Die Deutschen gehen wieder häufiger in ihre Innenstädte. Das zeigt die „Deutschlandstudie Innenstadt 2026/27“ der CIMA Beratung + Management GmbH. Das Marktforschungsinstitut NoceanZ GmbH hat dafür im Mai und Juni 2026 rund 5.000 Menschen ab 16 Jahren online befragt. Für Hörakustikbetriebe in Citylage enthält die Studie einen zwiespältigen Befund: Gesundheit ist als Hauptanlass für den Stadtbesuch seltener geworden. Für die Kundschaft ab 50 gehört sie dagegen zu den fünf wichtigsten Faktoren, die eine Innenstadt attraktiv machen.

Die Bindung an die City wächst

83,3 % der Befragten wollen ihre Innenstadt künftig mindestens so oft besuchen wie heute. Deutlicher zeigt sich der Wandel am Saldo aus Menschen, die häufiger kommen wollen, und solchen, die seltener oder gar nicht mehr kommen wollen. 2024 lag er bei minus 25,5 Prozentpunkten, 2026 nur noch bei minus 5,3 Prozentpunkten.

Auch die Noten fallen besser aus. Den Anteil der Noten 1 und 2 für die eigene Innenstadt beziffert die Studie für 2022 auf 31,7 %, für 2026 auf 44,2 %. Regelmäßige Besuche (mindestens einmal pro Woche) legten gegenüber 2024 um rund 12 Prozentpunkte zu. Die Autoren führen die Entwicklung unter anderem auf Förderprogramme wie „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ zurück. Das ist ihre Deutung, ein Nachweis der Wirkung ist es nicht.

Viele verbinden die City mit dem Arztbesuch, weniger kommen nur deshalb

Auf die Frage, wofür sie ihre Innenstadt nutzen, nennen 37,7 % die ärztliche Versorgung und Gesundheitsdienstleistungen. Mehrfachnennungen waren möglich. Damit liegt Gesundheit auf Platz 4, hinter dem Einkaufen (65,6 %), dem Bummeln (46,2 %) und der Gastronomie (45,0 %).

Als Hauptgrund für den Besuch geht Gesundheit dagegen zurück: von 12,8 % im Jahr 2024 auf 9,9 % im Jahr 2026. Im selben Zeitraum stieg der Anteil für Bummeln und Leute treffen von 12,1 % auf 17,5 %. Das Einkaufen blieb mit 31,1 % nahezu unverändert. Warum der Gesundheitsbesuch als Hauptanlass nachgibt, erklärt die Studie nicht.

Für die Branche gibt es dabei eine wichtige Einschränkung. Die Studie fasst Arztpraxen und Gesundheitsdienstleistungen in einer Kategorie zusammen. Wie viel davon auf Hörakustik, Optik oder Apotheken entfällt, lässt sich aus den Daten nicht ablesen.

Ab 50 verschiebt sich der Blick auf die Innenstadt

Über alle Befragten landet die ärztliche Versorgung unter den Attraktivitätsfaktoren auf Rang 6 (Durchschnittsrang 2,73; Einzelhandel: 2,34). In den Altersgruppen 50 bis 64 und ab 65 rückt sie jeweils auf Platz 4 der fünf wichtigsten Faktoren. Auffällig ist auch der Verkehrsweg: Wer hauptsächlich mit dem Auto in die Stadt fährt, zählt Gesundheitsangebote häufiger zu den wichtigsten Gründen. Das Auto ist für 36,4 % das Hauptverkehrsmittel, bei Menschen aus dem ländlichen Raum für fast zwei Drittel.

Der Handelsverband Deutschland sieht die Entwicklung ähnlich. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth schreibt in seinem Grußwort zur Studie: „Aber auch Gesundheitsdienstleistungen spielen eine immer größere Rolle.“ Zugleich fordert er, die Alterung der Bevölkerung stärker in den Blick zu nehmen. Die Befragungsdaten stützen das nur teilweise: Als Hauptgrund für den Innenstadtbesuch hat Gesundheit zuletzt an Gewicht verloren. Für die übrigen Kennzahlen weist die Studie keinen Vergleich mit 2024 aus.

Die älteren Besucher sind die kritischeren

Mit dem Alter wächst die Kritik. Von den 16- bis 19-Jährigen geben 51,7 % ihrer Innenstadt eine gute oder sehr gute Note, bei den über 65-Jährigen sind es 41,2 %. Die Angebote für Seniorinnen und Senioren bewerten die Befragten mit der Note 3,32, einem der schwächeren Werte der Studie. Schlechter schneiden nur das Wohnungsangebot (3,75) und die Angebote für Jugendliche (3,43) ab.

Ganz oben auf der Wunschliste steht über alle Altersgruppen hinweg etwas Handfestes: saubere öffentliche Toiletten, genannt von 39,4 %. Die Erreichbarkeit entscheidet über die Treue zur eigenen City. Wer zu Fuß kommt, besucht zu 93,8 % am häufigsten die eigene Innenstadt, wer mit dem Auto fährt, nur zu 68,9 %.

Knappe Zeit wird zum stärksten Gegner

Den häufigsten Grund, nicht in die Innenstadt zu gehen, nennen die Befragten selbst: Zeitmangel, Arbeit und andere Verpflichtungen (27,6 %). Finanzielle Gründe (16,1 %) haben gegenüber 2024 an Bedeutung gewonnen. Der Online-Handel spielt als Hinderungsgrund mit 2,7 % kaum noch eine Rolle. CIMA folgert daraus, dass Innenstädte mehr bieten müssen als Einkaufsmöglichkeiten: Aufenthaltsqualität, Sicherheit, Sauberkeit und Grün machten einen Besuch angesichts knapper Zeit erst lohnenswert.

Für Hörakustikbetriebe bleibt damit eine offene Frage. Die Kundschaft ab 50 zählt Gesundheitsangebote zu den wichtigsten Gründen für eine attraktive Innenstadt und bewertet ihre City kritischer als jüngere Besucher. Gleichzeitig ist Gesundheit über alle Befragten hinweg seltener der Hauptanlass für den Besuch. Ob sich der Gesundheitsbesuch an andere Standorte verlagert, etwa in Ärztehäuser oder an den Stadtrand, lässt sich aus der Befragung nicht ablesen.