GN Store Nord hat im 1. Quartal 2026 ein deutlich wachsendes Hörgerätegeschäft gemeldet. Die zum Verkauf stehende Hearing Division erzielte 9 % organisches Umsatzwachstum und ein bereinigtes EBITA von 300 Mio. DKK. Zugleich belasteten hohe Sondereffekte die Ergebnisrechnung. Der Verkauf der Hörsparte an Amplifon soll bis Ende 2026 abgeschlossen werden.
Hörsparte liefert operativ den stärksten Beitrag
Die Hearing Division bleibt operativ der stärkste Bereich im GN-Konzern. Der Umsatz stieg im Quartal von 1,703 Mrd. DKK auf 1,755 Mrd. DKK. Das entspricht einem berichteten Plus von 3 % und einem organischen Wachstum von 9 %. Im Vorjahresquartal hatte die Sparte noch ein organisches Minus von 1 % ausgewiesen.
Auch die Marge verbesserte sich deutlich. Das bereinigte EBITA lag bei 300 Mio. DKK, nach 171 Mio. DKK im Vorjahresquartal. Die bereinigte EBITA-Marge stieg damit von 10,0 % auf 17,1 %.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen operativer Entwicklung und berichteter Ergebnisrechnung. In den discontinued operations weist GN für Hearing ein berichtetes EBITA von -607 Mio. DKK aus. Grund sind Sondereffekte, darunter eine Wertminderung von 891 Mio. DKK. Bereinigt um diese Effekte zeigt die Sparte jedoch ein klares Ergebniswachstum.
Neue Struktur verändert den Blick auf GN
Seit der Ankündigung des Verkaufs behandelt GN das Hörgeschäft als discontinued operations. Die fortgeführten Aktivitäten umfassen damit vor allem Enterprise und Gaming. Der Abschluss des Verkaufs wird laut GN bis Ende 2026 erwartet.
Für die Vergleichbarkeit ist diese Umstellung entscheidend. GN weist darauf hin, dass die Vergleichszahlen angepasst wurden. Zugleich wurde der Split zwischen fortgeführten und nicht fortgeführten Aktivitäten für 2025 nicht separat testiert. Diese Einschränkung ist für die Einordnung der Zahlen relevant.
Unter der früheren Berichtsstruktur hätte GN im Quartal 2 % organisches Umsatzwachstum und ein bereinigtes EBITA von 306 Mio. DKK ausgewiesen. Ohne Hearing liegt das bereinigte EBITA der fortgeführten Aktivitäten nur bei 6 Mio. DKK, entsprechend einer bereinigten Marge von 0,3 %.
EMEA belastet, Nordamerika und APAC stützen
Die Schwäche liegt vor allem außerhalb des Hörgeschäfts. Die Enterprise Division meldete -5 % organisches Wachstum. GN begründet das mit schwacher Nachfrage und Lagerabbau im Vertriebskanal in EMEA. In Nordamerika und APAC sei das Geschäft dagegen stark gewachsen.
Auch Gaming bleibt verhalten. GN nennt für die Gaming Division -1 % organisches Wachstum, allerdings ohne den Wind-down der Produktlinien Elite und Talk. Einschließlich dieses Effekts lag das berichtete organische Wachstum bei -20 %.
CEO Peter Karlstromer ordnet das Marktumfeld entsprechend vorsichtig ein. GN bewege sich in einem Umfeld, das „more challenging than usual“ bleibe, besonders in EMEA, während Nordamerika und APAC im Enterprise-Geschäft weiter positive Dynamik zeigten. Zugleich verweist Karlstromer auf den laufenden Verkauf des Hörgeschäfts und geplante Kostenschritte.
Verkauf an Amplifon prägt den Übergang
GN hatte am 16. März 2026 eine Vereinbarung zum Verkauf des Hörgeschäfts an Amplifon S.p.A. bekannt gegeben. Die Transaktion bewertet die Hearing-Sparte mit 17,0 Mrd. DKK auf schulden- und cashfreier Basis. Bezahlt werden sollen 12,6 Mrd. DKK in bar sowie 56 Mio. Amplifon-Aktien.
Der Transaktionsumfang umfasst das gesamte Hearing-Geschäft mit rund 5.500 Beschäftigten weltweit, darunter ReSound, Beltone und weitere Hörmarken, außerdem die Hörgeräte-IP, Forschung und Entwicklung, Fertigung, Operations, relevante Standorte sowie Beltone-Netzwerkpartnerschaften. Die aktuelle Finanzbeteiligung an Nations Benefits LLC ist nicht Teil der Transaktion.
Amplifon erhält mit dem Zukauf Zugang zu Technologie, Marken, Fertigung und Entwicklungsressourcen. GN richtet sich nach dem Verkauf stärker auf Audio-, Video-, Enterprise- und Gaming-Lösungen aus.
Kostensenkungen sollen Folgelasten auffangen
GN hat den Ausblick für 2026 an den geplanten Carve-out angepasst. Für die fortgeführten Aktivitäten erwartet der Konzern 0 bis 6 % organisches Umsatzwachstum und eine bereinigte EBITA-Marge von 8 bis 9 %. Zusätzlich plant GN strukturelle Kosteneinsparungen von rund 200 Mio. DKK, die ab 2027 wirken sollen.
Diese Einsparungen sollen auch sogenannte stranded costs ausgleichen. Gemeint sind gemeinsame Konzernkosten von rund 200 Mio. DKK, die nach dem Verkauf im verbleibenden Geschäft bleiben. GN rechnet zudem mit einmaligen Cash-Kosten von rund 750 Mio. DKK über 2026 und 2027 für Transaktion, Carve-out und Anpassungen der Kostenstruktur.
Starke Hörzahlen, aber ein komplexer Übergang
Operativ zeigt GN Hearing kurz vor dem Eigentümerwechsel eine starke Entwicklung. Die bereinigten Kennzahlen sprechen für Wachstum und verbesserte Profitabilität. Die berichteten Verluste der discontinued operations zeigen jedoch, dass der Verkauf bilanziell und organisatorisch mit erheblichen Sondereffekten verbunden ist.
Für die kommenden Monate bleiben vor allem drei Punkte relevant: die regulatorischen Freigaben, der Carve-out der Hearing Division und die Frage, wie Amplifon das übernommene Technologie-, Marken- und Fertigungsgeschäft nach dem Abschluss integriert.