Hörrehabilitation nach Cochlea-Implantation gilt in Österreich künftig als eigene, anerkannte Rehabilitationsmaßnahme. Damit entfällt für erwachsene CI-NutzerInnen die bisher häufig nötige Anreise zu deutschen Reha-Kliniken – ein eigenes Angebot existiert nun auch für Erwachsene im Inland.
Die sogenannte „Folgetherapie bei Cochlea-Implantation“ ist im aktuellen österreichischen Rehabilitationsplan, der bis 2030 als Planungsgrundlage für die Sozialversicherung dient, erstmals explizit als eigene Zielsetzung festgehalten. Konkret wird der Erwerb kommunikativer Kompetenz nach Cochlea-Implantation als zentrales Ziel einer Neurorehabilitation genannt – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Verbreitet hat die Information die Cochlea Implantat Austria in ihrem Online-Magazin, eine Stellungnahme der Privatklinik Laßnitzhöhe bezeichnet die Entscheidung als „historisch“.
Was ändert sich konkret?
Die als „CI-Reha“ bekannte Therapie wird in Österreich dem „Neurologischen Formenkreis“ zugeordnet, da das Wiedererlernen des Hörens primär eine Leistung des zentralen Nervensystems ist. Vorgesehen ist eine vierwöchige stationäre Rehabilitation. Bislang mussten erwachsene CI-NutzerInnen aus Österreich für eine vergleichbare Reha meist auf deutsche Kliniken ausweichen – ein Umstand, den CI- und Schwerhörigen-Vereine seit Jahren kritisiert hatten. Eine Reise nach Deutschland bleibt zwar weiterhin möglich, ist aber nicht mehr zwingend erforderlich.
Für Kinder ist die Hörrehabilitation nach CI bereits seit 2023 offiziell etabliert. Die nun erfolgte Aufnahme der Erwachsenen-Reha in den Plan gilt deshalb als der eigentliche Fortschritt dieser Entscheidung.
Zwei Zentren, zwei Zielgruppen
Für Erwachsene steht die Privatklinik Laßnitzhöhe (SANLAS Holding, Steiermark) zur Verfügung. Dort war bereits 2022 unter der Leitung von Priv.-Doz. DDr. Matthias Koiner-Graupp und der damaligen Primaria Dr. Eva Kronberger-Schaffer ein Studienprojekt zur CI-Rehabilitation gestartet worden; rund 80 Patientinnen und Patienten wurden seither nach Angaben der Klinik behandelt. Das Logopädie-Team unter Projektleiter Thorsten Seifter hat das Therapiekonzept parallel zum laufenden Klinikbetrieb weiterentwickelt. Zum Angebot zählen intensives Hörtraining, Logopädie, Musiktherapie, klinische Psychologie und Physiotherapie.
Für Kinder und Jugendliche ist die Kinderrehabilitation Kokon in Rohrbach-Berg (Oberösterreich) zuständig, in Kooperation mit der HNO-Abteilung des Kepler Universitätsklinikums Linz unter Primar Dr. Paul Zwittag. Der Schwerpunkt liegt auf logopädischer Therapie, ergänzt durch Ergotherapie, Physiotherapie, Musiktherapie und psychologische Betreuung. Auch die Einbindung der Eltern – etwa durch technische Schulungen gemeinsam mit dem Hörakustiker – ist Teil des Konzepts.
Warum die rechtliche Verankerung relevant ist
Die Aufnahme in den Rehabilitationsplan schafft Rechtssicherheit für Antragstellende, zuweisende Ärzte und die behandelnden Einrichtungen gleichermaßen. Anträge können künftig nach einheitlichen, transparenten Kriterien gestellt werden. Für die Reha-Zentren selbst bedeutet die Anerkennung eine verlässlichere Planungsgrundlage für Kapazitätsausbau und Investitionen – die Privatklinik Laßnitzhöhe kündigt etwa an, künftig auch strukturierte Gruppentherapien anbieten zu wollen.
Wie der Antrag funktioniert
Den Antrag stellt der behandelnde Arzt gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten beziehungsweise den Eltern. Als Diagnose ist „Cochlea-Implantation“ anzugeben, als Maßnahme „Stationäre Rehabilitation“ im „Neurologischen Formenkreis„. Erwachsene können dabei die Privatklinik Laßnitzhöhe, Eltern minderjähriger CI-NutzerInnen das Kokon Rohrbach-Berg als Wunschklinik angeben. Formulare sind über den österreichischen Reha-Kompass (rehakompass.goeg.at) oder direkt bei der Sozialversicherung (sozialversicherung.at) erhältlich.