Der US-Hörsystemhersteller Starkey treibt seine Produktstrategie weiter voran. Nur wenige Monate nach der Vorstellung der Premiumplattform Omega AI im Herbst 2025 erweitert das Unternehmen nun sein Einstiegsportfolio. Gleichzeitig erhält die Highend-Linie zusätzliche Konnektivitätsfunktionen. Der Konzern aus Minnesota setzt damit auf eine klare Botschaft: Künstliche Intelligenz und drahtlose Vernetzung sollen kein Privileg der Oberklasse bleiben.

G Series AI wächst im Einstiegssegment

Im Zentrum der aktuellen Ankündigung steht die Erweiterung der G Series AI. Die bislang vor allem als RIC-Lösung positionierte Produktfamilie ist künftig auch als klassische Hinter-dem-Ohr-Variante verfügbar: ein P BTE 13 sowie ein UP BTE 13 ergänzen das Portfolio. Hinzu kommt eine akkubetriebene RIC-R-Version.

Für den Fachhandel ist diese Ausweitung strategisch relevant. Gerade im Einstiegssegment bleibt die Nachfrage nach leistungsstarken HdO-Systemen hoch – etwa bei höhergradigen Hörverlusten oder bei Kundinnen und Kunden mit klarer Präferenz für robuste Bauformen. Mit der Erweiterung deckt Starkey nun ein breiteres Indikationsspektrum innerhalb derselben Technologieplattform ab.

Technologisch basiert auch die G Series AI auf der unternehmenseigenen Neuro-Sound-Architektur. Funktionen wie App-Steuerung über die My Starkey App, Bluetooth-Streaming für Telefonie und Medien sowie ein deaktivierbarer Offline-Modus sollen das System alltagstauglich machen. Die Akkulaufzeit gibt der Hersteller mit bis zu 51 Stunden an – ein Wert, der im Einstiegsbereich derzeit am oberen Rand des Marktes liegt.

Omega AI: Fokus auf Konnektivität

Parallel stärkt Starkey die Premiumlinie Omega AI mit drei neuen Features. Im Mittelpunkt steht die Unterstützung von Auracast, dem neuen Broadcast-Standard auf Basis von Bluetooth LE Audio. Über den integrierten Auracast Assistant in der My Starkey App sollen Nutzerinnen und Nutzer verfügbare Streams auswählen und sich direkt verbinden können – auch ohne ein spezifisch Auracast-zertifiziertes Smartphone.

Damit reagiert Starkey auf eine Entwicklung, die die Branche seit Monaten beschäftigt: Öffentliche Beschallungssysteme in Theatern, Flughäfen oder Konferenzzentren werden schrittweise auf Auracast umgestellt. Für Hörsystemträger könnte sich damit die Zugänglichkeit zu Audioinhalten deutlich verbessern – vorausgesetzt, die Infrastruktur etabliert sich flächendeckend.

Ergänzend führt Starkey „Push-to-Talk“ für Sprachnachrichten ein sowie Google Fast Pair für eine vereinfachte Kopplung mit Android-Geräten. Letzteres beschleunigt den Pairing-Prozess erheblich und dürfte vor allem im Servicealltag Zeit sparen.

Eine Software für das gesamte Portfolio

Auch auf Anpassseite setzt das Unternehmen auf Vereinheitlichung. Künftig lassen sich sowohl Omega AI, die Im-Ohr-Systeme der Signature Series als auch die G Series AI über die Pro Fit-Software konfigurieren. Für Betriebe bedeutet das weniger Systemwechsel, vereinfachte Schulungen und eine konsistente Benutzeroberfläche.

Gerade in Zeiten steigender Effizienzanforderungen und Fachkräftemangels ist eine reduzierte Softwarekomplexität ein nicht zu unterschätzender Faktor. Zudem erleichtert die Möglichkeit, Einstellungen bei Technologie- oder Modellwechsel zu übertragen, die vergleichende Anpassung im Beratungsgespräch.

Strategische Einordnung

Seit seiner Gründung 1967 durch William F. Austin hat sich Starkey als technologisch ambitionierter Anbieter positioniert. Unter CEO Brandon Sawalich treibt das Unternehmen insbesondere KI-gestützte Signalverarbeitung und integrierte Sensorik voran. Funktionen wie Sturzerkennung oder Sprachassistenten haben in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, Hörsysteme stärker als smarte Gesundheitsbegleiter zu etablieren.

Mit der jetzigen Portfolioerweiterung verfolgt Starkey eine doppelte Strategie: Premiumfunktionen werden weiter ausgebaut, während zentrale KI-Technologien schrittweise ins Einstiegssegment diffundieren. Für Hörakustiker entsteht dadurch ein breiteres Argumentationsspektrum – sowohl im Beratungsgespräch als auch in der Positionierung gegenüber Wettbewerbern.

Ob die Kombination aus breiter Bauformenabdeckung, standardisierter Anpasssoftware und erweiterter Konnektivität ausreicht, um Marktanteile zu gewinnen, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen. Klar ist jedoch: Der Wettbewerb um technologische Führerschaft im Hörsystemmarkt verschärft sich weiter – und Konnektivität entwickelt sich zunehmend vom Zusatzfeature zum Branchenstandard.