Der australische Hörimplantat-Hersteller Cochlear Limited hat am 18. August 2026 die Zahlen für das am 30. Juni 2026 beendete Geschäftsjahr vorgelegt. Der Umsatz stieg währungsbereinigt um 2 % auf 2.343,4 Mio. AUD (1.438,8 Mio. EUR), der um Sondereffekte bereinigte Gewinn sank dagegen um 22 % auf 322,4 Mio. AUD (198,0 Mio. EUR). Cochlear bezeichnet FY26 im Geschäftsbericht als herausforderndes Jahr mit einer finanziellen Entwicklung unter den ursprünglichen Erwartungen. Im April hatte das Unternehmen seine Prognose für den bereinigten Jahresgewinn auf 290 bis 330 Mio. AUD gesenkt. Das tatsächlich erreichte Ergebnis lag damit am oberen Ende dieser revidierten Prognose.

Umsatz wächst währungsbereinigt, Gewinn bricht ein

Der Konzernumsatz lag mit 2.343,4 Mio. AUD (1.438,8 Mio. EUR) leicht unter dem Vorjahreswert von 2.355,8 Mio. AUD (1.446,5 Mio. EUR), minus 1 % nominal, plus 2 % währungsbereinigt. Der Nettogewinn sank um 62 % auf 147,3 Mio. AUD (90,4 Mio. EUR). Bereinigt um Sonderposten ging der Gewinn um 22 % auf 322,4 Mio. AUD (198,0 Mio. EUR) zurück. Im Vorjahr waren es 388,9 Mio. AUD (238,8 Mio. EUR). Der für Vergleichszwecke angepasste bereinigte Vorjahresgewinn lag bei 414,5 Mio. AUD (254,5 Mio. EUR).

Die Bruttomarge sank von 74 % auf 71 %. Als Ursachen nennt Cochlear unter anderem einen ungünstigeren Umsatzmix: Ein geringerer Umsatz in entwickelten Märkten als erwartet und mehr Verkäufe im niedrigeren Preissegment in China belasteten die Marge nach Unternehmensangaben um rund 1,5 Prozentpunkte. Eine geringere Fertigungsauslastung und Produktionsabweichungen kosteten weitere 1,2 Punkte, Währungseffekte rund 0,6 Punkte. Die einzeln ausgewiesenen und gerundeten Effekte summieren sich damit auf 3,3 Prozentpunkte Die Bruttomarge selbst wird auf ganze Prozentpunkte gerundet ausgewiesen.

Bei den Cochlea-Implantaten stiegen die Stückzahlen um 5 % auf 56.692, während der Umsatz währungsbereinigt mit 1.435,2 Mio. AUD (881,2 Mio. EUR) weitgehend stagnierte. Das Segment steht für rund 61 % des Konzernumsatzes. Das Mengenwachstum kam überproportional aus Schwellenländern mit niedrigeren Durchschnittspreisen.

Der Service-Bereich mit Ersatz-Sprachprozessoren, Zubehör und weiteren Dienstleistungen wuchs um 6 % auf 634,9 Mio. AUD (389,8 Mio. EUR). Die Akustik-Sparte mit insbesondere Osia- und Baha-Systemen legte um 1 % auf 273,3 Mio. AUD (167,8 Mio. EUR) zu.

Ein wichtiger Meilenstein war der Marktstart des Nucleus Nexa Systems, laut Cochlear das erste Cochlea-Implantatsystem mit aktualisierbarer Firmware. Bis Juni entfielen in entwickelten Märkten mehr als 95 % der Implantatverkäufe auf Nexa. Gleichzeitig erhöhte Cochlear die Preise im Durchschnitt um rund 3 %.

Regionale Bremsspuren in Europa, Rückenwind in Asien

Die entwickelten Märkte wuchsen währungsbereinigt insgesamt nur um 1 %. In den USA legte der Umsatz um 4 % zu, getragen unter anderem von Direct-to-Consumer-Aktivitäten und Kliniken mit etablierten Zuweiserstrukturen. Cochlear berichtet bei seinen Direct-to-Consumer-Aktivitäten von einem Wachstum von 10 %. Belastend wirkten verzögerte Versicherungsfreigaben sowie der allgemeine Kostendruck im US-Gesundheitssystem.

In Westeuropa sank der Umsatz um 8 %. Cochlear nennt dafür Operationsstaus im Vereinigten Königreich, Arbeitskampfmaßnahmen in Spanien sowie einen Marktanteilsverlust in Deutschland. Nähere Angaben zu den Ursachen des Rückgangs in Deutschland macht das Unternehmen nicht.

Asien-Pazifik wuchs um 7 %, angetrieben unter anderem von Australien mit verbesserten Zuweiserwegen sowie Südkorea nach Einführung des Nexa-Systems. In den Schwellenländern sank der Umsatz insgesamt um 2 %. Die Entwicklung war jedoch regional sehr unterschiedlich: Wachstum in Lateinamerika und Osteuropa konnte Rückgänge im Nahen Osten infolge von Konflikten und erschwertem Marktzugang sowie Belastungen in China durch mengenbasierte Beschaffung und Erstattungskürzungen nur teilweise ausgleichen.

Professionelle Zuweiser stärker im Fokus

Für die Hörbranche relevant ist der Ausbau sogenannter Direct-to-Professional-Zuweiserprogramme. Cochlear richtet diese Programme an unterschiedliche professionelle und medizinische Zuweiser, darunter Audiologen, Hausärzte und HNO-Ärzte. Entsprechende Aktivitäten laufen unter anderem in den USA, Deutschland, Großbritannien und Australien.

In den USA erfolgen nach Angaben des Unternehmens bislang nur rund 40 % der Zuweisungen erwachsener Cochlea-Implantat-Kandidaten über medizinische Fachkanäle. Cochlear sieht darin erhebliches Wachstumspotenzial und will die Zusammenarbeit mit professionellen Zuweisern intensivieren.

Zudem verweist das Unternehmen darauf, dass internationale Konsensus-Empfehlungen und klinische Leitlinien zur Cochlea-Implantation inzwischen in zahlreichen Ländern übernommen werden beziehungsweise sich im Adoptionsprozess befinden. Cochlear nennt hier 25 Länder.

Parallel baut das Unternehmen Schulungsprogramme für HNO-Ärzte aus. In den USA starten entsprechende Programme zunächst in vier Städten und sollen auf zwölf Städte erweitert werden. Deutschland und Australien nennt Cochlear als weitere Märkte für entsprechende Initiativen.

Der Geschäftsbericht verweist außerdem auf wissenschaftliche Arbeiten zu den gesundheitlichen und kognitiven Folgen von Hörverlust beziehungsweise Hörrehabilitation sowie auf gesundheitsökonomische Untersuchungen zur Kosteneffektivität von Cochlea-Implantaten. Dazu zählt unter anderem eine südkoreanische Beobachtungsstudie zum Zusammenhang zwischen Hörrehabilitation und Demenzinzidenz sowie ein britisches gesundheitsökonomisches Modell zur Kosteneffektivität unilateraler Cochlea-Implantate. Cochlear nutzt solche Studien zur Unterstützung der strategischen Bedeutung einer früheren Diagnose und Versorgung.

Sparkurs und Sonderbelastungen

Der große Abstand zwischen bereinigtem und ausgewiesenem Ergebnis erklärt sich vor allem durch Sonderposten, die im bereinigten Gewinn nicht enthalten sind.

Dazu zählen 66,0 Mio. AUD (40,5 Mio. EUR) nach Steuern für Cloud-Kosten im Zusammenhang mit der laufenden IT-Modernisierung. Für FY27 erwartet Cochlear bis zum Abschluss des Programms weitere rund 60 Mio. AUD (36,8 Mio. EUR) nach Steuern.

Hinzu kommt eine nicht zahlungswirksame Abwertung von 109,1 Mio. AUD (67,0 Mio. EUR) auf Beteiligungen, insbesondere am Neurostimulations-Unternehmen Epiminder.

Die Forschungsausgaben stiegen um 15 % auf 323,2 Mio. AUD (198,4 Mio. EUR) und damit auf rund 14 % des Umsatzes. Cochlear investiert unter anderem in eine wirkstofffreisetzende Elektrode sowie in ein vollständig implantierbares Cochlea-Implantatsystem.

Der freie Cashflow verbesserte sich um 141,1 Mio. AUD (86,6 Mio. EUR) auf 263,5 Mio. AUD (161,8 Mio. EUR). Gleichzeitig sank die Nettoliquidität um 88,0 Mio. AUD (54,0 Mio. EUR) auf 187,7 Mio. AUD (115,2 Mio. EUR). Das Aktienrückkaufprogramm blieb während des gesamten Geschäftsjahres ausgesetzt.

Dividende sinkt, Ausblick bleibt vorsichtig optimistisch

Die Schlussdividende sinkt um 40 % auf 1,30 AUD je Aktie (0,80 EUR). Für das Gesamtjahr zahlt Cochlear damit 3,45 AUD je Aktie (2,12 EUR), rund 20 % weniger als im Vorjahr. Die Ausschüttungsquote liegt nach Unternehmensangaben für das Gesamtjahr bei rund 70 % des bereinigten Gewinns.

Für FY27 erwartet Cochlear ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich und einen bereinigten Nettogewinn von 330 bis 350 Mio. AUD (202,6 bis 214,9 Mio. EUR).

Die geplanten Investitionen liegen bei 100 bis 110 Mio. AUD (61,4 bis 67,5 Mio. EUR). Mittelfristig will Cochlear seine bereinigte Nettomarge wieder auf rund 18 % steigern. Im abgelaufenen Geschäftsjahr lag sie bei rund 14 %.