Zur 70. Ausgabe ihres Internationalen Hörakustiker-Kongresses vom 14. bis 16. Oktober 2026 in Hannover gibt die EUHA vier internationalen Start-ups eine kostenfreie Präsenz in der Industrieausstellung. Die Unternehmen wurden nach verschiedenen Kriterien ausgewählt, darunter die fachliche Relevanz ihrer Produkte und Dienstleistungen für die Branche sowie der Innovationsgehalt ihrer Geschäftsideen. In der EUHA Live-Area in Halle 6 stehen ihnen eigene kleine Standflächen sowie Präsentationsmöglichkeiten auf der Bühne zur Verfügung.
Die vier Unternehmen decken unterschiedliche Bereiche der audiologischen Versorgung und des Praxisalltags ab:
SingularMind arbeitet an einer KI-gestützten Teleaudiologie-Plattform für Tinnitus, MindAffect entwickelt ein objektives Hördiagnosesystem auf Basis von Hirnaktivität, Xenylab nutzt Virtual Reality für Hördiagnostik und Rehabilitation und HearScribe automatisiert die klinische Dokumentation.
Drei der vier Konzepte – SingularMind, MindAffect und HearScribe – setzen dabei auf künstliche Intelligenz.
SingularMind (Kanada): Tinnitus-Therapie aus der Ferne
SingularMind entwickelt KI-gestützte Lösungen für die Diagnostik und Behandlung von subjektivem Tinnitus. Über eine webbasierte Teleaudiologie-Plattform sollen Patienten untersucht, individuell klassifiziert und mit einer Kombination aus akustischer Therapie und psychologischer Unterstützung behandelt werden. Ziel ist es, hochwertige audiologische Versorgung weltweit zugänglich zu machen sowie Kosten und die Notwendigkeit persönlicher Klinikbesuche zu reduzieren.
Auf dem EUHA-Kongress will SingularMind den wissenschaftlichen Austausch mit internationalen Experten fördern und zeigen, wie künstliche Intelligenz für eine personalisierte Hörversorgung eingesetzt werden kann. Darüber hinaus sucht das Unternehmen nach eigenen Angaben neue Kooperationen mit Forschungseinrichtungen, Industrie und Kliniken.
MindAffect (Niederlande): Das Audiogramm aus der Hirnaktivität
Das niederländische Medizintechnikunternehmen MindAffect entwickelt mit „SOFI“ ein objektives Hördiagnosesystem auf Basis einer KI-gestützten Brain-Computer-Interface-Technologie. Das System soll innerhalb von rund zehn Minuten ein objektives Audiogramm erzeugen. Mögliche Anwendungsbereiche sind insbesondere Patienten, die bei herkömmlichen Hörtests nur eingeschränkt mitwirken können.
MindAffect will SOFI in Hannover erstmals einem internationalen Fachpublikum vorstellen und Rückmeldungen von Hörakustikern und Audiologen sammeln, um das System weiterzuentwickeln. Der Entwicklungsstand ist dabei zu berücksichtigen: MindAffect beschreibt SOFI selbst als noch in Entwicklung befindlich und noch nicht für den klinischen Einsatz zertifiziert.
Xenylab (Frankreich): Diagnostik in der virtuellen Realität
Xenylab entwickelt ein Virtual-Reality-System für die Diagnose von Hörstörungen mithilfe von Schalllokalisationstests. Die Anwendung soll künftig als Medizinprodukt sowohl für die Diagnostik als auch für die Rehabilitation von Menschen mit Hörverlust eingesetzt werden.
Erste Studien und Praxistests sind mit Forschungseinrichtungen sowie einem großen Hörakustikunternehmen erfolgreich verlaufen.
HearScribe (Großbritannien): Dokumentation, die sich selbst schreibt
HearScribe entwickelt eine KI-gestützte Software zur automatischen Dokumentation audiologischer Beratungsgespräche. Das System erstellt klinische Notizen, Patienteninformationen, administrative Aufgaben und Arztbriefe. Dabei werden keine Patientendaten gespeichert. Entwickelt wurde die Plattform von praktizierenden Audiologen.
Im Vereinigten Königreich wird die Software bereits von zahlenden Kunden eingesetzt. Auf dem EUHA-Kongress will HearScribe seine Lösung erstmals einem internationalen Fachpublikum vorstellen und die Reichweite innerhalb der Hörversorgungsbranche ausbauen.
Vier Start-ups, drei KI-Anwendungen
Die vier Unternehmen zeigen, wie unterschiedlich neue Technologien in die Hörversorgung eingreifen können. Drei der vier Konzepte setzen auf künstliche Intelligenz – bei SingularMind in der Tinnitus-Diagnostik und -Behandlung, bei MindAffect in einem objektiven Hördiagnosesystem und bei HearScribe in der Dokumentation. Xenylab verfolgt dagegen einen VR-basierten Ansatz für Diagnostik und Rehabilitation.