Die Universität Oldenburg ist der Nonprofit-Organisation openEHR als institutionelles Mitglied beigetreten. Das Netzwerk entwickelt offene Standards und Modelle für interoperable elektronische Gesundheitsdaten – mit dem Ziel, diese für künftige Studien und eine bessere Patientenversorgung nutzbar zu machen. Ansprechpartnerin auf Oldenburger Seite ist Prof. Dr. Antje Wulff, Leiterin der Abteilung „Big Data in der Medizin“ im Department für Versorgungsforschung.

Wulff ist zugleich leitende Forscherin im Exzellenzcluster „Hearing4all.connects“ und baut dort mit ihrem Team einen „Open Data Space for Audiology“ auf. Ihr Mitarbeiter Pascal Biermann gestaltet bereits seit Frühjahr 2026 als Mitglied des internationalen Software Program Board die technischen Spezifikationen des openEHR-Standards aktiv mit.

Ein zentrales Problem benennt Dr. Lena Schell-Majoor, Postdoktorandin im Exzellenzcluster: Der Hörforschung fehlen bislang große Datensätze, die ein breites Spektrum an Hörstörungen abbilden. Der Grund liegt oft im Studiendesign selbst – erhobene audiologische Daten stammen häufig von kleinen, nicht repräsentativen Teilnehmergruppen. Größere und diversere Datensätze seien jedoch unabdingbar, um datengetriebene Diagnose- und Versorgungslösungen voranzubringen, so Schell-Majoor. Voraussetzung dafür sind interoperable, global verfügbare Daten aus unterschiedlichen Quellen und Studien.

Damit solche Daten institutionsübergreifend ausgetauscht werden können, sind gemeinsame semantische Standards nötig – erarbeitet und weiterentwickelt von den Mitgliedern des openEHR-Netzwerks. Rückmeldungen aus der Fachcommunity seien für Qualität und Akzeptanz der entstehenden Modelle essenziell, betont Schell-Majoor.

Ein erstes konkretes Ergebnis dieser Arbeit liegt bereits vor: Mitglieder von Hearing4all.connects haben mit „Categorical Loudness Scaling“ (Kategoriale Lautheitsskalierung) den ersten openEHR-Archetyp für einen audiologischen Test entwickelt. Ein solcher Archetyp beschreibt ein klinisches Konzept strukturiert und umfasst alle relevanten Daten und Metadaten, die für Forschung und klinische Anwendung gebraucht werden – in diesem Fall die Grundlage für eine verbesserte Dokumentation, Interoperabilität und Datenwiederverwendung bei einem etablierten audiologischen Verfahren.

Mit dem institutionellen Beitritt stärkt die Universität Oldenburg die Vernetzung innerhalb der openEHR-Community und unterstützt die internationale Veröffentlichung von openEHR-Modellen, wie sie unter anderem aus dem Exzellenzcluster stammen. Umgekehrt erhält die Universität Zugang zu Wissen und Erfahrung aus dem Netzwerk – relevant sowohl für die eigene Forschung als auch perspektivisch für die klinische Versorgung in der Universitätsmedizin.

Die Universität Oldenburg ist eine von drei Trägeruniversitäten des Exzellenzclusters für Hörforschung, gemeinsam mit der Universität Hannover und der Medizinischen Hochschule Hannover.