Widex erweitert die Allure-Plattform mit dem Allure AI RIC und Clarity Boost. Das neue RIC-Hörsystem setzt KI gezielt für schwierige Hörsituationen ein. Parallel startet Compass Cloud 2.0 mit neuen Werkzeugen für Anpassung, Feintuning und Beratung.
KI nur dann, wenn sie gebraucht wird
Der Ansatz ist bewusst dosiert: Die Basis bleibt der W1-Chip mit der Precision Hearing Technology der Allure-Plattform. Für das Programm Clarity Boost kommt zusätzlich ein AI-Co-Prozessor zum Einsatz, der in geräuschvollen Umgebungen mehr Sprachklarheit liefern soll.
Clarity Boost lässt sich per Tipp am Hörsystem oder über die App aktivieren – laut HearingTracker auch über RC-DEX-Fernbedienung und Smartphone-Bedienhilfen; Tap Controls sollen im Sommer folgen.
Ngozi Amobi, Head of Widex, formuliert den Anspruch klar: „Widex Allure AI RIC resolves one of the most persistent challenges in hearing care – improving speech in noise without disrupting the natural sound quality that patients demand.“
Messwerte mit sauberer Einordnung
Widex nennt für Clarity Boost einen bis zu 6 dB höheren Output-SNR gegenüber führenden KI-basierten Wettbewerbsprodukten. Ergänzend verweist der Hersteller auf Plattformdaten der Allure-Familie: 95 % der Träger berichten von verbessertem Sprachverstehen im Lärm, 97 % beschreiben den Klang als natürlich und klar.
Für die Beratung ist diese Unterscheidung wichtig: Diese Werte beziehen sich auf die Allure-Plattform insgesamt, nicht auf das Allure AI RIC als isolierte Leistungsstudie. Clarity Boost ist zudem keine permanent arbeitende KI-Automatik, sondern ein zuschaltbares Werkzeug für Situationen, in denen Störgeräusche Sprache besonders stark überlagern.
Konnektivität
Das Allure AI RIC unterstützt Made for iPhone, ASHA, LE Audio, Telefonspule und Freisprechen. Die Akkulaufzeit gibt Widex mit bis zu 32 Stunden an – inklusive 6 Stunden KI-Nutzung oder Streaming.
Der Android-Streamingstandard ASHA läuft über kompatible Smartphones und das Betriebssystem. Widex setzt ASHA ab Android 11 voraus, weist aber darauf hin, dass nicht jedes Android-Gerät das Protokoll unterstützt. LE Audio erfordert Android 14 oder höher sowie ausgewählte kompatible Smartphone-Modelle.
Auracast: angelegt, aber noch nicht direkt nutzbar
Das Widex Allure AI gilt als Auracast-ready. Für den Einsatz von Auracast ist jedoch ein noch ausstehendes Firmware-Update für die Verbindung mit Auracast-Broadcasts notwendig. Die offizielle Widex-Supportseite stellt klar: Aktuell unterstützen Widex-Hörsysteme kein Auracast – die Technologie benötige zusätzliche Hardware- und Softwarevoraussetzungen.
Für Fachbetriebe bedeutet das: Auracast sollte derzeit als Zukunftsoption erklärt werden, nicht als heute über die Allure App ansteuerbare Funktion. Die App bietet Steuerung, Personalisierung, KI-Assistenten, Kopplungshilfen und Streaming-Anpassungen – eine eigene Auracast-Auswahl beschreibt Widex aktuell nicht.
Compass Cloud 2.0 stärkt die Anpassung
Parallel zum neuen Hörsystem erweitert Widex die Compass Cloud. Version 2.0 soll Erstanpassungen, Folgeanpassungen und Updates effizienter machen – mit verbessertem Adaptation Manager, SmartSpeak, erweitertem Datalogging, Sound Class Adjustments und Transfer Settings.
Fazit: Mehr Differenzierung im Beratungsgespräch
Mit Allure AI RIC und Compass Cloud 2.0 schärft Widex seine Position zwischen natürlichem Klang, gezielter KI-Unterstützung und datenbasierter Anpassung. Clarity Boost lässt sich als Zusatzreserve für besonders schwierige Hörmomente erklären. Bei ASHA und Auracast ist Präzision gefragt: ASHA ist ein heute nutzbarer Android-Streamingstandard – für kompatible Geräte. Auracast bleibt vorerst ein Zukunftsthema, das von Firmware, Betriebssystem, Endgerät und öffentlicher Infrastruktur abhängt.
Anmerkung der Redaktion: Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf den international verfügbaren Informationen von WS Audiology und Widex. Widex Deutschland hat auf unsere Anfrage zum Allure AI RIC bislang keine Informationen geliefert. Wir haben uns dennoch entschieden, die Neuigkeiten unseren Lesern nicht vorzuenthalten.