Ein Team der Binghamton University in New York erhält vom National Institutes of Health (NIH) eine Förderung von 1,84 Millionen US-Dollar für eine neuartige Gehörgangssonde. Das auf 5 Jahre angelegte Projekt soll die Messung otoakustischer Emissionen (OAE) präziser und zuverlässiger machen, ein zentrales diagnostisches Werkzeug in der Audiologie, unter anderem beim Neugeborenen-Hörscreening.

Zwei Messprinzipien in einer Sonde

Projektleiter ist Jian Zhou, PhD, Assistenzprofessor am Thomas J. Watson College of Engineering and Applied Science der Binghamton University. Mitforscher sind Ronald Miles, Distinguished Professor an der Binghamton University, und Christopher Shera, Professor an der Keck School of Medicine der University of Southern California.

Die geplante Sonde kombiniert zwei physikalische Messprinzipien: die klassische akustische Druckmessung und ein sogenanntes Flow-Mikrofon, das nicht den Schalldruck, sondern die Bewegung von Luftpartikeln erfasst. Dieses Funktionsprinzip deckt laut den Forschern einen Frequenzbereich von 1 Hertz bis 50 Kilohertz ab, breiter und mit flacherem Frequenzgang als bei konventionellen Drucksensor-Mikrofonen.

Ursprung: Wie Spinnen über ihr Netz hören

Grundlage ist eine patentierte Sensortechnologie von Miles und Zhou, die auf früherer Forschung zur Schallwahrnehmung von Spinnen über ihr Netz beruht. Die aktuelle Version verzichtet inzwischen auf tierische Spinnenseide: Über Nanotechnologie fertigt das Team Strukturen unter 10 Nanometern Durchmesser, bis zu 100-mal dünner als natürliche Spinnenseide. Diese Basistechnologie ist bereits kommerzialisiert, über die kanadische Venture-Firma TandemLaunch und deren Ausgründung Soundskrit.

Der Fahrplan bis zum Prototyp

Für die Gehörgangssonde will das Team das Flow-Mikrofon verkleinern, mit einem Laser für zusätzliche Präzision koppeln und mit einem konventionellen Drucksensor-Mikrofon kombinieren, innerhalb der Sicherheitsanforderungen für ein Gerät im Ohr. Die ersten 3 Projektjahre sind für die Prototypentwicklung vorgesehen, danach soll die Sonde in Tests mit Probanden weiter verfeinert werden. Einen Termin für die Marktreife nennt das Projekt bisher nicht.