Demant ist mit 6 % organischem Wachstum ins Geschäftsjahr 2026 gestartet. Der dänische Hörgesundheitskonzern meldete am 5. Mai 2026 für das erste Quartal vor allem im Geschäft mit Hörsystemen deutliche Zuwächse. Treiber war nach Unternehmensangaben die Markteinführung von Oticon Zeal, während die Übernahme der KIND Group das Wachstum im Bereich Hearing Care spürbar erhöhte.

Oticon Zeal sorgt für Schub im Kerngeschäft

Im Bereich Hearing Aids erzielte Demant mit externen Kunden im ersten Quartal einen Umsatz von 2,535 Mrd. DKK, nach 2,470 Mrd. DKK im Vorjahresquartal. Organisch entsprach das einem Plus von 9 %. Der Gesamtumsatz im Hörgerätebereich lag bei 3,356 Mrd. DKK, ein berichtetes Plus von 7 %.

Demant führt die Entwicklung vor allem auf den Roll-out von Oticon Zeal in allen wichtigen Märkten zurück. Das Produkt habe die Wachstumsdynamik im Hörgerätegeschäft deutlich verbessert. CEO Søren Nielsen sprach von einem „strong start to the year“ und verwies auf die positive Marktaufnahme des Produkts.

Für Hörakustiker ist daran vor allem relevant, dass Demant den Erfolg nicht nur über Stückzahlen erklärt. Das Unternehmen nennt ausdrücklich auch einen verbesserten durchschnittlichen Verkaufspreis, getrieben durch Produkt- und Kanalmix. Damit wirkt Zeal nicht nur als Volumentreiber, sondern offenbar auch als Faktor für die Wertentwicklung im Portfolio.

Markt wächst, aber Demant wächst schneller

Demant schätzt, dass der globale Hörgerätemarkt im ersten Quartal 2026 bei den Stückzahlen um rund 3 % gewachsen ist. Der wertmäßige Marktanstieg lag demnach bei etwa 4 %. Diese Angabe beruht laut Unternehmen auf verfügbaren Marktstatistiken, die rund zwei Drittel des Hörgerätemarktes abdecken, sowie auf eigenen Annahmen.

Regional zeigte sich ein gemischtes Bild. In Europa lag das geschätzte Stückwachstum bei 2 %, getragen vor allem von Deutschland und Frankreich. In Nordamerika stieg der Markt um 3 %. In der Region „Rest of World“ lag das Wachstum bei 4 %.

Die Einordnung liegt nahe: Wenn der Markt wertmäßig um rund 4 % wächst und Demant im externen Hörgerätegeschäft organisch um 9 % zulegt, spricht das für Marktanteilsgewinne. Demant selbst formuliert diese Einschätzung ebenfalls, bezieht sie aber auf Marktanteile nach Wert.

KIND-Übernahme verändert die Größenordnung im Versorgungsgeschäft

Im Bereich Hearing Care stieg der Umsatz auf 3,123 Mrd. DKK, nach 2,547 Mrd. DKK im Vorjahr. Organisch lag das Wachstum bei 4 %, akquisitorisch bei 23 %. Hauptgrund für diesen akquisitorischen Effekt ist die KIND Group, deren Übernahme im vierten Quartal 2025 abgeschlossen wurde.

Demant stärkt mit KIND sein Endkundengeschäft deutlich, insbesondere in Deutschland. Das verändert die vertikale Präsenz des Konzerns: Neben Entwicklung, Herstellung und Markenvertrieb gewinnt die direkte Versorgung über eigene oder verbundene Fachgeschäfte weiter an Gewicht.

Auch im organischen Hearing-Care-Geschäft nennt Demant konkrete Treiber. Wachstum kam vor allem aus dem Vereinigten Königreich und Nordamerika. In Deutschland sei das organische Wachstum gut gewesen und zusätzlich durch akquisitorisches Wachstum gestützt worden. In Frankreich war die Entwicklung leicht negativ, weil ein negativer Produktmixeffekt den Stückzuwachs überlagerte.

Profitabilität bleibt zweites großes Thema

Neben dem Wachstum betont Demant seine Maßnahmen zur Verbesserung der Profitabilität. Im ersten Quartal seien mehrere organisatorische Anpassungen umgesetzt worden. Die Kosteneffekte blieben im Berichtszeitraum noch begrenzt, das Unternehmen hält aber an seinem Ziel fest: 250 Mio. DKK Einsparungen im Jahr 2026 und insgesamt 500 Mio. DKK ab voller Wirksamkeit im Jahr 2028.

Der Ausblick für 2026 bleibt unverändert. Demant erwartet weiterhin 3 bis 6 % organisches Wachstum und ein EBIT vor Sondereffekten von 4,1 bis 4,5 Mrd. DKK. Gleichzeitig hält das Unternehmen Ergebnisse am unteren Ende dieser Spannen wegen der starken Aufnahme von Oticon Zeal für weniger wahrscheinlich.

Als Belastungen nennt Demant unter anderem Wechselkurseffekte von rund minus 200 Mio. DKK auf das EBIT vor Sondereffekten sowie Tarifeffekte von etwa minus 25 Mio. DKK im Diagnostics-Geschäft. KIND soll 2026 rund 300 Mio. DKK zum EBIT vor Sondereffekten beitragen.

Ausblick: Produktzyklus und Integration entscheiden

Demants erstes Quartal zeigt zwei parallele Entwicklungen: Oticon Zeal stärkt das Hörgerätegeschäft, während KIND die Reichweite im Versorgungsgeschäft vergrößert. Für Hörakustiker bleibt damit besonders wichtig, wie sich Demants Produktdynamik, Preispositionierung und vertikale Marktpräsenz im weiteren Jahresverlauf auf Wettbewerb und Sortimentsentscheidungen auswirken.

Entscheidend wird das zweite Halbjahr. Dann sollen größere Teile der Kostensenkungen wirksam werden, zugleich muss sich zeigen, ob die Nachfrage nach Oticon Zeal über den Startimpuls hinaus trägt.