Das HDE-Konsumbarometer ist im Juli 2026 um 1,4 Punkte gegenüber dem Vormonat auf 94,77 Punkte gestiegen. Das zeigt die monatliche Erhebung des Handelsblatt Research Institute (HRI) im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (HDE). Auslöser ist die von US-Präsident Donald Trump in der Nacht zum 18. Juni unterzeichnete Vereinbarung mit dem Iran, die eine Einstellung der Kampfhandlungen, die Öffnung der Straße von Hormus sowie einen Fahrplan für weitere Friedensgespräche vorsieht. Trotz des Anstiegs liegt der Indexwert noch 2,96 Punkte unter dem Niveau vom Juli 2025.

Woher der Optimismus kommt

Getragen wird die Aufhellung vor allem von zwei Teilindikatoren: Die Konjunkturerwartung der Verbraucher legte um 3,97 Punkte auf 76,16 Punkte zu, die Einkommenserwartung stieg um 2,21 Punkte auf 98,36 Punkte. Auch auf Unternehmensseite hat sich die Stimmung verbessert: Der ifo Geschäftsklimaindex kletterte im Juni um 0,6 Punkte auf 85,6 Punkte, die ZEW-Konjunkturerwartungen – eine monatliche Befragung von mehr als 300 Finanzmarktexperten – schnellten um 20,7 Punkte auf 10,5 Punkte nach oben. Hintergrund ist die Hoffnung auf sinkende Energiepreise und eine nachlassende Inflation.

Warum die Kauflaune trotzdem gedämpft bleibt

Bei der eigentlichen Konsumbereitschaft zeigt sich kaum Bewegung. Die Anschaffungsneigung verharrt mit 85,20 Punkten praktisch auf Vormonatsniveau (+0,17 Punkte), während die Sparneigung mit 111,25 Punkten nur leicht sank – invers gelesen bedeutet das: Die Haushalte wollen ihre Sparanstrengungen eher noch ausweiten. Ein Grund zur Zurückhaltung: Die Kampfhandlungen im Nahen Osten haben in den vergangenen Wochen wieder zugenommen, von einem dauerhaften Frieden kann laut HRI noch keine Rede sein. Diese jüngste Entwicklung ist in der Befragung, deren Zeitraum zuvor endete, noch nicht erfasst.

Wirtschaft rechnet mit schwächerem Wachstum

Führende Institute haben ihre BIP-Prognosen für Deutschland überwiegend nach unten korrigiert: Für 2026 erwarten die meisten Häuser zwischen 0,5 und 0,9 Prozent Wachstum, für 2027 rechnen die Ökonomen des HRI sogar nur noch mit 0,3 Prozent. Der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe brach im Mai um 3,8 Prozent ein, wie das Statistische Bundesamt am 8. Juni mitteilte; Exporte (+0,9 Prozent) und Produktion (+0,4 Prozent) legten dagegen leicht zu. Die Inflationsrate sank im Juni zum zweiten Mal in Folge auf 2,3 Prozent (–0,3 Punkte). Dennoch hob die Europäische Zentralbank am 11. Juni erstmals seit drei Jahren den Leitzins an, um einen Viertelprozentpunkt – als Reaktion auf zuvor gestiegene Ölpreise infolge der zeitweisen Schließung der Straße von Hormus.

Arbeitsmarkt bleibt angespannt

Die Arbeitslosenzahl sank laut Bundesagentur für Arbeit (Stand 30. Juni) um 15.000 auf 2,936 Millionen, die Quote verringerte sich um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent. Im Jahresvergleich liegt die Zahl der Arbeitslosen jedoch um 22.000 höher. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer stagnierte bei 99,6 Punkten, das ifo Beschäftigungsbarometer fiel um 1,6 auf 92,3 Punkte – Unternehmen planen demnach wieder verstärkt Stellenabbau.