Samsung Electronics hat für seine Galaxy Buds Hearing Aid-Funktion die Zulassung der US-Gesundheitsbehörde FDA erhalten. Kompatible Ohrhörer können damit als rezeptfreies (OTC) Hörgerät für Erwachsene mit wahrgenommener geringgradiger bis mittelgradiger Schwerhörigkeit genutzt werden.

Zwei Funktionen, ein Ökosystem

Die Lösung besteht aus zwei Bausteinen. Beide stecken direkt in der Galaxy-Buds-App, eine separate Anwendung braucht es nicht. Der Hörtest liefert laut Samsung in 5 Minuten ein Audiogramm: Reinton-Audiometrie testet jedes Ohr einzeln. Samsung hat die Funktion als Software as a Medical Device (SaMD) registriert. Darauf aufbauend passt die Hearing Aid-Funktion die Verstärkung an das individuelle Hörprofil an. Samsung nutzt dafür NAL-NL2, die von Australiens National Acoustic Laboratories entwickelte und weltweit meistgenutzte Anpassformel.

Der Rollout für Galaxy Buds3 Pro und Galaxy Buds4 Pro ist für das vierte Quartal 2026 in den USA und weiteren zugelassenen Märkten vorgesehen, vorausgesetzt ist ein gekoppeltes Galaxy-Gerät mit One UI 8 oder höher.

Samsung folgt Apple

Samsung reagiert damit auf Apples Vorstoß: Bereits im September 2024 hatte die FDA eine vergleichbare Funktion für die AirPods Pro 2 zugelassen. Mit dem AirPods-Pro-3-Marktstart 2025 führte Apple dieselbe Funktion auf dem neuen Modell fort.

Wie gut das in der Praxis funktioniert, ist allerdings umstritten. Eine 2026 im American Journal of Audiology veröffentlichte Untersuchung an 25 Erwachsenen fand eine hohe Nutzerzufriedenheit, aber nur einen geringen, statistisch nicht signifikanten Nutzen beim Sprachverstehen im Störgeräusch. Die gemessene Verstärkung blieb zudem unter den NAL-NL2-Zielwerten. Ob sich Samsungs System hier anders schlägt, ist bislang nicht unabhängig untersucht.

Einordnung für die Branche

Für spezialisierte OTC-Hörgerätehersteller könnte sich der Wettbewerb im unteren Preissegment verschärfen, wenn Verbraucher bereits vorhandene Ohrhörer als Alternative nutzen. Gleichzeitig könnten die Funktionen das Bewusstsein für Hörverlust erhöhen: Laut WHO sind weltweit über 1,5 Milliarden Menschen von Hörverlust betroffen, bis 2050 soll die Zahl auf 2,5 Milliarden steigen.

Bislang deuten Marktbeobachtungen darauf hin, dass sich Verbraucher seit Einführung der US-OTC-Kategorie 2022 nicht in nennenswertem Umfang von professionell angepassten, verschreibungspflichtigen Hörgeräten abgewandt haben. Belastbare Zahlen dazu liegen jedoch nicht vor.