Mehr Implantate. Mehr Umsatz. Mehr Dividende. Doch beim Gewinn zeigt sich: Das Wachstum ist kein Selbstläufer.
Der australische Weltmarktführer für Hörimplantate Cochlear hat seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 (bis Ende Juni) präsentiert – und liefert ein gemischtes Bild.
53.000 neue Patienten – 9 Milliarden Dollar gesellschaftlicher Nutzen
Im abgelaufenen Geschäftsjahr versorgte Cochlear 53.968 Menschen mit Cochlea- oder Knochenleitungsimplantaten – ein Plus von 12 Prozent.
Nach eigenen Berechnungen entsteht daraus ein gesellschaftlicher Netto-Nutzen von über 9 Milliarden US-Dollar – durch bessere Gesundheit, höhere Produktivität und geringere Bildungskosten.
Umsatz steigt – Gewinn nur minimal
Der Konzernumsatz kletterte um 4 Prozent auf 2,356 Milliarden Dollar (währungsbereinigt +3 Prozent).
Die wichtigsten Kennzahlen:
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Cochlea-Implantate: +9 % (währungsbereinigt)
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Akustik-Sparte: +6 %
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Service-Umsatz: –10 %
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Statutarischer Nettogewinn: +9 % auf 389 Mio. Dollar
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Operativer Nettogewinn: +1 % auf 392 Mio. Dollar
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Nettomarge: 17 %
Heißt: Während das Implantatgeschäft wächst, bremst das schwächere Servicegeschäft die Dynamik.
Weltpremiere: Das erste „smarte“ Cochlea-Implantat
Im Juni brachte Cochlear das neue Cochlear Nucleus Nexa System auf den Markt – nach 20 Jahren Entwicklungsarbeit.
Laut Unternehmen ist es das erste Cochlea-Implantat mit upgradefähiger Firmware. Künftige Software-Verbesserungen können damit direkt im Implantat aktiviert werden.
Start in Europa und Asien-Pazifik lief bereits, die US-Zulassung erfolgte Anfang Juli 2025. Erste Märkte wie Deutschland und Australien melden starke Nachfrage.
Marktanteil weiter über 60 Prozent
Cochlear behauptet seine globale Marktführerschaft mit einem Anteil von über 60 Prozent im Segment Cochlea- und Akustikimplantate.
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Industrieländer: +6 % Stückzahlwachstum
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Schwellenländer: +20 % Stückzahlwachstum – allerdings mit margenschwächerem Produktmix
Das drückte im zweiten Halbjahr die Bruttomarge leicht auf 74 Prozent (Vorjahr: 75 %).
Neue Studien: Implantate gegen Demenz?
Brisant für die Hörbranche: Zwei aktuelle Studien liefern Hinweise auf kognitive Effekte von Cochlea-Implantaten.
Eine südkoreanische Bevölkerungsstudie zeigt: Menschen mit schwerem Hörverlust ohne Versorgung haben ein deutlich höheres Demenzrisiko. Bei Cochlea-Implantat-Trägern lag das Risiko dagegen auf dem Niveau normalhörender Personen.
Auch eine australische Langzeitstudie bescheinigt älteren CI-Trägern stabile oder verbesserte kognitive Leistungen.
Für Hörakustiker bedeutet das:
Hören ist längst nicht nur Lebensqualität – sondern Prävention.
Forschung auf Rekordniveau
Cochlear investierte 292 Millionen Dollar in Forschung und Entwicklung – rund 12 Prozent des Umsatzes.
Im Fokus:
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Medikamentenbeschichtete Elektroden (Dexamethason)
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Vollimplantierbare Systeme
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Verbesserung der neuronalen Stimulation
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Neue Bluetooth-Standards bei Knochenleitungs-Systemen
Dividende steigt – Aktienrückkauf geplant
Aktionäre profitieren:
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Gesamtdividende: 4,30 Dollar je Aktie (+5 %)
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Ausschüttungsquote: 72 %
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Zusätzlich: Aktienrückkaufprogramm über 75 Mio. Dollar
Ausblick 2026: Gewinnsprung angekündigt
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Cochlear einen operativen Nettogewinn von 435 bis 460 Millionen Dollar – ein Plus von 11 bis 17 Prozent.
Treiber soll vor allem das neue Nexa-System sein.
Allerdings: Das Wachstum wird in der zweiten Jahreshälfte erwartet – und in Schwellenländern dürfte der Umsatzmix weiter auf die Margen drücken.
⚠️ Cashflow unter Druck
Trotz guter Umsätze sank der operative Cashflow deutlich. Grund:
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+108 Mio. Dollar höhere Lagerbestände
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+90 Mio. Dollar höhere Forderungen
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Hohe Investitionen in Produktionskapazitäten
Das Nettocash sank von 514 auf 276 Millionen Dollar.