Mit der EON-Plattform bringt Phonak Broadcast-Audio erstmals in Serie und wirbt damit als Verkaufsargument. Wer die Geräte anpasst, sollte allerdings genau hinsehen. Zwischen der beworbenen Fähigkeit und dem, was Kunden im Alltag tatsächlich nutzen können, klafft eine Lücke. Sie betrifft das Smartphone, den Veranstaltungsort und eine Bauteilentscheidung, die für einen Teil der Kundschaft ein Ausschlusskriterium sein dürfte.

Die am 24. August 2026 vorgestellten Audéo EON R, Audéo EON Sphere und CROS EON R empfangen Auracast-Signale direkt. In Deutschland kommen die Geräte im September in den Handel. Für den Beitritt setzt Phonak vor allem auf den QR-Code-Scanner der myPhonak-App. Eine Liste der verfügbaren Broadcasts, wie sie andere Hersteller anbieten, fehlt bislang.

EON empfängt Auracast direkt

Technisch ist die Ausgangslage eindeutig: Audéo EON ist Auracast-fähig. Phonak nennt öffentliche Fernseher, Theater, Museen, Fitnessstudios und Konferenzzentren als mögliche Einsatzorte. Der Audiostream läuft nach dem Beitritt direkt auf die Hörgeräte. Ein TV Connector oder ein anderes Empfangsgerät entfällt. Für den Beitritt selbst bleibt ein Smartphone nötig, denn EON bietet keine eigene Suche am Gerät.

Phonak gibt für EON eine maximale Samplingrate von 48 kHz und eine Reichweite von bis zu 211 Metern an. Die Reichweitenangabe stammt nach Unternehmensangaben aus internen Tests im Vergleich mit drei anderen Herstellern.

Zwei Wege zum Broadcast, aber nicht für jedes Smartphone

Für den Zugang nennt Phonak zwei Wege. Nutzer können einen Broadcast über den QR-Code-Scanner in myPhonak auswählen. Alternativ können Samsung-Smartphones und -Tablets ab Android 15 den systemeigenen Auracast Assistant nutzen. Für iPhones und andere Geräte bleibt laut Phonak der Weg über myPhonak. Für die Beratung im Betrieb ist das der praktisch wichtigste Punkt: Die native Assistant-Funktion steht derzeit nur einem kleinen Teil der Kundschaft offen.

Wer über myPhonak geht, öffnet zunächst ein Hörprogramm, wählt dann den Beitritt zu einem Auracast-Broadcast und wird anschließend zum Scannen eines QR-Codes aufgefordert. Eine direkt angezeigte Liste der in Reichweite verfügbaren Broadcasts ist in diesem Weg nicht vorgesehen.

QR-Code statt Broadcast-Liste: was der Standard sagt

Der QR-Code-Beitritt ist im Auracast-Konzept vorgesehen. Die Bluetooth Special Interest Group nennt drei Wege, um einem Broadcast beizutreten: suchen, scannen und tippen. Beim Suchen scannt ein Auracast Assistant die verfügbaren Signale und stellt dem Nutzer eine Oberfläche zur Auswahl bereit, ähnlich wie bei WLAN-Netzen. Die SIG beschreibt diesen Weg als den vermutlich häufigsten in öffentlichen Räumen. Der Beitritt per NFC ist dagegen bislang vor allem ein Ausblick und in öffentlichen Installationen kaum anzutreffen.

Nach der Best-Practice-Empfehlung der Bluetooth SIG sollen Veranstalter QR-Codes zusätzlich zu einer im Assistant auswählbaren Broadcast-Liste bereitstellen, nicht anstelle dieser Liste. Phonaks Lösung ist damit spezifikationskonform, deckt aber nur einen Teil des empfohlenen Zugangs ab.

Phonak begründet das in einer eigenen FAQ. Man habe mit dem QR-Code-Scanner begonnen, damit Kunden schneller Zugang zu Auracast erhalten, und werde prüfen, wie sich die Bedienung in späteren App-Updates verbessern lässt. Einen Zeitplan nennt das Unternehmen nicht.

Kein Internet für den QR-Code nötig

Ein Punkt ist für die Einordnung wichtig: Der QR-Code ist nicht selbst die Audioverbindung. Phonak erklärt ausdrücklich, dass für den Beitritt keine Internetverbindung erforderlich ist. Der Code übermittelt die Broadcast-Informationen lokal an das Smartphone, die Audioübertragung läuft anschließend über Bluetooth. Voraussetzung ist die myPhonak-App in Version 7.5.0 oder neuer.

Wo die Bedienung offen bleibt

Offen bleibt damit vor allem die Alltagstauglichkeit. Ein QR-Code muss am Veranstaltungsort vorhanden, sichtbar und erreichbar sein. Hängt keiner aus, fehlt EON-Trägern ohne kompatibles Samsung-Gerät der Zugang zu einem Broadcast, der technisch in Reichweite läge.

Für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen kommt eine zweite Hürde dazu. Ein QR-Code ist flach und damit nicht ertastbar, und die Kamera muss ihn präzise erfassen. Ob und wann Phonak den Zugang um eine Broadcast-Suche erweitert, bleibt nach der bisherigen Kommunikation offen.

Auracast ersetzt die T-Spule noch nicht

Eine zweite Besonderheit der EON-Plattform ist das Fehlen einer T-Spule, und zwar über alle Modelle hinweg. In vielen öffentlichen Gebäuden, Theatern, Kassen- und Schalterbereichen arbeiten die vorhandenen Höranlagen weiterhin induktiv. Phonak bietet zwar Roger-Lösungen an, doch der Roger NeckLoop-Empfänger setzt seinerseits eine aktive T-Spule im Hörgerät voraus. Für den Zugang zu klassischen Induktionsschleifen hilft er EON-Trägern deshalb nicht.

Damit stehen bei EON zwei Welten nebeneinander: Auracast als neue digitale Broadcast-Technologie und die installierte Basis induktiver Anlagen, die sich nicht kurzfristig austauschen lässt.

Was das für die Beratung bedeutet

EON empfängt Auracast, und der QR-Code-Weg ist innerhalb des Standards vorgesehen. Die offene Frage ist eine andere: Wie einfach findet ein EON-Träger einen verfügbaren Broadcast, wenn am Veranstaltungsort kein QR-Code bereitsteht und das Smartphone keinen nativen Assistant mitbringt?

Für Hörakustiker heißt das, im Beratungsgespräch beides zu trennen. Auracast-Fähigkeit und Auracast-Zugang sind bei EON derzeit nicht dasselbe. Hinzu kommt die fehlende T-Spule, die bei Kunden mit regelmäßigem Kontakt zu induktiven Anlagen gegen die Plattform sprechen kann. Wie belastbar die Lösung im Alltag ist, dürfte sich erst mit der weiteren Verbreitung von Auracast und den angekündigten App-Updates zeigen.