Cochlear Limited kann seine Hörimplantat-Systeme weiterhin zollfrei in die USA einführen. Das bestätigte der australische Medizintechnik-Konzern am 24. Juli 2026 in einer Mitteilung an die australische Börse ASX, nachdem die US-Regierung am selben Tag die Ergebnisse ihrer Section-301-Untersuchungen veröffentlicht hatte.
Was die US-Regierung entschieden hat
Die Untersuchungen prüften, ob 60 Handelspartner die Einfuhr von Waren aus Zwangsarbeit ausreichend unterbinden. Auf dieser Grundlage verhängten die USA ab Freitag jener Woche (US-Ostküstenzeit) neue Zölle von 10 bis 12,5 Prozent auf Importe aus diesen Ländern. Für Australien gilt der Satz von 12,5 Prozent.
Die Maßnahme ersetzt die zuvor befristeten, pauschalen 10-Prozent-Zölle. Die liefen aus, nachdem der US Supreme Court im Februar 2026 Trumps frühere „reziproke“ Zölle von 10 bis 50 Prozent gekippt hatte.
Ausgenommen hat die US-Regierung unter anderem Öl und Gas, Düngemittel, bestimmte Lebensmittel sowie Güter, die schon unter separate Section-232-Zölle fallen, etwa Autos, Stahl, Aluminium und Kupfer. Auch Waren, die den USMCA-Standards entsprechen, bleiben außen vor. In dieses Ausnahmeregime fällt laut Cochlear auch das Kapitel des Harmonized Tariff Schedule, das die zollfreie Einfuhr von Hörimplantaten regelt.
Was Cochlear zur eigenen Ausnahme sagt
Cochlear-CEO und -Präsident Dig Howitt begrüßte die Entscheidung: Die US-Regierung habe anerkannt, wie wichtig es sei, dass Amerikaner, die auf Cochlea-Implantate angewiesen sind, weiter Zugang zu dieser Technologie haben, um zu hören und am Leben teilzuhaben. Das Unternehmen selbst weist darauf hin, dass weltweit erst rund 5 Prozent der Menschen, die von einem Cochlea-Implantat profitieren könnten, tatsächlich versorgt sind.
Politischer Streit und was er für die Branche bedeutet
Die Zollentscheidung fällt in ein angespanntes politisches Umfeld. Australiens Handelsminister Don Farrell sagte auf dem ALP-Parteitag in Adelaide, die Albanese-Regierung halte die Zölle für vollkommen ungerechtfertigt. Zugleich betonte er: Australiens Exporte in die USA sind seit dem sogenannten „Liberation Day“ um 67 Prozent gestiegen. Er kündigte an, sich weiter bei der US-Handelsvertretung für eine vollständige Zollfreiheit einzusetzen.
Für die Hörakustik-Branche ist die Entscheidung vor allem als Signal relevant: Sie zeigt, dass Hörhilfen (von Hörgeräten bis zu Implantaten) im aktuellen US-Zollregime bislang als schützenswerte Medizinprodukte behandelt werden. Ob sich das auf Preise von Hörgeräten oder Zubehör in Deutschland oder Österreich auswirkt, lässt sich aus der Mitteilung nicht ableiten: Sie betrifft ausschließlich US-Importzölle. Ob und wie sich die Situation für andere Hörsystem-Hersteller außerhalb der Cochlea-Implantat-Nische entwickelt, bleibt in den vorliegenden Quellen offen.