Der Hörimplantat-Hersteller MED-EL strukturiert sein Deutschlandgeschäft neu – und setzt dabei auf klare Vertriebswege und gebündelte Kompetenzen. Seit Februar 2026 verantwortet das Unternehmen den kompletten Vertrieb und Service der Produkte des österreichischen Spezialisten BHM-Tech Produktionsgesellschaft mbH.

Für Hörakustiker bedeutet das vor allem eines: weniger Schnittstellen, standardisierte Abläufe und ein zentraler Ansprechpartner.

Ein Vertrieb, ein System: Was sich für Hörakustiker ändert

Mit der Integration lassen sich die Knochenleitungsprodukte contact forte und contact mini nun direkt über MED-EL beziehen. Bestellungen, Serviceanfragen und Teststellungen laufen über die etablierten MED-EL-Prozesse – ein Schritt, der auf Vereinfachung abzielt.

Ein gemeinsames Bestellformular für ADHEAR und BHM-Produkte soll Fehlerquellen reduzieren und den Aufwand im Alltag minimieren. Auch technisch wird vereinheitlicht: Für Nutzer der Branchensoftware AMPAREX steht eine kompatible Preisliste im axc-Format bereit.

Seit dem 1. Februar 2026 gilt zudem eine aktualisierte Preisstruktur mit neuen Einkaufs- und Verkaufspreisen.

Strategischer Ausbau nach BHM-Übernahme

Die jetzige Vertriebsintegration ist die logische Fortsetzung einer früheren Entscheidung: Bereits im Juli 2024 hatte MED-EL den Hersteller BHM-Tech übernommen. Ziel war es, die eigene technologische Kompetenz im Bereich Knochenleitung zu stärken.

Mit dem nun gebündelten Vertrieb folgt der operative Schritt – und ein klares Signal an den Markt: MED-EL will sich im Segment der nicht-implantierbaren Knochenleitungssysteme breiter aufstellen.

Portfolio im Fokus: Nicht-implantierbare Versorgung wächst

Im Zentrum steht ein abgestimmtes Portfolio für unterschiedliche Versorgungsbedarfe:

  • ADHEAR: Ein etabliertes, adhäsiv getragenes System, das ohne chirurgischen Eingriff auskommt und besonders bei Kindern sowie bei einseitiger Taubheit eingesetzt wird.
  • contact forte: Ein All-in-One-System für leichte bis mittlere Hörverluste mit breiter Übertragungsbandbreite und drahtloser Konnektivität (z. B. Bluetooth LE).
  • contact mini: Speziell entwickelt für Babys und Kleinkinder, aber auch geeignet für aktive Erwachsene – mit Fokus auf frühzeitige Versorgung und hohe Bewegungsfreiheit.

Auffällig: Die Systeme decken unterschiedliche anatomische und audiologische Anforderungen ab, ohne operative Eingriffe vorauszusetzen. Für die Praxis bedeutet das mehr Flexibilität in der Anpassung.

Service aus einer Hand – Anspruch und Realität

MED-EL verspricht durch die Zentralisierung kürzere Wege, schnellere Unterstützung und einheitliche Schulungsangebote. Für Hörakustiker könnte das insbesondere im Versorgungsalltag relevant sein, wo Zeit und Prozesssicherheit entscheidend sind.

Die Integration umfasst auch:

  • Online-Serviceportal für Reparaturen und Testsysteme
  • Zentrale Ansprechpartner im Außendienst
  • Digitale Schulungsangebote über die MED-EL Akademie

Einordnung: Evolution statt Umbruch

Die Neuorganisation wirkt weniger wie ein radikaler Einschnitt, sondern eher wie eine konsequente Konsolidierung bestehender Strukturen. Viele Betriebe kennen die BHM-Produkte bereits – neu ist vor allem die Vertriebslogik im Hintergrund.

Für den Markt der Hörakustik bleibt entscheidend, ob die versprochenen Vorteile im Alltag ankommen: weniger Bürokratie, stabile Lieferketten und verlässlicher Support.

Denn genau daran wird sich die Integration messen lassen.