Die Nuance Audio Glasses von EssilorLuxottica haben in einer klinischen Untersuchung der National Acoustic Laboratories (NAL) in Sydney das Sprachverstehen im Störlärm verbessert. Die Studie wurde im Journal of Otolaryngology-ENT Research veröffentlicht und untersuchte 20 Erwachsene mit selbst wahrgenommenen leichten bis mittelgradigen Hörschwierigkeiten. Im Labor lag der Vorteil gegenüber unversorgtem Hören bei durchschnittlich 3,48 dB SNR.
Die Hörbrille als OTC-Lösung
Die Arbeit ordnet die Hörbrille in den wachsenden Markt für OTC-Hörlösungen ein. In den USA sind OTC-Hörgeräte seit Oktober 2022 für Erwachsene ab 18 Jahren mit wahrgenommenem leichtem bis mittelgradigem Hörverlust vorgesehen. Sie können ohne Rezept oder Anpassung durch eine lizenzierte Fachperson gekauft werden, bleiben aber medizinische Produkte mit regulatorischen Anforderungen.
EssilorLuxottica hatte im Februar 2025 für Nuance Audio die FDA-Zulassung beziehungsweise Clearance in den USA sowie europäische Zertifizierungen gemeldet. Damit zielt das Produkt auf eine Kundengruppe, die Hörunterstützung sucht, klassische Hörgeräte aber aus Gründen wie Stigma, Kosten oder Zugangshürden bislang meidet.
20 Teilnehmende, zwei Hörsituationen, klare Laborwerte
An der Untersuchung nahmen 20 Erwachsene teil, 13 Männer und 7 Frauen. Alle durchliefen unter anderem Otoskopie, Tympanometrie, Reintonaudiometrie und Fragebogenscreenings. Die Vier-Frequenz-PTA-Werte lagen im Mittel bei 28,25 dB HL links und 27,94 dB HL rechts und damit im Bereich leichter bis mittelgradiger Hörschwierigkeiten.
Für den zentralen Sprachtest nutzten die Forschenden australisch-englische BKB-Sätze, präsentiert von vorn, mit diffusem Mehrsprecher-Störschall aus vier Lautsprechern. Gemessen wurde der SNR-50, also das Signal-Rausch-Verhältnis, bei dem 50 % der Wörter korrekt verstanden werden. Mit Nuance Audio Glasses im frontalen Richtmodus verbesserten sich die Schwellen gegenüber unversorgtem Hören um 3,48 dB SNR. Das 95-%-Konfidenzintervall lag bei 2,97 bis 3,98 dB, der p-Wert bei p < 0,0001. Alle Teilnehmenden erzielten mit Hörbrille bessere Werte.
Präferenz steigt mit dem Störlärm
Neben den objektiven Messwerten erhob die Studie auch Hörpräferenzen. In simulierten Alltagsszenen wie Bibliothek, Büro, Restaurant und Verkehr bevorzugten die Teilnehmenden überwiegend das unterstützte Hören. In der ruhigen Bibliothek lag die Präferenz bei 55 %, in Büro-, Restaurant- und Verkehrssituationen stieg sie auf 75 %. Als Gründe nannten die Teilnehmenden vor allem bessere Sprachklarheit und geringere Höranstrengung.
Auch außerhalb des Labors zeigte sich dieses Muster. Bei einer begleiteten Begehung bewerteten die Teilnehmenden Situationen in Fluren, Meetingräumen, auf Straßen, in Parks sowie in Café- und Food-Court-Umgebungen. Die gemessenen Pegel reichten von etwa 39 dB SPL im Meetingraum bis etwa 70 dB SPL im Café. Besonders deutlich fiel die Präferenz für die Hörbrille in lauten sozialen Situationen wie Cafés und belebten Straßen aus.
Patientennutzen: Ziele häufig erreicht
Die subjektiven Ergebnisse stützen die Laborbefunde. Auf einer modifizierten COSI-Skala berichteten die Teilnehmenden bei mehr als 90 % ihrer wichtigsten Kommunikationsziele einen Nutzen. Bei sekundären Zielen lag der Anteil bei rund 84 %. Besonders häufig ging es um besseres Verstehen in lauten sozialen Situationen.
Starkes Signal, aber noch kein Langzeitnachweis
Für die Hörakustik ist die Studie ein Hinweis darauf, dass hörunterstützende Brillen über ein reines Lifestyle-Versprechen hinausgehen können. Entscheidend bleibt aber die Einordnung: Die Untersuchung war klein, kurzzeitig, überwacht und nicht verblindet. Langfristige Gewöhnung, selbstständige Nutzung, tägliche Tragedauer und die Stabilität der Effekte wurden nicht geprüft.
Damit liefert die Studie belastbare erste Daten für den Nutzen der Nuance Audio Glasses bei Sprache im Störlärm. Ob daraus im Alltag eine dauerhaft tragfähige Versorgungsoption für eine breitere Zielgruppe wird, müssen größere und längere Untersuchungen zeigen.