Der Schweizer Hörakustik-Konzern Sonova hat ein dänisches Unternehmen vollständig übernommen, das erst vor vier Jahren gegründet wurde und bis heute keine einzige stationäre Filiale betreibt. Der Konzern ist in Dänemark bereits mit einer eigenen Kette vertreten und kauft damit einen direkten Wettbewerber. Was den Zukauf wirtschaftlich attraktiv machte, zeigt ein Blick in den jüngsten Jahresabschluss – und ein Versorgungsmodell, über das die Branche seit Jahren streitet.

Vier Jahre vom Nullstart zum Verkauf

Bei dem Unternehmen handelt es sich um Høreservice Danmark ApS mit Sitz in Herlev bei Kopenhagen. Laut dänischem Handelsregister (CVR) ist die Sonova AG seit dem 1. September 2026 alleinige Eigentümerin mit 100 Prozent der Anteile.

Gegründet wurde die Firma im August 2022 von Steffen Møller Pedersen. Beim Start gab es nach seiner Darstellung weder Kliniken noch Fahrzeuge oder Kunden. Heute betreibt das Unternehmen nach eigenen Angaben 25 mobile Kliniken: Ausgebildete Audiologen fahren zu den Kunden nach Hause, führen dort den Hörtest durch und geben Hörgeräte bei Bedarf noch am selben Tag ab.

Die Zahlen hinter dem Deal

Der Jahresabschluss 2025 erklärt das Interesse des Käufers. Der Bruttogewinn stieg binnen eines Jahres von 17,6 auf 31,4 Millionen DKK (rund 2,4 auf 4,2 Millionen Euro), das Betriebsergebnis von 6,7 auf 11,2 Millionen DKK (etwa 0,9 auf 1,5 Millionen Euro). Der Jahresüberschuss lag bei 8,4 Millionen DKK, umgerechnet rund 1,1 Millionen Euro. Im zentralen Unternehmensregister Dänemarks sind 61 Beschäftigte eingetragen. Zum Kaufpreis machten weder Sonova noch das Register Angaben.

Zwei Mobilanbieter im selben Markt

Sonova ist in Dänemark über die Kette AudioNova präsent, die dort laut eigener Darstellung mehr als 65 Hörcenter unterhält und ebenfalls Hausbesuche anbietet. Anders als AudioNova setzt Høreservice Danmark ausschließlich auf mobile Versorgung, ohne stationäres Rückgrat.

Møller Pedersen bleibt laut Registereintrag Geschäftsführer und rückte zum Übernahmestichtag in den neu besetzten Vorstand ein. Den Vorsitz übernahm Jan Peter Rekling, weiteres Mitglied ist Janni Marie Thor Hjorth.