Hochschule Hamm-Lippstadt bereitet Versorgungsstudie vor

Die Hochschule Hamm-Lippstadt bereitet gemeinsam mit mehreren AOK-Partnern eine Studie zur audio-kognitiven Stimulation bei Menschen mit früher oder mittelgradiger Demenz und begleitender Hörstörung vor. Dafür sucht der Fachverband Deutscher Hörakustiker (FDH) derzeit freiwillige Hörakustikbetriebe aus Westfalen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg. Vorgestellt wurde das Vorhaben am 11. Mai 2026 im Rahmen der FDH-Online-Veranstaltung „Brandaktuell“.

Wenn Hören und Kognition zusammen gedacht werden

Der Ansatz verbindet kognitive Stimulationstherapie mit einem strukturierten Hörtraining. Hintergrund ist die wachsende Evidenz, dass unbehandelte oder unzureichend versorgte Hörstörungen kognitive Beeinträchtigungen verstärken können. Das Forschungsprojekt der Hochschule läuft unter dem Titel H3O – Herz, Hand, Hirn und Ohr und soll Hörtherapie und kognitive Stimulation zu einem praxisnahen Versorgungskonzept zusammenführen.

Für die Hörakustik ist das Vorhaben fachlich relevant, weil es Betriebe stärker in die Nachsorge nach Hörgeräteanpassungen einbindet. Ziel ist es, die kommunikative Teilhabe zu stärken, zentrale Hör- und Verarbeitungsprozesse zu aktivieren und kognitive Ressourcen möglichst lange zu stabilisieren.

„Bewusst in die Hände von Hörakustikerinnen und Hörakustikern“

Prof. Dr. Gregor Hohenberg von der Hochschule Hamm-Lippstadt begründet die Einbindung der Betriebe mit deren Qualifikation:

„Wir geben dieses audio-kognitive Stimulationstraining bewusst in die Hände von Hörakustikerinnen und Hörakustikern, da Hörtrainings bereits Bestandteil der Meisterprüfung sind.“

Die Beteiligten könnten dazu beitragen, die Situation von Menschen mit Demenz zu verbessern und zugleich Angehörige zu entlasten.

Auch die Rahmenbedingungen sind konkret benannt: Mitwirkende Hörakustikerinnen und Hörakustiker sollen eine Vergütung in Höhe ergotherapeutischer Leistungen erhalten, nach Angaben des FDH rund 65 Euro pro Stunde. Voraussetzung ist, dass die Betriebe bereits Kundinnen und Kunden aus den genannten Regionen betreuen.

700 Personen, 13 Einheiten, Start 2028

Der Studienstart ist für das zweite Quartal 2028 geplant. Innerhalb von eineinhalb Jahren sollen 700 demenzkranke Personen versorgt werden. Die Betreuung erfolgt nach einem strukturierten Plan mit 13 Einheiten; Trainingsplan und Software stellt die Hochschule Hamm-Lippstadt bereit. Untersucht werden neben der Wirksamkeit auch Kosten und praktische Voraussetzungen, um eine spätere Übernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung bewerten zu können.

Relevanz wächst mit der demografischen Entwicklung

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft geht derzeit von rund 1,84 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland aus. Bis 2050 könnte die Zahl der über 65-jährigen Betroffenen auf 2,3 bis 2,7 Millionen steigen. Internationale Fachberichte zählen Hörverlust zudem zu den beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz; die Lancet Commission empfiehlt unter anderem besseren Zugang zu Hörhilfen.

Für interessierte Betriebe ist der nächste Schritt einfach: Anmeldungen nimmt der FDH per E-Mail an verwaltung@fdh-ev.de entgegen.