GN Store Nord hat seinen Zwischenbericht für das zweite Quartal 2026 vorgelegt. Er gibt einen genauen Einblick, wie sich Umsatz und Marge der Hörgeräte-Sparte entwickelt haben, während der Konzern sie an Amplifon verkauft und parallel eine komplett neue Produktgeneration startet. Der Bericht liefert außerdem eine Einschätzung von CEO Peter Karlstromer zur laufenden Doppelstrategie.
Rückgang bei stabiler Marge
Die Hearing-Division setzte im zweiten Quartal DKK 1.772 Millionen um, rund 238 Mio. Euro, nach DKK 1.858 Millionen im Vorjahr (rund 249 Mio. Euro). Organisch schrumpfte das Geschäft um 2 %, berichtet um 5 % einschließlich eines Wechselkurseffekts von 3 %. Der Grund: Im zweiten Quartal 2025 war die Sparte noch um 8 % gewachsen, eine anspruchsvolle Vergleichsbasis. Dazu schwächelte ein großer US-Kunde, während das Geschäft außerhalb der USA laut GN stark blieb.
Die bereinigte EBITA fiel von DKK 382 Millionen auf DKK 321 Millionen (rund 43 Mio. Euro), die Marge sank von 20,6 auf 18,1 %. Dazu kamen einmalige Kosten von DKK 58 Millionen für den Verkaufsprozess: Sie drückten die ausgewiesene, nicht bereinigte EBITA auf DKK 263 Millionen. Über das erste Halbjahr 2026 blieb mehr übrig: eine bereinigte EBITA von DKK 621 Millionen bei einer Marge von 17,6 % und einem organischen Umsatzwachstum von 3 %.
Sensia startet mitten im Carve-out
Am 10. August kündigte GN die neue Hörgerätefamilie ReSound Sensia an, dazu Beltone Illuminate als paralleles Produkt für die zweite Marke des Konzerns. Beide bauen laut GN auf einer neuen KI-Plattform auf: Ein Umgebungsklassifizierer, ein Richtstrahlformer mit vier Mikrofonen und eine Rauschunterdrückung per Deep Neural Network sollen Sprache in lauter Umgebung besser herausfiltern. Der Marktstart läuft gestaffelt ab dem 20. August, zuerst in den USA, in Deutschland und in Österreich. Weitere Länder folgen laut Bericht in den kommenden Monaten. Die Familie deckt laut GN ein Spektrum an RIE- und ITE-Bauformen ab.
Der Amplifon-Deal und seine Kosten
Am 16. März 2026 hatte GN den Verkauf der Hörgeräte-Sparte an Amplifon angekündigt. Der Bericht bestätigt: GN erwartet den Abschluss weiterhin bis Ende 2026, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen und der Abspaltung der Sparte vom Konzern. Für diesen Carve-out kalkuliert GN mit einmaligen Barkosten von rund DKK 750 Millionen (etwa 101 Mio. Euro) über 2026 und 2027, rund 75 % davon noch in diesem Jahr. 70 % der Kosten schreibt GN dem Hörgeräte-Geschäft zu, 30 % dem verbleibenden Konzern.
So begründet CEO Peter Karlstromer die Doppelstrategie: „In Hearing, the ReSound Sensia platform will strengthen the business as we progress the carve-out and advance toward closing the divestment to Amplifon.“
Wichtig für die Einordnung: Die aktualisierte Konzernprognose vom 19. August gilt nur noch für Enterprise und Gaming. Die Hörgeräte-Sparte fließt nicht mehr ein, weil sie als zum Verkauf stehend gilt.
Ausblick
Der nächste Zwischenbericht kommt am 5. November 2026. Bis dahin dürfte sich zeigen, wie weit die Genehmigungsverfahren für den Amplifon-Verkauf vorangekommen sind.