Amplifon hat am 21. Mai 2026 eine Kapitalerhöhung beschlossen, um die Übernahme des Hörgerätegeschäfts von GN Store Nord zu finanzieren. Bis zu 45,3 Millionen neue Aktien werden im Schnellverfahren an institutionelle Investoren ausgegeben.
Milliarden-Deal braucht frisches Kapital
Amplifon hat seinen Vorstand am 21. Mai 2026 ermächtigt, bis zu 45,3 Millionen neue Stammaktien auszugeben – das entspricht rund 20 Prozent des Grundkapitals vor der Erhöhung. Die Platzierung erfolgt ausschließlich bei qualifizierten institutionellen Investoren im Rahmen eines sogenannten Accelerated Bookbuilding (ABB), einem beschleunigten Preisfindungsverfahren ohne öffentliches Prospekt.
Der Ausgabepreis wurde nach starker Nachfrage auf 10 Euro je Aktie festgesetzt, womit Amplifon brutto rund 453 Millionen Euro einsammelt. Die Lieferung der neuen Aktien war für den 26. Mai 2026 geplant.
Wohin das Geld fließt
Die Erlöse fließen vollständig in den Barkaufpreis der Transaktion. Amplifon hatte bereits im März 2026 angekündigt, das Hörakustikgeschäft von GN Store Nord A/S zu übernehmen.
Die Gesamttransaktion ist auf rund 2,3 Milliarden Euro (schulden- und kassenbereinigt) bewertet – der größte Unternehmenskauf in der Geschichte des Mailänder Konzerns. GN erhält 1,69 Milliarden Euro in bar sowie 56 Millionen Amplifon-Aktien.
Für die 56 Millionen Aktien, die GN Store Nord bei Vollzug der Transaktion bekommt, gilt eine gestaffelte Lock-up-Frist von bis zu 15 Monaten: Weniger als ein Drittel der Anteile kann nach neun Monaten veräußert werden, der Rest in weiteren Tranchen bis zum vollständigen Ablauf nach 15 Monaten.
Großaktionäre ziehen mit
Die beiden wichtigsten Anteilseigner stützen die Maßnahme: Ampliter S.r.l., Hauptaktionär mit rund 42 Prozent des Grundkapitals und 74 Prozent der Stimmrechte, zeichnet neue Aktien im Wert von 100 Millionen Euro. Tamburi Investment Partners (T.I.P.) beteiligt sich mit 30 Millionen Euro – zusammen also 130 Millionen Euro aus dem bestehenden Aktionärskreis.
Amplifon, Ampliter und T.I.P. haben zudem eine Lock-up-Verpflichtung von 180 Tagen übernommen, wie bei vergleichbaren Transaktionen üblich.
Zeitplan und regulatorische Hürden
Der Vollzug der Übernahme hängt noch von behördlichen Genehmigungen sowie der formalen Ausgliederung von GN Hearing aus dem GN-Konzern ab. Der Abschluss wird vor Ende 2026 erwartet.
Weitere Kapitalerhöhungen im Zusammenhang mit der Transaktion sind nach Unternehmensangaben nicht geplant. Mit dem Schritt festigt Amplifon – mit einem Jahresumsatz von 2,4 Milliarden Euro und rund 10.000 Filialen in 25 Ländern – seinen Anspruch auf die globale Marktführerschaft in der Hörakustik.