Wer die Entwicklung der deutschen Hörakustik von 2020 bis 2025 in zwei Sätzen beschreiben will, kommt mit dieser Formel aus: Der Umsatz wächst. Die Beschäftigung tritt weitgehend auf der Stelle. Beide Kurven laufen seit Jahren auseinander, und das erste Quartal 2026 gibt keinen Hinweis darauf, dass sich das ändert.

Wir haben uns die Zahlen im Detail angeschaut, analysiert und grafisch aufbereitet.

Umsatz: Mehr als ein Drittel Plus in fünf Jahren

Im Jahr 2020 erwirtschafteten die deutschen Hörakustiker einen Branchenumsatz von 2,17 Milliarden Euro. Bis 2024 stieg dieser Wert auf 2,72 Milliarden Euro — ein Zuwachs von rund 26 Prozent in vier Jahren. Für 2025 deutet die vierteljährliche Handwerksberichterstattung auf eine weitere Steigerung hin: Aus dem Durchschnitt der vier Quartalsindizes ergibt sich eine geschätzte Umsatzentwicklung von +5,8 Prozent gegenüber 2024, was einen Gesamtumsatz von rund 2,88 Milliarden Euro ergäbe.

Besonders stark war das Jahr 2023, als der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 12,4 Prozent zulegte. Seither hat sich das Tempo normalisiert, bleibt aber positiv. Das vierte Quartal 2025 erreichte im Index (Basis 2020=100) einen Wert von 143,7 — der höchste Stand innerhalb dieser Indexreihe. (Der Wert für Q1 2026 ist wegen eines Basiswechsels nicht direkt mit dieser Reihe vergleichbar, siehe Hinweis unten.)

Beschäftigung: Langsam, mit einem methodisch bedingten Sprung

Die Zahl der tätigen Personen verlief in denselben Jahren deutlich flacher. Von 18.876 Beschäftigten im Jahr 2020 stieg die Branche auf 21.572 im Jahr 2024 — nominal ein Plus von 14,3 Prozent über vier Jahre. Dieser Wert ist allerdings, wie im Folgenden erläutert, mit Vorbehalt zu lesen. Für 2025 legt der Quartalsindex einen weiteren Anstieg von lediglich 0,5 Prozent nahe, was einer geschätzten Beschäftigtenzahl von rund 21.674 entspräche.

Auffällig ist der Sprung 2024: Die ausgewiesene Beschäftigung stieg um 9,3 Prozent — deutlich stärker als in jedem anderen Jahr des Betrachtungszeitraums. Der Umsatz wuchs im selben Jahr dagegen nur um 4,4 Prozent. Ein wesentlicher Teil dieses Sprungs dürfte jedoch ein Zähleffekt sein und keine reale Einstellungswelle: Das Statistische Bundesamt hat die Handwerkszählung mit dem Berichtsjahr 2024 vom bisherigen Personenkonzept auf das sogenannte Jobkonzept umgestellt. Dadurch werden abhängig Beschäftigte mit mehreren Beschäftigungsverhältnissen seither je Job mehrfach gezählt, statt wie zuvor nur einmal in ihrer Haupttätigkeit. Destatis weist selbst darauf hin, dass ein Vergleich der Beschäftigtenzahlen 2024 mit den Vorjahren aus diesem Grund nicht möglich ist. Auch die parallel erhobene vierteljährliche Handwerksberichterstattung stützt diese Einschätzung: Ihr Beschäftigten-Index zeigt für 2024 keinen vergleichbaren Ausschlag, was dafürspricht, dass der Sprung überwiegend auf den Zählmethodenwechsel zurückgeht und nicht auf einen realen Personalaufbau. Wie groß der tatsächliche Einstellungseffekt 2024 war, lässt sich aus den vorliegenden Zahlen nicht sauber herauslösen.

Hörakustiker: Beschäftigte und Umsatz 2020 – Q1 2026

HWO-A-34 · Zulassungspflichtiges Handwerk, Insgesamt · Destatis

Umsatz

Beschäftigte

Basis 100

Q1 2026 abgeleitet, andere Indexbasis

Index 2020 = 100 · Quartalswerte · Q1 2021 – Q1 2026 (Q1 2026 auf neuer Basis 2025=100, nicht direkt vergleichbar)

Absolutwerte · Jahreswerte 2020–2024 · Schätzwerte 2025 und Q1 2026 · Beschäftigtenwerte 2024 wegen Methodenwechsel (Jobkonzept) nur eingeschränkt mit Vorjahren vergleichbar

Schätzung

Q1-Wert

Umsatz in Mio. EUR  ·  Q1 2026 = Quartalswert
Tätige Personen  ·  Q1 2026 = Stichtagswert; 2024 Methodenbruch

Schätzung 2025: abgeleitet aus Quartalsdurchschnitt des Index 2025 vs. 2024, angewendet auf Absolutwerte 2024 (+5,8 % Umsatz / +0,5 % Beschäftigte). Handwerkszählung 2025 noch nicht veröffentlicht.
Q1 2026 (vorläufig): Umsatz = Quartalswert (~732 Mio. EUR, nicht auf Jahresbasis hochgerechnet). Beschäftigte = Stichtagswert Q1. Beide aus amtlichen YoY-Raten abgeleitet (Basisjahrwechsel auf 2025=100 ab Q1 2026 – dieser Wert ist daher nicht direkt mit den Vorquartalen auf Basis 2020=100 vergleichbar).
Beschäftigtenwerte Berichtsjahr 2024: Destatis hat die Handwerkszählung auf das Jobkonzept umgestellt (Mehrfachzählung bei mehreren Beschäftigungsverhältnissen). Ein Vergleich mit den Vorjahren ist laut Destatis nicht möglich; der ausgewiesene Anstieg 2023→2024 ist daher mit Vorsicht zu lesen.
Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Tabelle 53211-0004 (Stand: 25.06.2026) · Tabelle 53111-0004 (Stand: 17.06.2026) · Pressemitteilung PD26_143_53211 vom 23.04.2026 (Hinweis zum Jobkonzept)



Produktivität: Hoch, aber 2024 methodisch verzerrt

Der Rückgang der Umsatzproduktivität 2024 hängt vermutlich mit demselben Zähleffekt zusammen wie der Beschäftigungssprung: Der Umsatz je tätiger Person erreichte seinen Höchststand 2023 bei 132.107 Euro, sank 2024 auf 126.150 Euro — und dürfte 2025 leicht erholt bei rund 132.800 Euro liegen, sofern die Schätzwerte zutreffen. Da im Nenner dieser Kennzahl ab 2024 durch die Umstellung auf das Jobkonzept mehr Personen gezählt werden als zuvor, ist der Einbruch nicht zwingend ein realer Produktivitätsrückgang. Die Branche produziert insgesamt weiterhin mehr Umsatz pro Kopf als zu Beginn des Jahrzehnts (2020: 114.746 Euro), die Entwicklung ist aber nicht linear — und für 2024 methodisch nur eingeschränkt aussagekräftig.

Q1 2026: Umsatz zieht weiter, Beschäftigung bleibt flach

Das erste Quartal 2026 liefert den bislang aktuellsten Datenpunkt — und er fällt zweigeteilt aus.

Der Umsatz legte gegenüber dem Vorjahresquartal um 6,3 Prozent zu. Der absolute Quartalswert liegt bei geschätzten 732 Millionen Euro, abgeleitet aus den amtlichen Veränderungsraten. Die Beschäftigung blieb unverändert — exakt null Prozent Wachstum gegenüber Q1 2025, ein Stichtagswert von rund 21.594 tätigen Personen.

Beide Zahlen tragen den Vermerk „vorläufig“ und sind nur begrenzt mit früheren Quartalen vergleichbar, weil Destatis zum ersten Quartal 2026 seine Indexbasis von 2020=100 auf 2025=100 umgestellt hat. Jahresvergleiche sind deshalb ausschließlich über die ausgewiesenen Veränderungsraten möglich.

Was bleibt: Das Muster aus fünf Jahren setzt sich in der Tendenz fort. Der Umsatz wächst. Bei der Beschäftigung ist die Lage weniger eindeutig, als die Rohzahlen suggerieren: Der auffällige Sprung 2024 ist überwiegend methodisch bedingt, die aktuellsten, methodisch saubereren Quartalsdaten für Q1 2026 zeigen dagegen eine stagnierende Beschäftigung bei weiter wachsendem Umsatz.


Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Tabelle 53111-0004 (Handwerkszählung, Stand: 17.06.2026); Tabelle 53211-0004 (Vierteljährliche Handwerksberichterstattung, Stand: 25.06.2026); Pressemitteilung PD26_143_53211 „0,6 % weniger Umsatz im Handwerk im Jahr 2024“ vom 23.04.2026 (Hinweis auf Umstellung vom Personen- auf das Jobkonzept ab Berichtsjahr 2024). Werte für 2025 sind Schätzungen auf Basis der Quartalsindizes. Alle Angaben für Q1 2026 vorläufig. Für Beschäftigtenwerte 2024 gilt aufgrund des Methodenwechsels nur eingeschränkte Vergleichbarkeit mit den Vorjahren.