Ein Jahr nach Omega AI legt Starkey nach. Am 1. Oktober 2026 hat der US-Hersteller die Premium-Familie Omega AI+ vorgestellt, die auf dem neuen G4 Gen AI Neuro Processor läuft. Die wichtigsten Neuerungen: ein KI-gesteuerter Kompressor, ein Edge Mode, der dauerhaft aktiv bleiben kann, und eine Schlafauswertung für RIC-Geräte. Wann Omega AI+ in Deutschland mit welchem Funktionsumfang startet und was es kostet, geht aus den bisher veröffentlichten Informationen nicht hervor.

Vier Netze im Verbund

Die Plattform beruht auf der sogenannten Quad-DNN-Architektur: Vier spezialisierte tiefe neuronale Netze (DNN) arbeiten parallel. Laut Starkey-Technikchef Achin Bhowmik optimieren sie gemeinsam Sprachverstehen, Umgebungswahrnehmung, Klangqualität und Hörkomfort. Angelegt sind die Netze direkt im Chip.

Der Hersteller verspricht vor allem mehr Tempo. Omega AI+ verarbeite Schall bis zu 2,7-mal schneller als ein führendes Wettbewerbsgerät mit DNN-Verarbeitung, schreibt Starkey. Welches Gerät das ist, verrät der Hersteller nicht. Die Zahl stammt aus einem hauseigenen Whitepaper. Überarbeitet wurde außerdem das Feedback-Management.

Schnell oder langsam: Das Netz entscheidet

Den DNN Dual Compressor bezeichnet Starkey als weltweit erste Lösung ihrer Art. Er soll je nach Situation wählen: schnelle Kompression, um Sprache hervorzuheben, oder langsame Kompression, um den Klang natürlich zu halten. Damit entfalle der bekannte Zielkonflikt zwischen Sprachverständlichkeit und Klangqualität.

Edge Mode ab Werk

Der Edge Mode optimiert in Echtzeit Sprachhörbarkeit und Störgeräuschmanagement. Bislang mussten Nutzer ihn bei Bedarf selbst einschalten. Bei Omega AI+ kann er durchgehend aktiv bleiben. Laut Starkey liegt er standardmäßig auf dem ersten Speicherplatz. Ein weiteres Starkey-Whitepaper bescheinigt dem Modus eine geringere Höranstrengung als dem persönlichen Programm.

KI bis in den Gehörgang

Omega AI+ deckt mehr Bauformen ab als die Vorgängergeneration. Wiederaufladbare Im-Ohr-Geräte (ITC/ITE R) bekommen die Richtwirkungstechnik DNN 360, die Starkey mit Omega AI eingeführt hatte. Das passende Ladegerät für die Custom-Modelle soll „demnächst“ folgen. Neu ist zudem eine Linie nicht-drahtloser Custom-Geräte (NW) mit automatischem Edge Mode. Gesteuert werden die NW-Geräte über ein Tonsignal im Ultrahochfrequenzbereich, das der Träger selbst nicht hört. So erreichen laut Starkey selbst IIC-Geräte den Edge Mode.

Auracast beherrscht Omega AI+ ebenfalls. Für die Vorgängerfamilie hatte Starkey Anfang 2026 einen Auracast-Assistenten in der App nachgereicht. Der Akku hält nach Herstellerangaben bis zu 51 Stunden, die Geräte sind wasserdicht. Für die RIC-Geräte gibt es zudem den neu gestalteten StarLink Charger 3.0.

Nachts misst das Hörgerät mit

Die zweite große Neuerung zielt auf Gesundheitsdaten. Wer Omega-AI+-RIC-Geräte trägt, erhält in der My-Starkey-App einen nächtlichen Schlafwert und Auswertungen zu Schlafphasen (wach, leicht, tief) sowie zur Körperlage (Seite oder Rücken). Die Daten liefern die Sensoren im Gerät. Starkey sieht die Funktion bislang als einzige ihrer Art in der Branche. Hinzu kommt ein Hinweis in der App, wenn der Nutzer seine Hörgeräte irgendwo liegen lässt.

Man baue nicht einfach bessere Hörgeräte, sagte CEO Brandon Sawalich, sondern Technik, die versteht, sich anpasst und reagiert, „mehr wie das menschliche Gehirn“.

Starkey sitzt in Eden Prairie (Minnesota) und beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 5.000 Menschen an 29 Standorten in über 100 Märkten.