Der Hörimplantat-Hersteller Cochlear hat am 31. August 2026 in Hannover eine Informationskampagne für Hörakustiker und niedergelassene HNO-Ärzte gestartet. Ziel ist laut Unternehmen, Kunden und Patienten früher über das Cochlea-Implantat (CI) als Versorgungsoption aufzuklären, wenn ein Hörgerät nicht mehr ausreicht. Nach eigenen Angaben geht Cochlear davon aus, dass in Deutschland rund 1 Million Menschen von einem CI profitieren könnten, auch wenn viele von ihnen erst spät oder gar nicht den Weg in eine spezialisierte Klinik finden.
Woran es aus Sicht des Herstellers hakt
Marina Papenhoff, Marketingdirektorin von Cochlear Deutschland, nennt zwei Haupthürden: Vielen fehlt schlicht das Wissen über die Vorteile eines CI, andere scheuen den operativen Eingriff. Hinzu kommt eine Diagnose, die oft zu spät kommt. Mit der Kampagne wolle Cochlear gemeinsam mit Hörakustikern und HNO-Praxen dafür sorgen, dass Betroffene rechtzeitig erfahren, welche Versorgungsoptionen es gibt.
Zur Untermauerung führt Cochlear eigene Zahlen an: 97 % der CI-Träger würden die Versorgung demnach uneingeschränkt weiterempfehlen; 96 % verstünden Sprache besser als zuvor mit einem Hörgerät, im Schnitt um 55 %. Woher diese Werte im Detail stammen, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO-KHC) nennt laut Cochlear eine klare Schwelle: Eine CI-Therapie sollte geprüft werden, wenn das Einsilberverstehen auf einem Ohr bei 65 Dezibel im Freifeld trotz optimaler Hörgeräte-Versorgung bei 60 % oder darunter liegt.
Wie die Plattform Hörakustiker unterstützen soll
Kernstück der Kampagne ist eine Online-Plattform. Über den sogenannten Hoppe-Score, ein interaktives Bewertungssystem, sollen Hörakustiker und HNO-Ärzte direkt einschätzen können, ob ein Kunde oder Patient als CI-Kandidat infrage kommt. Kommt eine Weiterleitung zustande, übernehmen Cochlear Hörbegleiter die weitere Information und helfen bei der Terminabstimmung mit einer Klinik. Wer möchte, kann zusätzlich mit einem der ehrenamtlichen Cochlear Hörpaten sprechen, Menschen, die selbst mit einem CI leben.
Der Hörakustiker soll dabei nicht leer ausgehen: Ein Kooperationspartner vermittelt ihm nach Angaben des Unternehmens für jeden erfolgreich weitergeleiteten CI-Kandidaten 2 neue Hörgeräte-Kunden kostenfrei.
Alessandra Fink, Professional Marketing Manager Acousticians/ENT bei Cochlear, sagt, die Kampagne solle geeigneten Kandidaten rechtzeitig den Weg zu einer spezialisierten Abklärung ebnen. Vorschnelle CI-Entscheidungen seien nicht das Ziel. Die Kampagne mit dem Titel „Das beste Hörgerät… ist manchmal keins“ wird nach Angaben von Cochlear ein Schwerpunktthema auf dem EUHA-Kongress 2026 sowie bei Fortbildungen für niedergelassene HNO-Ärzte sein.