1,7 Prozent Umsatzplus, stabile Währungen, aber rückläufige Profitabilität: Der Hörakustik-Konzern Amplifon hat das Geschäftsjahr 2025 in einem schwächeren Marktumfeld mit moderatem Wachstum abgeschlossen. Vor allem im zweiten Halbjahr zog das organische Wachstum spürbar an. Gleichzeitig belasteten strukturelle Effekte die Marge. Das Spar- und Effizienzprogramm „Fit4Growth“ kommt schneller voran als geplant – inklusive eines Rückzugs aus Großbritannien.

Umsatz wächst – zweite Jahreshälfte bringt Dynamik

Der Konzernumsatz stieg 2025 auf 2,396 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 1,7 Prozent zu konstanten Wechselkursen gegenüber 2024. Zu aktuellen Kursen blieb der Umsatz nahezu stabil – Währungseffekte dämpften das nominale Wachstum.

Bemerkenswert ist die Entwicklung im Jahresverlauf: Während das Marktumfeld – geprägt von geopolitischen Spannungen und verhaltener Konsumstimmung – insgesamt unter dem historischen Trend blieb, kehrte Amplifon im zweiten Halbjahr zu einer verbesserten organischen Dynamik zurück.

Für Hörakustiker ist das ein Signal: Der Markt bleibt strukturell intakt, reagiert aber sensibel auf makroökonomische Unsicherheiten.

EBITDA-Marge sinkt auf 22,6 Prozent

Das adjustierte EBITDA lag bei 540,4 Millionen Euro nach 566,1 Millionen Euro im Vorjahr. Die Marge sank von 23,5 auf 22,6 Prozent.

Mehrere Faktoren wirkten belastend:

  • Geringerer operativer Hebel bei moderatem Umsatzwachstum

  • Verwässerungseffekte durch den Ausbau des Direktgeschäfts der US-Tochter Miracle-Ear

  • Ein ungünstigerer geografischer Mix in der Region EMEA

  • Erhöhte Marketinginvestitionen, insbesondere zur Stärkung der Markenpositionierung

Das adjustierte Nettoergebnis fiel auf 159,2 Millionen Euro (Vorjahr: 188,1 Millionen Euro). Der Vorstand schlägt eine Dividende von 0,29 Euro je Aktie vor.

Solider Cashflow – Verschuldung steigt moderat

Der adjustierte Free Cashflow erreichte 174,4 Millionen Euro, nach Investitionen (Capex) von 116,7 Millionen Euro.

Die Nettofinanzverschuldung lag zum 31. Dezember 2025 bei 1,045 Milliarden Euro – nach 961,8 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Hintergrund sind:

  • Investitionen

  • Akquisitionen

  • Dividendenzahlungen

  • Aktienrückkäufe

In Summe flossen dafür über 350 Millionen Euro ab.

Der Verschuldungsgrad betrug zum Jahresende 1,92x EBITDA (Vorjahr: 1,63x). Für kapitalmarktorientierte Hörakustik-Unternehmen bleibt das ein moderater Wert – allerdings mit weniger Puffer als 2024.

„Fit4Growth“ übertrifft Plan – 160 Standorte geschlossen

Das Effizienzprogramm „Fit4Growth“ läuft schneller als ursprünglich vorgesehen. Bis 2027 erwartet der Konzern nun eine Verbesserung der adjustierten EBITDA-Marge am oberen Ende der Zielspanne von +150 bis +200 Basispunkten.

Die Maßnahmen im Überblick:

  • Schließung von rund 160 Fachgeschäften in zehn Ländern

  • Straffung von Backoffice-Strukturen

  • Deutlich reduzierte Investitionen gegenüber 2024

  • Veräußerung des margenschwachen UK-Geschäfts

Gerade die Portfoliobereinigung in Großbritannien markiert einen strategischen Einschnitt. Der Konzern trennt sich von Geschäftsteilen, die das Ergebnis verwässerten – und fokussiert sich stärker auf margenstärkere Märkte.

Ausblick 2026: Mehr organisches Wachstum, deutlicher Margenanstieg

CEO Enrico Vita spricht von einem „herausfordernden Jahr“ für die gesamte Branche. Die weltweiten Spannungen hätten das Vertrauen der Patienten belastet und damit die Nachfrage gedämpft.

Für 2026 erwartet Amplifon:

  • Eine progressive Verbesserung des organischen Wachstums

  • Vor allem aber einen spürbaren Anstieg der EBITDA-Marge, gestützt durch „Fit4Growth“

Für selbstständige Hörakustiker und Filialisten ist das ein Fingerzeig: Der internationale Wettbewerb setzt konsequent auf Effizienz, Netzwerkoptimierung und Marketingdruck. Wer im Markt bestehen will, muss seine Kostenstrukturen ebenso im Blick behalten wie seine Markenpositionierung.

Einordnung für die Branche

Der Hörakustikmarkt wächst strukturell – getrieben durch Demografie und höhere Versorgungsstandards. Doch 2025 zeigt: Wachstum ist kein Selbstläufer.

Internationale Ketten reagieren mit Filialbereinigung und Margendisziplin. Für inhabergeführte Betriebe bedeutet das:

  • Standortqualität gewinnt weiter an Bedeutung

  • Marketing wird zum strategischen Differenzierungsfaktor

  • Liquiditätsmanagement bleibt entscheidend

Die Branche steht vor einer Phase der Konsolidierung und Professionalisierung. Amplifons Zahlen liefern dafür ein aufschlussreiches Stimmungsbild.

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