Der Batteriehersteller Varta hat am Freitag für die Muttergesellschaft Varta AG und mehrere Tochterunternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Betroffen ist auch Varta Microbattery, die Sparte, die unter anderem Knopfzellen für Hörgeräte fertigt. Das Unternehmen aus Ellwangen teilte mit, es sei nicht zahlungsunfähig, laufe aber ohne frisches Geld in die Überschuldung.
Was der Insolvenzantrag bedeutet
Eigenverwaltung heißt: Der Vorstand um Vorstandschef Michael Ostermann bleibt im Amt, wird aber von einem gerichtlich bestellten Sachwalter überwacht. Das Amtsgericht Stuttgart prüft die Anträge derzeit. Als Ursachen nennt Varta schwächere Nachfrage, negative Währungseffekte und den Verlust eines Ankerkunden: Apple bezieht die wiederaufladbaren Knopfzellen für seine AirPods künftig aus China statt aus dem Varta-Werk im bayerischen Nördlingen.
Warum die Hörakustik-Branche genauer hinschauen sollte
Die profitable Haushaltsbatterien-Sparte (Consumer Batteries) soll aus den Insolvenzverfahren herausgehalten werden. Sie gilt als rechtlich und operativ eigenständig und soll an die Gläubiger rund um die Deutsche Bank und mehrere Hedgefonds gehen, die sie mit 240 Millionen Euro bewerten. Für Varta Microbattery, den Zulieferer der Hörgerätebranche, gilt das nicht: Diese Sparte ist Teil der Insolvenz. Großaktionär Michael Tojner hat Interesse an Microbattery angemeldet, hält dort aber weitere tiefgreifende Einschnitte für nötig.
Die zweite Sanierung in zwei Jahren
Es ist bereits der zweite Rettungsversuch seit 2024. Damals hatten sich Tojner und Porsche AG mit 60 Millionen Euro an Varta beteiligt, die übrigen Aktionäre wurden hinausgedrängt, das Unternehmen ging von der Börse. Die Gläubiger verzichteten im Gegenzug auf gut die Hälfte ihrer Forderungen. Nach Angaben der Gläubiger hätte Varta diesmal einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag gebraucht, um weiterzumachen. Porsche und Tojner waren dazu nicht mehr bereit. Die Sparte V4Smart, die Lithiumionen-Zellen für Porsches Elektromodelle liefert, ist von der Insolvenz nicht betroffen; sie gehört mehrheitlich Porsche.
Für Hörakustiker heißt das vor allem: abwarten und Lieferketten im Blick behalten. Wie sich das Verfahren auf Lieferfähigkeit und Preise bei Hörgerätebatterien konkret auswirkt, ist aus den vorliegenden Quellen noch nicht ersichtlich.