Amplifon ist mit organischem Wachstum und einer höheren Profitabilität ins Jahr 2026 gestartet. Der Verwaltungsrat des Mailänder Hörakustik-Konzerns billigte am 5. Mai 2026 den Zwischenbericht zum 31. März 2026. Im ersten Quartal erzielte Amplifon 579,8 Mio. Euro Umsatz, ein bereinigtes EBITDA von 141,8 Mio. Euro und eine Rekordmarge von 24,5 %. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen nun mit mehr als 3 % organischem Wachstum.

Wachstum kehrt zurück, Währungseffekte bremsen den Umsatz

Auf den ersten Blick ging der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 1,4 % zurück. Dieser Rückgang erklärt sich aber vor allem durch Wechselkurseffekte: Bei konstanten Wechselkursen legte Amplifon um 0,8 % zu. Die organische Entwicklung fiel mit +2,2 % deutlich stärker aus und war nach Unternehmensangaben in allen drei Regionen positiv.

Amplifon trennt in der Darstellung mehrere Effekte. Akquisitionen trugen +1,0 % zum Umsatz bei. Das Effizienzprogramm Fit4Growth belastete den Umsatz dagegen mit -2,4 %, weil das Unternehmen schwächere oder künftig margenschwache Aktivitäten bewusst abbaut. Dazu zählen unter anderem die Schließung von rund 190 nicht profitablen Standorten, davon 30 im ersten Quartal, der Verkauf des britischen Geschäfts im März, die Beendigung eines Managed-Care-Vertrags in den USA und die Straffung des nicht zum Kerngeschäft gehörenden Wholesale-Geschäfts in China.

Profitabilität steigt trotz Umbauprogramm

Operativ fällt das Quartal stärker aus, als es der Umsatzrückgang auf den ersten Blick vermuten lässt. Das bereinigte EBITDA stieg um 1,0 % auf 141,8 Mio. Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich von 23,9 % auf 24,5 %. Für ein erstes Quartal ist das nach Angaben des Unternehmens ein Rekordwert.

Auch darunter zeigt sich eine Verbesserung der bereinigten Kennzahlen. Das bereinigte EBIT erhöhte sich um 5,0 % auf 77,5 Mio. Euro, der bereinigte Nettogewinn stieg um 6,7 % auf 44,4 Mio. Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,202 Euro, nach 0,185 Euro im Vorjahresquartal.

Gleichzeitig muss man die Differenz zwischen bereinigten und berichteten Zahlen beachten. Der ausgewiesene Nettogewinn lag nur bei 10,5 Mio. Euro, nach 32,9 Mio. Euro im Vorjahr. Belastet wurde er unter anderem durch Einmaleffekte im Zusammenhang mit dem Verkauf des britischen Geschäfts sowie Kosten für die geplante Übernahme von GN Hearing. Amplifon nennt für den UK-Verkauf nicht zahlungswirksame Einmalkosten von 19,0 Mio. Euro.

Regionen entwickeln sich unterschiedlich

In EMEA erzielte Amplifon mit 384,1 Mio. Euro nahezu stabile Erlöse gegenüber dem Vorjahr. Das organische Wachstum lag bei +0,3 % und beschleunigte sich laut Unternehmen im Verlauf des Quartals. Besonders Italien und Spanien entwickelten sich positiv. Die bereinigte EBITDA-Marge der Region stieg deutlich auf 30,3 %.

In den Americas sanken die ausgewiesenen Umsätze um 8,6 % auf 108,2 Mio. Euro. Dahinter stehen starke Wechselkursbelastungen von -9,7 % sowie Effekte aus Fit4Growth. Operativ meldete Amplifon jedoch ein organisches Wachstum von +6,7 %. Der US-Markt wuchs im Quartal nach Unternehmensangaben um rund 3 %, getragen vom Privatkundengeschäft, während das Versicherungsgeschäft rückläufig war. Die regionale EBITDA-Marge verbesserte sich auf 23,3 %.

In Asien-Pazifik stiegen die Erlöse um 1,9 % auf 87,4 Mio. Euro. Bei konstanten Wechselkursen lag das Wachstum bei 4,6 %, organisch bei 4,8 %. Auch hier verweist Amplifon auf Marktanteilsgewinne in einem sich allmählich verbessernden Marktumfeld. Die bereinigte EBITDA-Marge erhöhte sich auf 27,7 %.

GN Hearing bleibt der strategische Fixpunkt

Neben den Quartalszahlen bleibt die geplante Übernahme von GN Hearing der wichtigste strategische Schritt. Amplifon hatte im ersten Quartal eine verbindliche Vereinbarung zur Übernahme des Geschäfts von GN Store Nord unterzeichnet. Der Abschluss wird bis Ende 2026 erwartet, steht aber noch unter üblichen Bedingungen, darunter regulatorische Genehmigungen und die Herauslösung von GN Hearing aus der GN Group.

CEO Enrico Vita ordnet die Entwicklung entsprechend ein: „

We are very satisfied with the results for the first quarter of 2026, which mark the return to solid revenue organic growth, with positive performances across all the geographic areas, thanks to the initiatives and investments made last year.“

Mit Blick auf die geplante Integration von GN Hearing sprach er von zusätzlichen Transformationschancen für den Wachstumspfad des Konzerns.

Solide Bilanz, aber Umbau kostet weiter Aufmerksamkeit

Die Nettofinanzverschuldung sank von 1.045,5 Mio. Euro Ende 2025 auf 1.014,6 Mio. Euro zum 31. März 2026. Der Verschuldungsgrad verbesserte sich von 1,92x auf 1,84x. Der bereinigte Free Cashflow erhöhte sich auf 23,6 Mio. Euro, nach 20,6 Mio. Euro im Vorjahr.

Für 2026 erwartet Amplifon eine globale Marktnachfrage von rund 3 % über dem Vorjahr. Das Unternehmen will in seinen Kernmärkten weiter Marktanteile gewinnen und organisch stärker wachsen als der Markt. Die zentrale offene Frage bleibt, wie schnell Fit4Growth weiter greift und ob die GN-Hearing-Transaktion wie geplant bis Jahresende abgeschlossen werden kann.

Für Hörakustiker ist vor allem relevant: Amplifon richtet sein Filialnetz konsequenter auf Profitabilität aus und bereitet zugleich einen Schritt hin zu stärkerer vertikaler Integration vor.