Amplifon, nach eigenen Angaben weltweit führender Anbieter von Hörlösungen mit rund 9.900 Standorten in 25 Ländern, hat am 30. Juli 2026 seine Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vorgelegt. Das Mailänder Unternehmen wuchs im zweiten Quartal organisch um 4,7 % und damit so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Der Vorstand bestätigte gleichzeitig den Ausblick für das Gesamtjahr und treibt die im März 2026 angekündigte Übernahme von GN Hearing voran. Was GN Hearing herstellt oder anbietet, geht aus der vorliegenden Mitteilung nicht hervor.
Die Zahlen im Detail
Im ersten Halbjahr 2026 setzte Amplifon 1.185,7 Millionen Euro um, ein Plus von 1,3 % zu konstanten Wechselkursen. Das organische Wachstum lag bei 3,5 % und zog im Verlauf des Halbjahrs spürbar an. Das bereinigte EBITDA stieg um 3,6 % auf 298,0 Millionen Euro, die Marge kletterte auf 25,1 % (plus 70 Basispunkte). Der bereinigte Nettogewinn wuchs um 12,3 % auf 101,6 Millionen Euro.
Im zweiten Quartal beschleunigte sich das Tempo: Der Umsatz legte um 1,7 % auf 606,0 Millionen Euro zu, das bereinigte EBITDA um 6,1 % auf 156,2 Millionen Euro (Marge 25,8 %, plus 90 Basispunkte), der bereinigte Nettogewinn sogar um 17,1 % auf 57,2 Millionen Euro. Der bereinigte freie Cashflow im Halbjahr stieg um 70 % auf 68,0 Millionen Euro. CEO Enrico Vita führt die Entwicklung auf die 2025 gestarteten Investitionen und Effizienzprogramme zurück, die nun greifen würden.
Warum das auch für deutsche Hörakustiker relevant ist
Amplifon treibt parallel zu den Quartalszahlen die Übernahme von GN Hearing voran. Der Vorstand plant nach eigenen Angaben eine „vertically integrated group“. Amplifon bezeichnet die Integration in der Mitteilung als „fully in line with the expected timetable“, der endgültige Vollzug hängt aber weiterhin von behördlichen Genehmigungen und der Abspaltung von GN Hearing aus der GN-Gruppe ab.
Zur Finanzierung der Übernahme hatte Amplifon im Mai 2026 über eine Kapitalerhöhung (Accelerated Bookbuilding) netto 449 Millionen Euro eingesammelt. Das Eigenkapital des Konzerns stieg auf 1.514,1 Millionen Euro (Vorjahresende: 998,5 Millionen), unter anderem infolge dieser Kapitalerhöhung. Ergänzend beschloss der Vorstand am selben Tag eine Teilabspaltung der Nicht-EU-Beteiligungen in eine neue italienische Zwischenholding, unter anderem um dänisches Gesellschaftsrecht im Zusammenhang mit der GN-Übernahme einzuhalten. Laut Mitteilung sind mit der Umstrukturierung keine wirtschaftlichen oder finanziellen Auswirkungen verbunden.
Regional unterschiedliches Bild
Die Region EMEA wuchs im zweiten Quartal organisch um 4,5 %, getragen vor allem von Südeuropa. In Amerika lag das organische Wachstum mit 6,0 % sogar noch höher, der Umsatz sank dort aber in Euro gerechnet um 3,4 %, weil Wechselkurseffekte und das Sparprogramm „Fit4Growth“ (unter anderem Filialschließungen und die Kündigung eines Managed-Care-Vertrags in den USA) gegenläufig wirkten. Asien-Pazifik legte dank Australien und China um 4,3 % organisch zu.
Ausblick
Für das Gesamtjahr 2026 bestätigt Amplifon seine Prognose: organisches Wachstum oberhalb von 3 % (ohne den Effekt aus der Kündigung eines Managed-Care-Vertrags in den USA) und eine Verbesserung der bereinigten EBITDA-Marge um rund 100 Basispunkte. Die Mitteilung nennt als Bedingung ausdrücklich, dass sich das makroökonomische und geopolitische Umfeld nicht weiter eintrübt.