Die Verbraucherstimmung in Deutschland hat im September einen kräftigen Rückschlag erlitten. Das NIM Konsumklima sinkt für Oktober um 3,8 Punkte auf -30,6 Punkte (Vormonat revidiert: -26,8 Punkte), wie das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) am 25. September mitteilte. Hauptgründe sind eine deutlich gesunkene Einkommenserwartung und eine gestiegene Sparneigung.

Energiepreise drücken auf die Einkommensaussichten

Vor allem die Einkommenserwartung zieht den Indikator nach unten. Sie verliert 16,7 Zähler und liegt nun bei -15,0 Punkten. Tiefer lag sie zuletzt im April 2026, kurz vor Einführung des Tankrabatts. Damals stand der Wert bei -24,4 Punkten.

Als Ursache nennt das NIM die Energiepreise. Die Mehrheit der Haushalte rechne damit, dass die hohen Energiepreise ihre Kaufkraft verringern werden, sagt Rolf Bürkl, Head of Consumer Climate beim NIM. Entsprechend skeptischer blickten die Verbraucher auf ihre Einkommen in den nächsten zwölf Monaten.

Sparneigung so hoch wie in der Finanzkrise

Die Sparneigung steigt um 6,0 Zähler auf 21,5 Punkte. Einen ähnlich hohen Wert gab es laut NIM zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008. Das Institut führt den Anstieg darauf zurück, dass die hohen Energiepreise die Verbraucher verunsichern.

Auffällig ist, wo die Sparneigung besonders stark zulegt. Weiterführende Analysen des NIM deuten darauf hin, dass sie vor allem in Haushalten mit guter finanzieller Ausstattung zugenommen hat. Das Institut vermutet dahinter den Wunsch, Kaufkraftverluste auszugleichen, die die gestiegene Inflation bei den Ersparnissen verursacht hat.

Größere Anschaffungen: seit drei Jahren im Keller

Die Anschaffungsneigung gibt um einen Punkt auf -10,8 Punkte nach. Sie misst, ob Verbraucher es angesichts der Wirtschaftslage für günstig halten, größere Anschaffungen wie Möbel oder elektronische Geräte zu tätigen. Der Wert liegt knapp über dem des Vorjahresmonats (September 2025: -11,6 Punkte). Das Niveau bleibt laut NIM aber sehr niedrig. Seit mehr als drei Jahren pendelt der Indikator um die Marke von -10 Punkten.

Der Blick auf die Gesamtwirtschaft hellt sich leicht auf

Anders als beim eigenen Einkommen sind die Verbraucher bei der Konjunktur etwas zuversichtlicher. Die Konjunkturerwartung steigt um einen halben Zähler auf -3,4 Punkte, zum fünften Mal in Folge, wenn auch mit nachlassender Dynamik. Die deutsche Wirtschaft hat sich nach Angaben des NIM im ersten Halbjahr 2026 besser entwickelt als zunächst erwartet. Forschungsinstitute haben ihre Prognosen entsprechend angehoben und sagen für 2026 und 2027 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von gut einem Prozent voraus.

Stimmung ist nicht gleich Kaufverhalten

Grundlage sind rund 2.000 Verbraucherinterviews, die NIQ/GfK vom 3. bis 14. September 2026 im Auftrag des NIM erhoben hat. Durchgeführt werden die Interviews laut NIM im Auftrag der EU-Kommission. Das Konsumklima bezieht sich auf die gesamten privaten Konsumausgaben. Das Institut weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich um subjektive Stimmungsindikatoren handelt, nicht um Verhaltensdaten. Ob Verbraucher tatsächlich kaufen oder sparen, hängt zusätzlich von Liquidität, Notwendigkeit, Preisen und persönlichen Umständen ab.