Eine aktuelle Studie in JAMA Neurology liefert starke Hinweise darauf, dass die frühe Versorgung mit Hörgeräten das Risiko für Demenz deutlich senken kann. Demnach hatten Personen mit Hörverlust, die bereits vor dem 70. Lebensjahr Hörgeräte nutzten, ein 61 % geringeres Risiko, an einer Demenz zu erkranken, als Gleichaltrige mit unbehandeltem Hörverlust.
Frühe Versorgung entscheidend
Die Schutzwirkung zeigte sich ausschließlich in der Gruppe der unter 70-Jährigen. Für ältere Erwachsene (≥70 Jahre) ließ sich kein signifikanter Zusammenhang feststellen. Die Autor:innen folgern, dass eine rechtzeitige Hörgeräteversorgung entscheidend sein könnte, um neurodegenerative Veränderungen zu verzögern oder zu verhindern.
Weitere Ergebnisse der Untersuchung
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Menschen ohne Hörverlust hatten ebenfalls ein niedrigeres Demenzrisiko als Personen mit unbehandeltem Hörverlust.
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Der Effekt deutet darauf hin, dass Hörgeräte nicht nur die Kommunikation verbessern, sondern möglicherweise auch eine präventive Rolle für die kognitive Gesundheit spielen.
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Da Hörverlust einer der wenigen veränderbaren Risikofaktoren für Demenz ist, könnten Hörgeräte einen bedeutenden Beitrag zur öffentlichen Gesundheit leisten.
Studiendesign und Hintergrund
Die Analyse basiert auf Daten der Framingham Heart Study, einer der größten und bekanntesten Langzeitkohorten weltweit. Mehr als 573.000 Teilnehmende wurden teilweise über 20 Jahre beobachtet. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Hörgeräteversorgung und dem Auftreten von Demenz.
Bedeutung für Praxis und Prävention
Die Ergebnisse stärken die Argumentation, Hörscreenings und die frühzeitige Anpassung von Hörgeräten stärker in die Präventionsstrategien für Demenz einzubeziehen. Während sich der Effekt bei über 70-Jährigen nicht nachweisen ließ, zeigt die Studie klar: Wer früh versorgt, schützt besser.