Oticon hat sein neues Premium-Hörsystem Oticon Reveal am 11. August 2026 in Smørum, Dänemark, vorgestellt. Das wiederaufladbare miniRITE-R-Gerät soll erstmals zwei spezialisierte KI-Systeme parallel und in Echtzeit einsetzen – eines mit Fokus auf Sprache, eines auf die übrige relevante Klangumgebung. Laut Demant soll Reveal im dritten Quartal 2026 in allen wichtigen Märkten eingeführt werden und in vier Preisstufen erhältlich sein. Ob und zu welchem konkreten Termin Reveal in Deutschland verfügbar sein wird, ist bislang nicht offiziell bestätigt.

Zwei KI-Systeme statt eines

Reveal basiert auf der neuen Reveal-AI-Plattform, der dritten Generation von Oticons KI-gestützter Klangverarbeitung nach More und Intent. Statt die gesamte Klangszene mit einem gemeinsamen KI-System zu verarbeiten, setzt Reveal auf zwei spezialisierte Systeme: Die Speech AI identifiziert und verstärkt Sprache im Umfeld des Trägers, während die Context AI gleichzeitig relevante Umgebungsgeräusche wie Schritte, Verkehr oder andere Orientierungssignale erhalten soll.

Oticon positioniert diesen Ansatz ausdrücklich als Gegenmodell zu einer stark sprachzentrierten Störschallunterdrückung. Das Unternehmen beruft sich dabei auf seine sogenannte BrainHearing-Philosophie. Dahinter steht die Annahme, dass das Gehirn nicht nur ein möglichst isoliertes Sprachsignal benötigt, sondern eine ausreichend vollständige akustische Umgebung, um Sprache einordnen und sich orientieren zu können.

Rückkopplung und Verstärkung: Was der Reveal Optimizer verspricht

Mit Reveal führt Oticon außerdem den Reveal Optimizer ein, ein überarbeitetes Rückkopplungsmanagement. Nach Herstellerangaben reagiert das System 30 % schneller und arbeitet mit einer vierfach höheren Anpasspräzision als die vorherige Oticon-Technologie.

Darüber hinaus nennt Oticon eine weitere Leistungsangabe: Reveal soll bis zu 25 dB mehr verfügbare Verstärkung als drei führende Wettbewerber ermöglichen. Grundlage dieser Aussage ist ein unternehmenseigener technischer Vergleich. Eine unabhängige Messung liegt bislang nicht vor.

In der Anpasspraxis könnte ein größerer Verstärkungsspielraum insbesondere dann relevant sein, wenn höhere Gain-Werte benötigt werden und Rückkopplungen bislang die nutzbare Verstärkung begrenzen.

Neue Funkplattform mit Auracast

Auch die Konnektivität wurde überarbeitet. Reveal erhält eine neue drahtlose Plattform, die Reichweite und Streaming-Stabilität verbessern soll. Oticon nennt unter anderem eine um 53 % höhere Streaming-Stabilität und eine bis zu 32 % größere Reichweite gegenüber Oticon Intent bei Bluetooth-Low-Energy-Verbindungen.

Unterstützt werden Bluetooth LE Audio und Auracast Broadcast Audio sowie Made for iPhone und die Anbindung kompatibler Android-Geräte. Zusätzlich bleibt eine Telecoil-Unterstützung erhalten, sodass auch bestehende induktive Höranlagen genutzt werden können.

Reveal fügt sich damit in Oticons zunehmende Auracast-Strategie ein. Das kompakte Hörsystem Zeal wurde bereits mit der neuen Übertragungstechnik eingeführt, während Intent Auracast-Unterstützung nachträglich per Firmware-Update erhielt.

Einordnung ins Portfolio

Parallel zu Reveal bringt Oticon mit CROS RE eine neue Lösung für Menschen mit einseitiger Taubheit auf den Markt. Das System basiert ebenfalls auf der neuen Plattformgeneration und soll die Dual-AI-Technologie für CROS-Versorgungen nutzbar machen.

Reveal erweitert damit das Premiumportfolio neben Oticon Zeal, das bereits auf der EUHA 2025 vorgestellt wurde und seit Januar 2026 unter anderem in Deutschland regulär verfügbar ist.

Laut Demant soll die neue Plattformtechnik in der zweiten Jahreshälfte 2026 auch bei weiteren Hörgerätemarken des Konzerns eingeführt werden.

Viele Herstellerwerte, noch wenig unabhängige Evidenz

Zu Preisen äußern sich weder Oticon noch Demant in den bislang veröffentlichten Launchinformationen. Auch ein konkreter Auslieferungstermin für Deutschland ist derzeit nicht bestätigt. Die internationale Reveal-Produktseite von Oticon ist inzwischen online und liefert zahlreiche technische Details.