Cochlear hat seine Prognose für den bereinigten Nettogewinn im Geschäftsjahr 2026 auf 290 bis 330 Millionen US-Dollar gesenkt. Als Gründe nennt das Unternehmen eine schwächere Entwicklung bei Cochlea-Implantaten in entwickelten Märkten, Unsicherheiten im Nahen Osten, eine geringere Bruttomarge, Kosten für den Umbau der Kostenbasis sowie Belastungen durch den stärkeren australischen Dollar.

Schwächere Nachfrage in mehreren Märkten

Nach Angaben von Cochlear Limited vom 22. April 2026 haben sich die Handelsbedingungen für Cochlea-Implantate in den entwickelten Märkten seit Januar schwächer entwickelt als erwartet. Für das zweite Halbjahr rechnet das Unternehmen nun nur noch mit einem Umsatzwachstum von 2 bis 6 Prozent bei konstanten Wechselkursen. Im Quartal blieb der Umsatz in diesem Segment bei konstanten Wechselkursen unverändert.

Belastet wurde das Geschäft laut Mitteilung unter anderem durch Kapazitätsengpässe in Kliniken und eine geringere Überweisungsaktivität aus dem Hörgerätekanal. In den USA sei die Entwicklung bis Mitte Februar noch im Rahmen der Erwartungen verlaufen, im März hätten die Volumina jedoch nachgegeben. In Westeuropa verweist Cochlear auf eingeschränkte Operationskapazitäten, wachsende Wartelisten etwa im Vereinigten Königreich und in Deutschland sowie auf Arbeitskämpfe in Italien und Spanien, die die Zahl der Eingriffe begrenzt hätten.

Naher Osten und China erhöhen den Druck

In den Schwellenländern sieht Cochlear zwar weiterhin eine solide Nachfrage, zugleich sei die Unsicherheit im Nahen Osten wegen des dortigen Konflikts gestiegen. Erwartet würden Auftragsstornierungen und ein erhöhtes Risiko für Lieferverzögerungen in einige Länder. Hinzu kommt eine Kürzung der Erstattung in chinesischen Sonderzugangszonen, die den Absatz im Premiumsegment in China im zweiten Halbjahr verringern soll.

Services und Acoustics wachsen weiter

Positiv hebt das Unternehmen das Geschäft mit Services hervor. Hier stieg der Umsatz im dritten Quartal bei konstanten Wechselkursen um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wachstumstreiber seien die größere installierte Basis, das Auslaufen des Nucleus 7 Sound Processor in den USA und der Beitrag des Kanso 3 Sound Processor. Im Bereich Acoustics legte der Umsatz im dritten Quartal um 11 Prozent zu. Unterstützt werde die Entwicklung durch die geografische Ausweitung des Osia System und den Rollout des Baha 7 Sound Processor, der im Juni 2025 eingeführt wurde.

Umbau der Kostenbasis wird beschleunigt

Cochlear will zugleich den organisatorischen und finanziellen Umbau forcieren. Ressourcen sollen innerhalb des Unternehmens neu verteilt werden, um die Überweisungswege und die kommerzielle Umsetzung im Segment der Erwachsenen und Senioren zu stärken, weiter in neue Produkte, digitale Fähigkeiten und die langfristige Marktentwicklung zu investieren und zugleich Skaleneffekte in unterstützenden Funktionen zu heben.

Die frühere Prognose hatte am unteren Ende einer Spanne von 435 bis 460 Millionen US-Dollar gelegen. In der neuen Erwartung berücksichtigt Cochlear auch mögliche Forderungswertberichtigungen im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt von bis zu 10 Millionen US-Dollar, einen Margeneffekt von rund 20 Millionen US-Dollar, Umbaukosten von etwa 18 bis 25 Millionen US-Dollar sowie einen negativen Währungseffekt von etwa 25 Millionen US-Dollar nach Steuern.