Der US-Implantathersteller Envoy Medical hat zwei weitere Patente im Ausland erhalten, eines in Kanada und eines in Hongkong. Das teilte das Unternehmen aus White Bear Lake im US-Bundesstaat Minnesota am 22. September mit. Nach eigenen Angaben kommt es damit weltweit auf 97 erteilte Patente. Beide Patente beziehen sich auf implantierbare Cochlea-Systeme. Das Unternehmen ordnet sie seiner Plattform für voll implantierbare Hörsysteme zu.
Was die beiden Patente schützen
Das kanadische Patentamt erteilte das Patent Nr. 3,130,978 mit dem Titel „Implantable Cochlear System with Integrated Components and Lead Characterization“. Hier geht es um die Charakterisierung elektrischer Leiter innerhalb eines implantierbaren Cochlea-Systems.
Das Hongkonger Patent HK40108431 („Implantable Cochlear System and Corresponding Method of Compensating for Variability in a Middle Ear Sensor“) umfasst Systeme und Verfahren, die Schwankungen eines Mittelohrsensors ausgleichen sollen. Dazu gehört auch die Verarbeitung und Normalisierung der Sensorsignale. Der Sensor steht für Envoys Ansatz: Laut Unternehmen nutzen seine Systeme die natürliche Anatomie des Ohrs zur Schallaufnahme, statt eines externen oder unter der Haut liegenden Mikrofons.
Wie die Zahl 97 zustande kommt
Von den 97 Patenten wurden 40 in den USA und 57 im Ausland erteilt. Hinzu kommen 35 laufende Anmeldungen, davon 26 im Ausland und 9 in den USA. Bei der Zählung lohnt ein genauer Blick. Für erteilte europäische Patente führt Envoy das Europäische Patent (EP) separat und zusätzlich zu den jeweiligen nationalen Validierungen und Einheitspatenten. Ein europäisches Patent kann so mehrfach in die Auslandszahl eingehen.
Envoy-CEO Brent Lucas kündigte an, das Unternehmen werde weiter in Schutzrechte im In- und Ausland investieren. Der Wert liege nach seinen Worten weniger im einzelnen Patent als in der Gesamtstrategie.
Wo die Produkte heute stehen
Envoy Medical ist an der Nasdaq notiert (Kürzel COCH) und hat zwei voll implantierbare Systeme im Portfolio. Das aktive Mittelohrimplantat Esteem ist in den USA seit 2010 im Handel. Es ist dort für Erwachsene mit mittel- bis hochgradiger Schallempfindungsschwerhörigkeit zugelassen.
Das Cochlea-Implantat Acclaim ist dagegen noch ein Prüfprodukt. Es wird derzeit in einer zulassungsrelevanten klinischen Studie in den USA untersucht. Das Gerät ist für Erwachsene mit hochgradiger bis an Taubheit grenzender Schallempfindungsschwerhörigkeit ausgelegt, bei denen Hörgeräte nicht ausreichen. Nach Erwartung des Unternehmens soll es für diese Patientengruppe indiziert werden. Die US-Behörde FDA hatte dem Acclaim 2019 den Status „Breakthrough Device“ zuerkannt.