Mehrere Großinvestoren stellen den Verkaufsprozess der Hörgerätesparte an Amplifon infrage – Großaktionär Demant soll vorab nicht informiert worden sein.

Der am 16. März 2026 verkündete Verkauf der Hörgerätesparte GN Hearing an den italienischen Konzern Amplifon für bis zu 17 Milliarden dänische Kronen gerät zunehmend in die Kritik. Was der Markt zunächst mit deutlichen Kursgewinnen für die GN-Aktie honorierte, entwickelt sich nach Berichten der dänischen Zeitung Berlingske zu einer handfesten Kontroverse um Transparenz und Prozessführung.

Was ist passiert?

Im Zentrum der Kritik steht der dänische Wettbewerber Demant, zugleich mit rund 14 Prozent einer der größten Aktionäre von GN Store Nord. Demant soll von dem Verkauf nichts gewusst haben, bevor er öffentlich bekannt wurde. Laut den Berichten prüfte das Unternehmen daraufhin, ob sich die Transaktion noch stoppen ließe – Anwälte kamen jedoch zu dem Schluss, dass der GN-Vorstand die Vereinbarung bereits unterzeichnet hatte und ein Rückabwickeln schwierig und kostspielig gewesen wäre.

Demant hatte GN in der Vergangenheit wiederholt einen Zusammenschluss vorgeschlagen und galt als potenzieller Interessent. Dass der Konzern in den Verkaufsprozess nicht einbezogen wurde, sorgt bei mehreren Investoren für Unmut.

Warum der Prozess selbst zum Streitpunkt wird

Kritisiert wird vor allem, dass der GN-Vorstand die Transaktion durchführte, ohne die Aktionäre einzubeziehen und ohne eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen. Mehrere Quellen vertreten die Ansicht, potenzielle Käufer wie Sonova und Demant hätten zur Abgabe von Geboten eingeladen werden sollen – ein breiterer Bieterkreis hätte den Wettbewerb und damit möglicherweise auch den Preis erhöht.

Am ursprünglichen Verkaufsprozess waren zunächst mehrere Private-Equity-Fonds sowie EssilorLuxottica, der weltgrößte Brillenhersteller, als möglicher Bieter beteiligt. Diese Parteien wurden im Verlauf des Prozesses aussortiert, am Ende entschied sich GN für das Angebot von Amplifon. Kritiker sehen genau in diesem geschlossenen, selektiven Ablauf einen möglichen Grund dafür, dass GN nicht den bestmöglichen Preis erzielt haben könnte.

Wie GN und Experten die Vorwürfe bewerten

GN weist die Kritik zurück und bezeichnet das Amplifon-Angebot als überzeugend. Der Konzern betont, alle strategischen Optionen geprüft zu haben, und verweist darauf, dass die Vereinbarung keiner Zustimmung der Aktionäre bedürfe. Ein von den Medien zitierter Börsenrechtsexperte stuft das Vorgehen als rechtlich korrekt ein – auch wenn die Unzufriedenheit mehrerer Investoren damit nicht ausgeräumt ist.

Was am Ende bei GN ankommt

Investoren bezweifeln zudem, dass GN faktisch die verkündeten 17 Milliarden Kronen in voller Höhe erhalten wird. Ein Teil der Zahlung erfolgt in Amplifon-Aktien, die seit der Ankündigung an Wert verloren haben. Hinzu kommen Kosten für Berater, für die Abspaltung des Geschäfts sowie Steuern. Bei GN verbleiben die Bereiche Gaming und Enterprise – Letzterer gilt durch den Vormarsch künstlicher Intelligenz als zusätzlich unter Druck stehend.