tochter für digitale Versicherungslösungen, erstellt.
Der Hörakustiker als Coach
Nach den veröffentlichten Ergebnissen sehen 29,5 Prozent der Babyboomer den modernen Hörakustiker vor allem als Coach, der die Bedienung des Hörgeräts einfach und sicher macht. 13,4 Prozent wünschen sich Unterstützung aus der Ferne ohne Termin, 8,2 Prozent betrachten den Hörakustiker als digitalen Partner für die Vernetzung von Geräten und Apps. Weitere 6,9 Prozent schreiben ihm die Rolle eines Vertrauensankers bei Datenschutz und Aufklärung zu. Als Trend-Scout, der neue Funktionen frühzeitig präsentiert, sehen ihn nur 5,3 Prozent der Befragten.
Vier Technik-Typen, unterschiedliche Erwartungen
Die Studie beschreibt die Babyboomer als heterogene Gruppe. Mehr als die Hälfte, 51,4 Prozent, zählt zu den sogenannten „Digital Minimalists“ und vertritt die Auffassung, technische Geräte sollten vor allem funktionieren. 28,2 Prozent werden als „Silver Geeks“ eingeordnet, die technische Möglichkeiten faszinierend finden und gern Neues ausprobieren. Daneben nennt die Auswertung die Gruppen „Tech Stressed“ und „Offliner“.
Entsprechend unterschiedlich fallen die Servicewünsche aus. Bei den Digital Minimalists bevorzugen 41,1 Prozent den persönlichen Kontakt, 40,1 Prozent eine Mischung aus persönlicher und digitaler Betreuung. Unter den Silver Geeks halten 21,6 Prozent ein rein digitales Angebot für ausreichend, während 50,2 Prozent eine hybride Lösung aus persönlichem Kontakt und digitalen Services bevorzugen. In den technikskeptischeren Gruppen wünschen sich jeweils mehr als die Hälfte persönlichen Kontakt zum Hörakustiker, bei Tech Stressed 56 Prozent, bei Offlinern 53,5 Prozent.
Studie soll weiter vertieft werden
Alteos sieht darin Hinweise auf einen künftig stärkeren Bedarf an hybriden Serviceangeboten, bei denen persönliches Coaching zentral bleibt und bei Bedarf durch digitale Module ergänzt wird. Die jetzt veröffentlichten Zahlen seien ein Update der Alteos-Studie „Wirksam versorgen – Babyboomer und Digitalisierung in der Hörakustik. Technik-Typen, Selbstwirksamkeit und Orientierung für die Boomer-Jahre“. Eine Vollstudie mit detaillierten Profilen der Technik-Typen, Erkenntnissen zur Selbstwirksamkeit und Hinweisen für hybride Arbeits- und Serviceprozesse soll folgen.