Der BestAkustik Summit hat über 180 Teilnehmende nach Frankfurt geführt – und sie auf einen tiefgreifenden Wandel eingestimmt, der die Hörakustik in den kommenden Jahren prägen wird. Fachkräftemangel, veränderte gesundheitspolitische Rahmenbedingungen und neue Anforderungen an Beratung und Versorgung standen im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung, die sich ganz den „Hörhelden des Alltags“ widmete.
Ausbildung als strategischer Schlüssel
Die Geschäftsführer Florian Lohmeir und Thomas Maisch machten deutlich, dass die größte Herausforderung für inhabergeführte Fachgeschäfte künftig nicht im Kunden-, sondern im Mitarbeiterstamm liege.
„Azubis gewinnen heißt Zukunft gewinnen“, so ihr Appell.
Die gemeinsame Ausbildungskampagne „I doubt it“ der Verbundgruppen BestAkustik, HÖREX und MediTrend zeige bereits erste Erfolge und bilde eine wichtige Säule der Nachwuchsgewinnung.
Differenzierung wird überlebenswichtig
Um im Wettbewerb zu bestehen – sowohl bei Kunden als auch bei künftigen Mitarbeitenden – müssten sich Fachgeschäfte klarer denn je positionieren, betonte Lohmeir.
BestAkustik präsentierte entsprechende Konzepte, darunter:
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Im-Ohr Spezialisten als handwerksorientiertes Fachkonzept
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DEIN BASSS zur Ansprache neuer Zielgruppen
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innovative Ladenbau- und Digitalkonzepte zur Steigerung der Attraktivität im Recruiting
Branchenkritik von der biha
In seinem viel beachteten Gastvortrag nahm Jakob Stephan Baschab, Hauptgeschäftsführer der biha, die Branche selbst in die Pflicht. Mit über 1.000 fehlenden Azubis in fünf Jahren und verschärfter Konkurrenz durch andere Gesundheitsberufe sei die Situation ernst.
Zudem warnte er vor Qualitätsverlusten in der Ausbildung und forderte mehr Engagement bei der Vermittlung praktischer Fertigkeiten, insbesondere im Bereich Otoplastik.
Auch gesundheitspolitisch zeichnete Baschab ein realistisches Bild:
Strukturreformen seien angesichts leerer Kassen unausweichlich. Die Branche müsse frühzeitig eigene Modelle entwickeln, um nicht fremdbestimmt zu werden.
„Entweder ändern wir das selbst – oder wir werden geändert.“
Fachvorträge: Best Practice aus Industrie und Forschung
Am Nachmittag boten Industriepartner kompakte, praxisnahe Impulse zu Beratung, Anpassung, KI und Kundenbindung. Unter anderem sprachen:
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Nils Vogelsang (Rexton): Emotionale Kundenansprache
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Yaser Georgos (GN Hearing): Mythos DNN
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Dennis P. Zeitler (Signia): Kontrastverstärkung auf engem Raum
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Daniel Schopf (Phonak): Beratung einfach gedacht
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Harald Bonsel (Acousticon): NAL, DSL, Herstellerformeln
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Sebastian Rählmann (Oticon): Personalisierte KI
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Markus Baumann (WERTGARANTIE): Nachhaltige Kundenbindung
Hausmesse als zweite EUHA-Chance
Eine begleitende Ausstellung mit Industriepartnern bot auf 400 Quadratmetern die Gelegenheit, Innovationen nach dem EUHA-Kongress erneut oder erstmals kennenzulernen – in deutlich ruhigerem Umfeld.
Humorvoller Ausklang mit Neurowissenschaft
Für das Abendprogramm sorgte Dr. Henning Beck mit seinem Vortrag „Die Gesetze der Dummheit“. Mit wissenschaftlich-humorigen Einblicken – inklusive des Bonmots, dass KI „niemals heiraten würde“ – setzte er einen Kontrapunkt zum fachlichen Programm.
DJ Discomachine rundete den Summit musikalisch ab und eröffnete viel Raum fürs Networking.