Die aktuelle repräsentative Befragung „So hört Deutschland“ zeigt deutliche Defizite in der Hörvorsorge der Bevölkerung. Nur 42 Prozent der befragten Erwachsenen in Deutschland geben an, aktiv etwas für ihre Hörgesundheit zu tun. Besonders kritisch: Rund die Hälfte der Personen, die eine Verschlechterung ihres Hörvermögens bemerken, ergreift dennoch keine Maßnahmen.

Die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen unbehandelter Hörminderungen sind seit Jahren gut dokumentiert. Neben Einschränkungen der Lebensqualität und sozialer Teilhabe besteht ein erhöhtes Risiko für kognitive Beeinträchtigungen, einschließlich Demenz. Darüber hinaus entstehen laut einer Analyse der Brunel University London jährliche volkswirtschaftliche Kosten von rund 39 Milliarden Euro durch nicht versorgte Hörverluste.¹

Hörgesundheit gewinnt an Bedeutung – Versorgungslücken bleiben jedoch bestehen

In einer alternden Gesellschaft steigt die Relevanz von frühzeitiger Diagnostik und professioneller Versorgung. Die Umfrageergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass Hörgesundheit im Bewusstsein vieler Menschen noch nicht ausreichend verankert ist.

Fachleute betonen daher die Notwendigkeit struktureller Präventionsangebote, etwa regelmäßiger Hörscreenings ab dem mittleren Lebensalter. Ziel ist es, Hörveränderungen frühzeitig zu erkennen und den Zugang zu Versorgungslösungen zu erleichtern.

Bedeutung für Arbeitswelt und Fachkräftesicherung

Auch für Unternehmen gewinnt das Thema an Relevanz. Mit dem steigenden Durchschnittsalter der Beschäftigten nehmen altersbedingte Hörminderungen zu, die häufig schleichend beginnen. Unbehandelte Einschränkungen können Kommunikation und Leistungsfähigkeit im Berufsalltag beeinflussen. Frühzeitige Versorgung unterstützt dagegen die berufliche Teilhabe und kann zur Stabilisierung der Arbeitskraft älterer Mitarbeitender beitragen – ein wichtiger Aspekt angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels.

Prävention stärken: Bedarf an Aufklärung und niedrigschwelligen Angeboten

Die Studienergebnisse verdeutlichen einen erheblichen Informations- und Handlungsbedarf. Insbesondere niedrigschwellige Angebote zur Überprüfung des Hörvermögens gelten als wirksamer Einstieg in die Prävention. Hörtests, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sowie eine bessere Sensibilisierung für die Bedeutung guter Hörfähigkeit können dazu beitragen, Versorgungslücken langfristig zu verringern.

Studiendesign

Die Befragung wurde von Quantilope im Auftrag von GEERS durchgeführt. Sie basiert auf einer Online-Befragung von 1.001 Personen ab 25 Jahren. Die Stichprobe wurde nach Alter, Geschlecht und Nielsen-Gebiet quotiert und ist in diesen Merkmalen repräsentativ für die Bevölkerung ab 25 Jahren in Deutschland.


¹ Quelle: Bridget Shield, Hearing Loss – Numbers and Costs, Brunel University London, 2019 (ehima.com)