Der dänische Hörgerätekonzern Demant hat im ersten Halbjahr 2026 ein organisches Umsatzwachstum von 7 Prozent erzielt. Das lag über den eigenen Erwartungen. Deshalb hebt das Unternehmen seine Prognose für das Gesamtjahr an. Für die deutsche Hörakustik ist der Bericht zusätzlich interessant, weil die im Dezember 2025 übernommene KIND-Gruppe erstmals ein volles Halbjahr zu den Konzernzahlen beiträgt.

Wachstum in allen Geschäftsbereichen

Der Konzernumsatz stieg in den ersten sechs Monaten 2026 um 15 Prozent auf DKK 12.913 Millionen (rund 1,73 Milliarden Euro), organisch um 7 Prozent. Im zweiten Quartal legte das organische Wachstum auf 9 Prozent zu. Bei „Hearing Aids“ stieg der externe Umsatz organisch um 9 Prozent, bei „Diagnostics“ um 6 Prozent. „Hearing Care“ kam auf 6 Prozent organisches Wachstum, dazu kamen 23 Prozent akquisitorisch, vor allem durch KIND.

Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen (EBIT) kletterte auf DKK 2.134 Millionen (rund 286 Millionen Euro), ein Plus von 19 Prozent in lokalen Währungen. Die EBIT-Marge lag bei 16,5 Prozent. Die Bruttomarge stieg um 1,1 Prozentpunkte auf 77,1 Prozent, laut Demant vor allem getrieben durch höhere durchschnittliche Verkaufspreise bei Hörgeräten und zusätzlich gestützt durch die KIND-Übernahme in Hearing Care. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 20 Prozent auf DKK 6,40.

Prognose angehoben

Demant erhöht seinen Ausblick für 2026: Das organische Wachstum soll nun bei 6 bis 7 Prozent liegen, zuvor waren es 3 bis 6 Prozent. Das EBIT vor Sondereinflüssen soll DKK 4.400 bis 4.800 Millionen (rund 589 bis 642 Millionen Euro) erreichen, zuvor lag die Spanne bei DKK 4.100 bis 4.500 Millionen (rund 549 bis 602 Millionen Euro). Beim Q1-Zwischenbericht im Mai hatte Demant diese Spannen noch bestätigt und lediglich das untere Ende als unwahrscheinlicher bezeichnet. CEO Søren Nielsen sagt, er gehe mit Zuversicht und „hohen Erwartungen“ in den bevorstehenden Marktstart von Oticon Reveal.

Die im Februar 2026 gestarteten Sparmaßnahmen brachten im ersten Halbjahr rund DKK 100 Millionen (rund 13 Millionen Euro), leicht mehr als geplant. Für das Gesamtjahr rechnet Demant nun mit Einsparungen von rund DKK 300 Millionen (rund 40 Millionen Euro) statt der zuvor angepeilten DKK 250 Millionen. Auch beim US-Zollrisiko entspannt sich die Lage: Der Konzern erwartet für 2026 keine zusätzliche Zollbelastung gegenüber 2025 mehr und rechnet im zweiten Halbjahr sogar mit einer Rückerstattung bereits gezahlter Zölle.

KIND-Integration mit Schattenseiten in Thüringen

Für die deutsche Branche ist der Bericht auch wegen der KIND-Integration wichtig. Mit der im Dezember 2025 abgeschlossenen Übernahme, die das Bundeskartellamt im November 2025 freigab, steigt Demant laut zum größten Hörakustik-Filialbetreiber in Deutschland auf: Kind brachte rund 600 Standorte mit, Demant selbst etwa 350. Die Sondereinflüsse von DKK -216 Millionen (rund -29 Millionen Euro) im ersten Halbjahr gehen laut Unternehmen unter anderem auf die beschleunigte Schließung des KIND-Produktionsstandorts audifon im thüringischen Kölleda zurück.

Reveal soll zweite Jahreshälfte tragen

Im August startet Demant den Rollout seiner neuen Hörgeräteplattform Oticon Reveal mit einem Dual-AI-Schallverarbeitungssystem. Reveal soll zusammen mit dem bereits etablierten Oticon Zeal das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte tragen. Der Marktstart fällt allerdings in eine Phase, in der auch Wettbewerber neue Produkte bringen, etwa GN mit dem kürzlich vorgestellten ReSound Sensia.

Finanziell baut Demant trotz der KIND-Übernahme weiter Schulden ab: Die Nettoverschuldung sank bis Ende Juni 2026 auf DKK 17.950 Millionen (rund 2,40 Milliarden Euro), der Verschuldungsgrad auf das 3,0-Fache. Mittelfristig peilt der Konzern eine Spanne von 2,0 bis 2,5 an, rechnet aber damit, dieses Ziel zum Jahresende 2026 knapp zu verfehlen. Aktienrückkäufe plant Demant für das laufende Jahr nicht.