Mit einer neuen Hörgerätefertigung in Graz, steigenden Umsätzen und kontinuierlichen Investitionen baut die Hartlauer Handelsgesellschaft m.b.H. ihre Position im österreichischen Hörakustikmarkt weiter aus. Obwohl die Hörakustik nur eines von vier Geschäftsfeldern des Unternehmens ist, entwickelt sie sich zunehmend zu einem strategischen Wachstumstreiber.
Solides Wachstum trotz anspruchsvollem Marktumfeld
Hartlauer gehört zu den bekanntesten eigentümergeführten Handelsunternehmen Österreichs. Das 1971 gegründete Familienunternehmen mit Sitz in Steyr ist heute in den Bereichen Optik, Hörakustik, Foto und Telekommunikation tätig. Nach Unternehmensangaben betreibt Hartlauer mehr als 160 Filialen in Österreich. Laut Unternehmensangaben werden zusätzlich über 250 Hörstudios betrieben.
Die wirtschaftliche Entwicklung verlief in den vergangenen beiden Geschäftsjahren positiv. Der Umsatz stieg von 282,3 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2023 auf 294,6 Millionen Euro 2024. Das entspricht einem Wachstum von rund 4,4 Prozent. Gleichzeitig verbesserte sich das Betriebsergebnis von 2,19 auf 2,92 Millionen Euro, während der Jahresüberschuss von 1,93 auf 2,23 Millionen Euro zunahm.
Die Zahlen zeigen jedoch auch, dass Hartlauer mit vergleichsweise niedrigen Margen arbeitet. Der Jahresüberschuss entspricht weniger als einem Prozent des Umsatzes. Das ist typisch für den filialstarken Einzelhandel, in dem Personal-, Miet- und Energiekosten einen erheblichen Anteil an den Gesamtausgaben ausmachen.
Investitionen bleiben auf hohem Niveau
Parallel zum Umsatzwachstum investiert Hartlauer kontinuierlich in seine Infrastruktur. Bereits 2023 flossen knapp acht Millionen Euro in Sachanlagen, darunter Gebäude, technische Anlagen und die Modernisierung der Filialausstattung.
Auch 2024 setzte das Unternehmen diesen Kurs fort. Nach dem veröffentlichten Jahresabschluss wurden erneut mehrere Millionen Euro in Sachanlagen investiert. Gleichzeitig blieb die Eigenkapitalbasis mit knapp 49 Millionen Euro stabil.
Die Bilanz verdeutlicht, dass Hartlauer seine Expansion überwiegend aus eigener Kraft finanziert. Bankverbindlichkeiten spielen nur eine untergeordnete Rolle. Bereits Ende 2023 bestanden keine Finanzverbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten mehr.
Hörakustik wird zum strategischen Geschäftsfeld
Besonders sichtbar wird diese Strategie im Hörakustikbereich. Mit der im Juni 2026 eröffneten neuen Fertigung in Graz investierte Hartlauer 2,5 Millionen Euro in eine deutlich größere Produktionsstätte.
Dort entstehen künftig maßgefertigte Otoplastiken, Im-Ohr-Hörgeräte sowie individueller Gehörschutz. Moderne Fertigungstechnologien wie 3D-Scanning und 3D-Druck sollen Produktionsprozesse beschleunigen und gleichzeitig die individuelle Anpassung verbessern. Die Anlage verfügt nach Unternehmensangaben über eine Jahreskapazität von bis zu 170.000 Otoplastiken.
Mit dieser Investition verfolgt Hartlauer eine Strategie, die im europäischen Hörakustikmarkt zunehmend an Bedeutung gewinnt: eine möglichst hohe Wertschöpfung im eigenen Unternehmen. Während viele Hörakustiker Otoplastiken und Gehäuse extern fertigen lassen, produziert Hartlauer wesentliche Bestandteile selbst.
Vertikale Integration als Wettbewerbsvorteil
Die eigene Fertigung verschafft dem Unternehmen mehrere Vorteile.
Zum einen können Lieferzeiten verkürzt werden. Zum anderen bleibt Know-how im Unternehmen. Gerade angesichts steigender Nachfrage nach individuell angepassten Hörsystemen gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung.
Hinzu kommt, dass Hartlauer die Hörgeräteversorgung vollständig innerhalb der eigenen Organisation abbildet – von der Anpassung im Hörstudio bis zur Fertigung individueller Komponenten.
Dieser Ansatz ähnelt dem Modell anderer großer Hörakustikunternehmen, ist im österreichischen Markt jedoch vergleichsweise selten.
Gemessen an der Zahl der Hörakustikstandorte zählt Hartlauer zu den größten Anbietern Österreichs – mit rund 250 Hörstudios liegt das Unternehmen sogar vor Neuroth, das hierzulande auf rund 140 Standorte kommt. Als Marktführer der Branche gilt Neuroth dennoch: Das steirische Unternehmen ist ausschließlich auf Hörakustik spezialisiert, deutlich größer nach Umsatz und international breiter aufgestellt als Hartlauer, dessen Hörakustik-Sparte nur eines von vier Geschäftsfeldern ist.
Die Hörakustik gewinnt weiter an Bedeutung
Mehrere Trends sprechen dafür, dass die Hörakustik künftig stärker zum Unternehmensergebnis beitragen dürfte. Die alternde Bevölkerung, eine höhere Sensibilität für Hörgesundheit sowie technologische Fortschritte bei vernetzten Hörsystemen sorgen seit Jahren für steigende Nachfrage.
Wie groß der Beitrag der Sparte bereits heute ist, bleibt allerdings offen. Hartlauer veröffentlicht keine segmentbezogenen Umsätze oder Ergebnisse für die Hörakustik. Eine quantitative Bewertung des Geschäftsbereichs ist daher anhand der veröffentlichten Jahresabschlüsse nicht möglich.
Ausblick
Hartlauer präsentiert sich wirtschaftlich solide. Die Umsätze steigen kontinuierlich, die Eigenkapitalbasis bleibt stark und das Unternehmen investiert konsequent in seine Infrastruktur. Mit der neuen Fertigung in Graz stärkt die Handelsgruppe ihre Eigenfertigung und positioniert sich in einem Markt, dessen Wachstum von der demografischen Entwicklung und dem technologischen Fortschritt getragen wird.
Im internationalen Vergleich gehört Hartlauer zwar nicht zu den größten Hörakustikunternehmen. Innerhalb Österreichs zählt die Unternehmensgruppe jedoch zu den prägenden Marktakteuren – und baut ihre Rolle im Hörakustikgeschäft Schritt für Schritt weiter aus.