Die Inflation in Deutschland hat im März 2026 wieder angezogen. Der Verbraucherpreisindex erreichte 124,5 Punkte. Das entspricht einem Plus von 2,7 % gegenüber März 2025. Das Statistische Bundesamt spricht vom höchsten Stand seit Januar 2024.
Für Hörakustiker ist das aus 2 Gründen relevant. Die Betriebskosten steigen. Gleichzeitig bleibt die eigene Produktkategorie auffällig preisstabil.
Die Zahlen: Q1 2026 auf einen Blick
Die Verbraucherpreisindizes des Statistischen Bundesamts, Basis 2020 = 100:
Verbraucherpreisindex gesamt:
- Januar 2026: 122,8
- Februar 2026: 123,1
- März 2026: 124,5 (+2,7 % zum Vorjahr)
Brillen und Kontaktlinsen:
- Januar 2026: 119,6
- Februar 2026: 120,6
- März 2026: 120,3 (+3,9 % zum Vorjahr)
Hörhilfen:
- Januar 2026: 106,8
- Februar 2026: 107,0
- März 2026: 107,5 (-0,6 % zum Vorjahr)
Hörhilfen liegen unter Vorjahresniveau
Während viele Preise im Frühjahr steigen, zeigen Hörhilfen ein anderes Bild. In den ersten 3 Monaten 2026 liegt der Index jeweils unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums.
Im Januar 2025 lag der Index bei 108,0. Im Januar 2026 waren es 106,8. Im März ging es von 108,2 auf 107,5 zurück.
Das nominale Minus im März beträgt 0,6 %. Rechnet man die allgemeine Inflation von 2,7 % dagegen, ergibt sich real eine Verbilligung von rund 3,3 %. Hörhilfen sind damit nicht nur stabil geblieben. Sie sind im Verhältnis zum allgemeinen Preisniveau günstiger geworden.
Zwei Jahre Preisentwicklung im Vergleich
| Kategorie | März 2024 | März 2025 | März 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Verbraucherpreise gesamt | 118,6 | 121,2 | 124,5 | +5,0% |
| Brillen & Kontaktlinsen | 111,3 | 115,8 | 120,3 | +8,1% |
| Hörhilfen | 106,9 | 108,2 | 107,5 | +0,6% |
Über 2 Jahre sind die Verbraucherpreise insgesamt um 5,0 % gestiegen. Brillen und Kontaktlinsen legten um 8,1 % zu. Hörhilfen dagegen bewegten sich kaum.
Das ist der Kern der Entwicklung: Wer im März 2024 eine Hörhilfe gekauft hat, zahlt im Indexvergleich heute nominal fast dasselbe und real weniger.
Warum Brillen schneller steigen
Der Brillenmarkt ist weniger stark reguliert und stärker konsumgetrieben. Anbieter haben mehr Spielraum bei der Preissetzung. Mode, Marke und Zusatzoptionen spielen eine größere Rolle.
Im Hörgerätemarkt wirken andere Kräfte. Festbeträge der gesetzlichen Krankenkassen, Herstellerwettbewerb und hohe Vergleichbarkeit begrenzen den Preisspielraum. Diese strukturelle Grenze wird 2026 in den Indexzahlen besonders sichtbar.
Der März-Effekt: Kosten steigen, Erlöse kaum
Der Inflationssprung im März kam vor allem von der Energieseite. Energieprodukte lagen 7,2 % über dem Vorjahresmonat. Gegenüber Februar stiegen Energiepreise um 7,7 %, Kraftstoffe um 15,6 %. Destatis nennt die Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten als maßgeblichen Grund.
Für Hörakustikbetriebe heißt das: Energie, Mobilität und Logistik werden teurer. Gleichzeitig lässt sich dieser Kostendruck kaum über höhere Gerätepreise ausgleichen.
Die Schere öffnet sich damit weiter. Kosten steigen schneller als die regulierte und wettbewerbsintensive Kernkategorie.
Ausblick
Ob die Inflation hoch bleibt, hängt vor allem von den Energiemärkten ab. Entspannen sich die Rohstoffpreise, kann der Druck im Jahresverlauf wieder nachlassen.
Für Hörhilfen ändert das wenig. Die Faktoren, die Preise begrenzen, sind strukturell. Für Betriebe bleibt deshalb entscheidend, wie gut sie steigende Kosten intern auffangen.
