Der Schweizer Hörgeräte- und Cochlea-Implantat-Konzern Sonova Holding AG hat am 18. Mai 2026 seine Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025/26 veröffentlicht. Das in Stäfa ansässige Unternehmen erzielte trotz erheblichen Gegenwinds durch Wechselkurse ein solides operatives Wachstum und übertraf nach eigenen Angaben erneut den Gesamtmarkt. Belastet wurde das Bild durch Herausforderungen im Cochlea-Implantat-Geschäft – besonders in China.

Umsatz stabil, Profitabilität deutlich verbessert

Der Gruppenumsatz belief sich auf CHF 3’605,9 Mio. – in Schweizer Franken gerechnet ein leichter Rückgang von 0,2%, in Lokalwährungen jedoch ein Wachstum von 5,9%. Der Unterschied erklärt sich durch negative Währungseffekte, die den Umsatz um CHF 221,0 Mio. drückten.

Der normalisierte EBITA – also der operative Gewinn vor Sondereffekten – stieg in Lokalwährungen um 17,3% auf CHF 811,2 Mio. Die normalisierte EBITA-Marge verbesserte sich auf 22,5% (Vorjahr: 21,6%). Ausgewiesen wird ein EBITA von CHF 724,2 Mio., was in Lokalwährungen einem Plus von 7,7% entspricht, in Schweizer Franken jedoch einem Rückgang von 5,8% – auch hier der Wechselkurseffekt.

Der Gewinn nach Steuern aus weitergeführten Geschäftsbereichen lag bei CHF 546,0 Mio., was in Lokalwährungen einem Anstieg von 13,9% entspricht. Der normalisierte Gewinn je Aktie erreichte CHF 10,42.

Hörgeräte-Segment: Starkes Wholesale-Wachstum treibt Marktanteile

Das Hörgeräte-Segment – bestehend aus dem Wholesale- (ehemals Hörgerätegeschäft) und dem Retail-Geschäft (ehemals Audiologische Versorgung) – erzielte einen Umsatz von CHF 3’353,8 Mio., ein Plus von 7,5% in Lokalwährungen.

Das Wholesale-Geschäft wuchs in Lokalwährungen um 9,5% auf CHF 1’861,8 Mio. Besonders stark war das zweite Halbjahr mit einem zweistelligen Wachstum – trotz höherer Vergleichsbasis. Treiber waren die Einführung von Phonak Infinio Ultra im Oktober 2025 sowie von Virto R Infinio im August 2025, Sonovas erster wiederaufladbarer, individuell angepasster Im-Ohr-Lösung. Das neue EasyGuard™ Cerumen-Managementsystem schützt den Hörer durch eine akustisch transparente Membran und soll Servicebesuche reduzieren.

Das Retail-Geschäft legte in Lokalwährungen um 5,1% zu (CHF 1’491,9 Mio.), organisch um 3,8%. Gezielte Investitionen in Lead-Generierung sowie Akquisitionen – insbesondere in Deutschland, Australien und Kanada – stützten das Wachstum. Der normalisierte EBITA des Segments stieg um 20,6% in Lokalwährungen auf CHF 793,7 Mio. bei einer Marge von 23,7%.

Cochlea-Implantate unter Druck – China als Hauptproblem

Deutlich schwieriger verlief das Geschäftsjahr für das Cochlea-Implantat-Segment. Der Umsatz sank um 11,1% in Lokalwährungen auf CHF 252,1 Mio. Hauptursache ist das chinesische Beschaffungsmodell der volumenbasierten Vergabe (Volume-Based Procurement, VBP), das das Segment erheblich belastete. Ohne China wären die Verkäufe neuer Systeme um 0,7% in Lokalwährungen gestiegen. In den entwickelten Märkten kam im zweiten Halbjahr Wettbewerbsdruck hinzu, nachdem ein Konkurrent ein neues Produkt eingeführt hatte. Der normalisierte EBITA des Segments sank auf CHF 17,2 Mio. (Vorjahr: CHF 34,6 Mio.), was einer Marge von 6,8% entspricht. Das Segment bleibt damit der klare Belastungsfaktor im Gesamtportfolio.

Wachstum in allen Regionen – USA besonders stark

Regional zeigte Sonova ein differenziertes Bild. In der EMEA-Region stieg der Umsatz um 4,8% in Lokalwährungen, getragen von Marktanteilsgewinnen und Akquisitionen in Deutschland, Italien und Frankreich. Die USA verzeichneten mit +9,1% in Lokalwährungen das stärkste Wachstum – sowohl im Privatmarkt als auch bei Verkäufen an das Department of Veterans Affairs. In der Region Amerika (ohne USA) kletterte der Umsatz um 7,1% in Lokalwährungen. Asien/Pazifik wuchs moderat um 1,4%, da das starke Retail-Wachstum in China und Japan teilweise durch das schwächelnde Cochlea-Implantat-Geschäft ausgeglichen wurde.

CEO Eric Bernard kommentierte: „Das starke Wachstum im Wholesale-Geschäft, das sich in der zweiten Jahreshälfte auf 10,9% in Lokalwährungen beschleunigte, unterstreicht unsere Technologie- und Innovationsführerschaft sowie die konsequente Umsetzung unserer Strategie.“

Höchste Dividende der Unternehmensgeschichte und neue Verwaltungsräte

Der Verwaltungsrat schlägt der Generalversammlung im Juni 2026 eine Dividende von CHF 4,70 je Aktie vor – eine Erhöhung um 7% gegenüber dem Vorjahr und die höchste in der Geschichte Sonovas. Die Ausschüttungsquote liegt bei rund 45%.

Zugleich wurden personelle Veränderungen im Verwaltungsrat bekannt. Drei neue Kandidatinnen werden zur Wahl vorgeschlagen: Ingrid Cotoros (Chief Development Officer bei Mytra, früher VP Technology Engineering bei Meta Reality Labs), Malina Man Lin Ngai (Group CEO von AS Watson, über 17.000 Filialen in 31 Märkten) sowie Hooi Ling Tan (Mitbegründerin von Grab, Verwaltungsrätin bei Wise Ltd.). Mit diesen Nominierungen sollen Kompetenzen in den Bereichen Technologie, Retail und Konsumgüter gestärkt werden.

Neue Plattform und Cochlea-Erholung im zweiten Halbjahr erwartet

Für das Geschäftsjahr 2026/27 erwartet Sonova ein Umsatzwachstum von 5 bis 8% sowie ein Kern-EBIT-Wachstum von 7 bis 10% – jeweils zu konstanten Wechselkursen. Wechselkurseffekte per Anfang Mai 2026 dürften das ausgewiesene Umsatzwachstum in Schweizer Franken um 1 bis 2 Prozentpunkte mindern. Im Wholesale-Geschäft plant Sonova den Launch einer neuen Plattform. Im Cochlea-Implantat-Segment werden Herausforderungen im ersten Halbjahr erwartet; eine Erholung soll im zweiten Halbjahr folgen – vorbehaltlich der regulatorischen Zulassung eines neuen Soundprozessors. Das Marktumfeld schätzt Sonova dabei mit einem Marktwachstum von 2 bis 4% ein – als Schritt Richtung der mittelfristigen Erwartung von 3 bis 5%.


Alle Zahlen beziehen sich, sofern nicht anders angegeben, auf die weitergeführten Geschäftsbereiche. Das Consumer-Hearing-Geschäft, dessen Veräusserung Sonova am 23. März 2026 ankündigte, ist darin nicht enthalten.

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