Der stationäre Einzelhandel in Deutschland steht vor einem weiteren Rückschlag: Laut einer aktuellen Prognose des Handelsverband Deutschland (HDE) werden im Jahr 2026 rund 4.900 Geschäfte schließen. Betroffen sind vor allem Innenstädte und kleinere Händler. Hauptursachen sind der anhaltende Strukturwandel, steigende Kosten und der wachsende Onlinehandel.
Strukturwandel beschleunigt das Ladensterben
Der Einzelhandel befindet sich seit Jahren im Umbruch. Die zunehmende Digitalisierung und das veränderte Konsumverhalten der Verbraucher setzen stationäre Geschäfte unter Druck. Immer mehr Käufe verlagern sich ins Internet, während klassische Ladenkonzepte an Bedeutung verlieren.
Nach Angaben des Handelsverband Deutschland (HDE) wird die Gesamtzahl der Geschäfte bundesweit bis Ende 2026 auf rund 300.000 sinken. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag diese Zahl noch deutlich höher. Besonders betroffen sind kleinere, inhabergeführte Läden, die weniger Spielraum für Investitionen in digitale Angebote haben.
Kostensteigerungen verschärfen die Lage
Neben dem strukturellen Wandel belasten auch wirtschaftliche Faktoren den Handel. Hohe Energiepreise, steigende Mieten und höhere Personalkosten drücken die Margen. Viele Unternehmen sehen sich gezwungen, unrentable Filialen zu schließen.
„Die Lage bleibt angespannt“, heißt es aus Branchenkreisen. Selbst größere Handelsketten überprüfen zunehmend ihre Filialnetze und passen diese an veränderte Marktbedingungen an.
Innenstädte besonders betroffen
Die Prognose hat weitreichende Folgen für die Attraktivität der Innenstädte. Leerstände nehmen zu, wodurch ganze Einkaufsstraßen an Anziehungskraft verlieren könnten. Kommunen stehen vor der Herausforderung, neue Nutzungskonzepte zu entwickeln – etwa durch eine stärkere Mischung aus Handel, Gastronomie und Dienstleistungen.
Experten sehen darin auch eine Chance: Innenstädte könnten sich langfristig stärker zu multifunktionalen Erlebnisräumen wandeln, in denen Einkaufen nur noch eine von mehreren Funktionen ist.
Onlinehandel wächst weiter
Parallel dazu setzt der Onlinehandel seinen Wachstumskurs fort. Der Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz steigt kontinuierlich, auch wenn sich das Wachstum zuletzt etwas verlangsamt hat. Dennoch bleibt der Wettbewerbsdruck hoch.
Viele Händler reagieren mit Omnichannel-Strategien, bei denen stationäre und digitale Angebote kombiniert werden. Doch nicht alle Unternehmen können diesen Wandel erfolgreich umsetzen.
Ausblick: Anpassung als Überlebensstrategie
Die Entwicklung dürfte sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass sich der Einzelhandel weiter konsolidiert und die Zahl der Geschäfte weiter sinkt.
Langfristig könnten sich jedoch neue Chancen ergeben – etwa durch innovative Konzepte, stärkere Kundenbindung und digitale Integration. Entscheidend wird sein, wie schnell und flexibel sich Unternehmen an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen.