Die Zahl der Betrugsfälle im Gesundheitswesen ist im Norden deutlich gestiegen. Die AOK NordWest verfolgt aktuell 1.670 Fälle, rund 22,6 Prozent mehr als im vorherigen Berichtszeitraum. Gleichzeitig wurden rund 7,5 Millionen Euro an unrechtmäßig abgerechneten Leistungen zurückgeholt.
Mehr Fälle, höhere Schadenssummen
Grundlage ist der Tätigkeitsbericht 2024/2025, der Mitte März 2026 dem Verwaltungsrat vorgelegt wurde. Das siebenköpfige Ermittlungsteam arbeitet in Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe.
Der finanzielle Rückfluss liegt damit nahezu doppelt so hoch wie im vorherigen Zeitraum, als rund vier Millionen Euro gesichert wurden.
Als Gründe für den Anstieg nennt die Kasse vor allem eine höhere Sensibilisierung und damit mehr Hinweise von Dritten sowie konsequentere Prüfungen, auch bei zunächst unauffälligen Abrechnungen.
Breites Spektrum an Verstößen
Die dokumentierten Fälle reichen von nicht erbrachten Leistungen über gefälschte Rezepte bis hin zu manipulierten Abrechnungen und fehlenden Qualifikationen bei Behandlungen.
Besonders betroffen sind unter anderem Pflegeleistungen, Heilmittelbereiche sowie Apotheken. Einzelne Fälle betreffen etwa Rezeptfälschungen für hochpreisige Medikamente oder Abrechnungen ohne tatsächliche Leistungserbringung.
Bei bestätigtem Verdacht schaltet die AOK nach eigenen Angaben Staatsanwaltschaften ein und fordert die Rückzahlung der Schäden.
Forderungen nach mehr Ermittlungsbefugnissen
Vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen fordert die AOK strukturelle Anpassungen: mehr spezialisierte Ermittlungsstellen sowie gesetzliche Grundlagen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und einen verbesserten Datenaustausch zwischen Sozialversicherungsträgern.
Zugleich betont die Kasse, dass die Mehrheit der Leistungserbringer korrekt abrechnet. Einzelne Verstöße könnten jedoch das Vertrauen in ganze Versorgungsbereiche beeinträchtigen.