Der Chiphersteller STMicroelectronics hat in den USA ein Patent auf einen Ohrhörer erhalten, der Vitalwerte nicht im Ohr, sondern am Handgelenk misst. Das US-Patent 12.629.039 wurde am 19. Mai 2026 erteilt, angemeldet hatte das Unternehmen es am 7. September 2023 mit Priorität aus einer italienischen Anmeldung vom Vorjahr. Kern der Erfindung: ein Kraftsensor in der Ohrhörerspitze, der außerhalb des Ohrs am Handgelenk über der Radialarterie die mechanische Herzaktivität erfasst.

Wie die Messung am Handgelenk funktioniert

Wird der Ohrhörer aus dem Ohr genommen und mit der Spitze an das Handgelenk gehalten, misst ein hochempfindlicher MEMS-Kraftsensor (Auflösung unter 0,1 mN) die Vibrationen der Herzkontraktion. Die Methode heißt Forcecardiography (FCG) und wurde ursprünglich für Messungen am Brustkorb beschrieben, wie das Patent unter Verweis auf eine 2020 erschienene Studie festhält. Eine dünnwandige Membranfläche an der Ohrhörerspitze, laut Patentschrift rund 3 mm im Durchmesser, markiert dabei taktil die richtige Auflageposition. Elektroden am Gehäuse erkennen automatisch, wann Hautkontakt besteht, und starten die Messung selbstständig – ohne dass sich dadurch die normale Steuerung der Musikwiedergabe verändert, wie das Patent ausdrücklich festhält.

Weitere Sensorvarianten vorgesehen

Neben dem Kraftsensor beschreibt das Patent auch Ausführungen mit Infrarot- oder Kontakttemperatursensor an derselben Gehäusestelle. Die gemessenen Werte lassen sich laut Patentbeschreibung entweder direkt im Sensorbaustein, über ein Kontrollmodul im Ohrhörer oder extern auf einem gekoppelten Smartphone verarbeiten und anzeigen. Erfunden haben die Technik Enrico Rosario Alessi, Enri Duqi und Fabio Passaniti, alle für STMicroelectronics tätig; Anmelderin ist die Konzerngesellschaft STMicroelectronics S.r.l. mit Sitz in Agrate Brianza.

Ob und wann ein Produkt auf Basis dieses Patents auf den Markt kommt, geht aus der Patentschrift nicht hervor.