Der französische Hörgerätemarkt ist 2025 wieder gewachsen. Nach eigener Auswertung der LPP’AM-Daten 2016 bis 2025 wurden in Frankreich 1,57 Millionen Hörgerätepositionen zur Erstattung eingereicht. Das entspricht einem Plus von knapp 10 Prozent gegenüber 2024. Im Herstellervergleich verschieben sich die Gewichte deutlich: Sonova legt kräftig zu, WSA inklusive Biotone verliert Volumen, Demant/Prodition, GN Hearing und Starkey wachsen aus unterschiedlichen Ausgangslagen.

Rebound nach zwei schwächeren Jahren

Die französische Assurance Maladie veröffentlicht mit LPP’AM eine jährliche Statistik zu erstatteten Medizinprodukten der Liste des Produits et Prestations. Der Datensatz enthält pro LPP-Code unter anderem die Erstattungsbasis, den erstatteten Betrag und die Zahl der erstatteten Medizinprodukte. Für die Hörakustik sind in dieser Auswertung die Positionen S40A und S40B relevant, also Hörgeräte für Versicherte bis 20 Jahre und über 20 Jahre. Zubehör, Batterien und Reparaturen sind nicht eingerechnet.

2025 wurden in Frankreich 1.567.694 Hörgerätepositionen zur Erstattung eingereicht. 2024 waren es 1.425.256, 2023 1.462.737. Der Markt hat damit zwei rückläufige Jahre hinter sich gelassen. Die Erstattungsbasis lag 2025 bei 653,9 Millionen Euro, der tatsächlich erstattete Betrag bei 426,7 Millionen Euro.

Diese Werte sind keine vollständige Umsatzstatistik des Endkundenmarktes. Sie bilden den erstattungsrelevanten Teil ab. Gerade bei höherwertigen Versorgungen können private Zuzahlungen und Zusatzversicherungen eine größere Rolle spielen.

100% Santé bleibt der Taktgeber

Der große Wachstumssprung liegt bereits einige Jahre zurück. Zwischen 2020 und 2021 stieg die Zahl der erstatteten Hörgerätepositionen von 827.168 auf 1.465.975. Dieser Sprung fällt in die Phase der vollständigen Umsetzung von 100% Santé, der französischen Reform zur besseren Versorgung bei Optik, Zahnmedizin und Hörakustik.

Seit 2019 werden Hörgeräte in Frankreich in zwei Klassen geführt. Klasse I gehört zum Angebot 100% Santé und ermöglicht eine Versorgung ohne Restkosten. Klasse II liegt außerhalb des 100%-Santé-Korbs und wird zu freien Preisen angeboten, die vom Hörakustiker festgelegt werden.

Für Hörakustiker im deutschsprachigen Raum ist das ein wichtiger Vergleichspunkt: Frankreich zeigt, wie stark ein regulierter Erstattungsimpuls die Versorgung ausweiten kann. Nach dem Reformschub normalisiert sich der Markt jedoch. Wachstum entsteht dann wieder stärker über Wettbewerb, Marktzugang, Servicequalität und Markenstärke.

Sonova gewinnt klar an Boden

Die auffälligste Verschiebung zeigt sich bei Sonova. Der Konzern steigert die Zahl der eingereichten Hörgerätepositionen von 383.948 im Jahr 2024 auf 495.210 im Jahr 2025. Das ist ein Plus von rund 29 Prozent.

Damit rückt Sonova in der vorliegenden LPP-Auswertung an die Spitze der betrachteten Hersteller-Gruppen. 2022 lag Sonova noch bei 438.664 Positionen, 2023 bei 398.573. Nach zwei schwächeren Jahren ist 2025 also nicht nur eine Erholung, sondern ein klarer Wettbewerbssprung.

Für den Markt bedeutet das: Sonova hat in Frankreich offenbar besonders stark vom Rebound profitiert. Ob dies durch Produktzyklen, Vertriebsstärke, Konditionen, Listungen oder Kanalentwicklung getrieben wurde, lässt sich aus der LPP’AM-Datei allein nicht ableiten. Sichtbar ist aber: Der Konzern gewinnt im erstatteten Volumen deutlich an Abstand zu mehreren Wettbewerbern.

WSA verliert Volumen, bleibt aber ein Schwergewicht

WSA inklusive Biotone kommt 2025 auf 434.868 Hörgerätepositionen. Im Vorjahr waren es 471.815. Das entspricht einem Rückgang von rund 8 Prozent. Damit verliert WSA in einem wachsenden Gesamtmarkt an relativer Stärke.

Die Zuordnung von Biotone zu WSA ist für die Bewertung wichtig. In Frankreich wurden die Aktivitäten von Signia, Widex und Biotone, dem Distributor der Marken Rexton und Audio Service, zum 1. Oktober 2025 unter WS Audiology France gebündelt.

Trotz des Rückgangs bleibt WSA einer der größten Anbieter im französischen Erstattungsmarkt. Der Abstand zu Sonova ist 2025 jedoch deutlich: Sonova liegt bei 495.210 Positionen, WSA inklusive Biotone bei 434.868.

Demant/Prodition stabilisiert sich

Prodition, die französische Tochter des dänischen Demant-Konzerns, erreicht 2025 336.507 Hörgerätepositionen. Gegenüber 2024 mit 303.090 Positionen ist das ein Plus von rund 11 Prozent. Prodition bezeichnet sich selbst als französische Tochter des Demant-Konzerns.

Im Vierjahresvergleich wirkt Demant/Prodition stabiler als manche Wettbewerber. 2022 waren es 308.690 Positionen, 2023 312.649, 2024 303.090. 2025 liegt Prodition wieder klar über diesem Korridor. Für die Wettbewerbslandschaft heißt das: Demant schließt nicht zu Sonova oder WSA auf, behauptet aber eine starke dritte Position.

GN Hearing und Starkey holen auf

GN Hearing wächst 2025 von 86.554 auf 109.980 Positionen. Das Plus von rund 27 Prozent ist prozentual stark, kommt aber von einer deutlich kleineren Basis. Für die aktuelle Markteinordnung ist ein zusätzlicher Punkt relevant: GN Store Nord hat im März 2026 eine verbindliche Vereinbarung zum Verkauf seines Hearing-Geschäfts an Amplifon geschlossen. Der Abschluss wird vorbehaltlich regulatorischer Freigaben bis Ende 2026 erwartet.

Starkey legt von 173.053 auf 190.987 Positionen zu. Das entspricht rund 10 Prozent Wachstum. Damit bleibt Starkey im französischen Volumenvergleich hinter Sonova, WSA und Demant/Prodition, zeigt aber eine stabile Aufwärtsbewegung.

Wettbewerb verschiebt sich zugunsten der stärksten Plattformen

Die französischen Zahlen zeigen 2025 keinen neuen Reformboom, sondern einen Markt, der nach der Normalisierung wieder wächst. Entscheidend ist dabei die ungleiche Verteilung des Wachstums. Sonova gewinnt stark, WSA verliert, Demant/Prodition stabilisiert sich auf erhöhtem Niveau, während GN Hearing und Starkey aus kleineren Volumenbasen zulegen.