Das Bundeskartellamt hat den Erwerb der Kind-Gruppe – einschließlich der rund 600 Hörakustik-Filialen sowie des Herstellers audifon – durch die dänische Demant A/S (u. a. Audika, Ritter) freigegeben. Durch die Fusion entsteht mit rund 1.000 Standorten die künftig größte Hörakustikkette Deutschlands.

Lokale Märkte geprüft – Bagatellmarktklausel entscheidend

Dem Zusammenschluss ging eine umfassende wettbewerbliche Prüfung voraus. Das Bundeskartellamt untersuchte die Wettbewerbsbedingungen in über 80 regionalen Einzugsgebieten. In einer ersten Bewertung zeigte sich in 17 Regionen eine potenzielle Einschränkung des Wettbewerbs.

Nach Anpassung des Vorhabens – unter anderem durch den Verkauf von drei Standorten im Raum Kassel – verblieben 15 regional begrenzte Märkte mit gewissen kartellrechtlichen Bedenken, etwa im Erzgebirge und Saarland. Aufgrund der Bagatellmarktklausel (§ 36 Abs. 1 Nr. 2 GWB), die eine Untersagung nur bei einem Marktvolumen von mindestens 20 Mio. Euro erlaubt, konnte die Behörde den Zusammenschluss jedoch nicht blockieren.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte, dass trotz der entstehenden Größe „in den allermeisten Städten und Regionen hinreichender Wettbewerb durch große Ketten und regionale Anbieter“ gewährleistet bleibe.

Wettbewerb weiterhin breit aufgestellt

Der deutsche Hörakustikmarkt umfasst mehr als 7.000 Standorte. Neben Demant/Kind zählen Sonova Retail (GEERS) und Amplifon Deutschland zu den dominierenden Filialanbietern mit jeweils hoher dreistelliger Standortzahl. Ergänzt wird der Wettbewerb durch regionale Akustikbetriebe, unabhängige Fachgeschäfte sowie Optikerketten wie Fielmann, Apollo und Rottler, die zunehmend eigene Hörakustikabteilungen betreiben.

Auch Übernahme des Herstellers audifon unbedenklich

Die Entscheidung umfasst ebenfalls den Kauf des Hörgeräteherstellers audifon, bislang Teil der Kind-Gruppe. Trotz Demants starker Stellung als Produzent sieht das Bundeskartellamt keine wettbewerblichen Nachteile: Verbraucher haben weiterhin Zugang zu einem breiten Angebot etablierter Marken wie WS Audiology, Sonova oder GN Hearing. Der internationale Innovationswettbewerb werde durch die vertikale Integration laut Behörde nicht beeinträchtigt.

Weitere Informationen…