Anfang Mai 2026 hat EQT drei Investmentbanken mandatiert, um strategische Optionen für den dänischen Hörgerätehersteller WS Audiology zu prüfen: Danske Bank, Goldman Sachs und Morgan Stanley sollen die nächsten Schritte ausarbeiten. Im Gespräch ist erneut ein Börsengang in Kopenhagen, frühestens 2027. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Es ist bereits der zweite Anlauf innerhalb weniger Monate.

Zweiter Versuch, neue Banken

Bereits im Herbst 2025 hatte EQT nach Medienberichten die Investmentbank Rothschild mit der Vorbereitung eines möglichen Börsengangs beauftragt. Der erste Anlauf kam jedoch ins Stocken. Anfang 2026 berichteten Medien, Berater hätten eine Bewertung von 30 bis 45 Milliarden DKK für realistisch gehalten – deutlich unter dem, was EQT und seine Investoren erwartet haben sollen. Ein Bericht vom Februar 2026 hielt einen Börsengang deshalb für zunehmend unwahrscheinlich, weil das Marktumfeld schwierig war. Diese Einschätzung galt zumindest bis Anfang Mai 2026, als der neue, breiter aufgestellte Bankenprozess bekannt wurde.

Sieben Jahre nach der Fusion, immer noch kein sauberer Exit

WS Audiology entstand am 1. März 2019 aus der Fusion von Sivantos, einem früheren EQT-Portfoliounternehmen, mit Widex, dem Unternehmen der dänischen Familien Tøpholm und Westermann. Heute hält CN8 A/S, das gemeinsame Vehikel der Gründerfamilien und der Lundbeck Foundation, 51 %. EQT und das deutsche Family Office ATHOS KG teilen sich laut internen Angaben die restlichen 49 %. ATHOS ist demnach erst seit April 2025 an Bord.

Private-Equity-Fonds halten ihre Beteiligungen laut Branchenschätzungen meist vier bis sechs Jahre. EQT ist über die frühere Übernahme von Siemens Audiology beziehungsweise Sivantos bereits seit 2015 investiert und hält die Beteiligung damit seit mehr als einem Jahrzehnt. Ein Grund für den bislang ausgebliebenen Exit liegt in der hohen Verschuldung nach der Fusion: Rund 25 Milliarden Dänische Kronen belasteten das Unternehmen über Jahre.

Der eigentliche Bremsklotz ist die Zahl

EQT peilt laut Medienberichten eine Bewertung von rund 60 Milliarden Dänischen Kronen an. Berater sollen dagegen eine realistische Spanne von 30 bis 45 Milliarden DKK genannt haben. An diesem Abstand dürfte der erste Anlauf im Herbst und Winter 2025 gescheitert sein.

Schon im September 2024, lange vor dem aktuellen Prozess, berichtete Bloomberg über Überlegungen, wonach EQT nur einen kleineren Teil seines Anteils separat verkaufen könnte – zu einer Bewertung von rund 7 Milliarden Euro für das Gesamtunternehmen. Hängen diese ältere Überlegung und der jetzige IPO-Vorstoß zusammen oder sind es zwei getrennte Kapitel derselben Exit-Suche? Einzelne Wirtschaftsmedien deuten inzwischen einen Kurswechsel von EQT an – weg vom Börsengang, hin zu einem Teilverkauf. Belastbar bestätigt ist das bislang nicht.

Profitabel, aber profitabel genug?

Operativ zeigt WS Audiology Fortschritte. Das Unternehmen meldete für 2023/24 ein organisches Umsatzwachstum von 10 % und eine verbesserte EBITDA-Marge. Unter dem Strich stand dennoch ein bilanzieller Nettoverlust von rund 1,2 Milliarden Euro. Dieser war im Wesentlichen auf nicht zahlungswirksame Bewertungsanpassungen zurückzuführen und spiegelt die operative Entwicklung daher nur eingeschränkt wider. Eine offizielle Refinanzierungsmitteilung von März 2024 nennt eine EBITDA-Marge von über 21 %.

Finanziell hat sich WS Audiology jedenfalls Luft verschafft. Im März 2024 verlängerte das Unternehmen Langfristdarlehen über 3,3 Milliarden Euro um drei Jahre bis 2029. Gleichzeitig wollten die Gesellschafter T&W Medical und EQT zusätzlich 500 Millionen Euro Eigenkapital einschießen. Im April 2025, als ATHOS einstieg, folgte eine weitere Kapitalrunde von rund 590 Millionen Euro. CFO Marianne Wiinholt, die den Konzern mittlerweile verlassen hat, nannte einen Börsengang im August 2025 „highly likely“, sobald die Eigentümergruppe eine Exit-Entscheidung treffe.

Der Markt sortiert sich schneller, als EQT sich entscheidet

Während EQT über den richtigen Zeitpunkt grübelt, konsolidiert sich der Markt um WS Audiology herum in bemerkenswertem Tempo. Im März 2026 kaufte der italienische Filialist Amplifon die Hörgerätesparte von GN Store Nord für rund 17 Milliarden Dänische Kronen (etwa 2,3 Milliarden Euro). Der Abschluss wird bis Ende 2026 erwartet. Kurz darauf kündigte Sonova an, sein Consumer-Hearing-Geschäft rund um Sennheiser abzustoßen und sich vollständig auf Hörgeräte und Cochlea-Implantate zu konzentrieren. Der Wettbewerber Demant hatte zuvor bereits Personal abgebaut, nachdem die Finanzergebnisse schwächer ausgefallen waren.

Auch bei WS Audiology selbst hat sich etwas bewegt: Bereits im April 2026 bestätigte das Unternehmen, dass es die seit 2022 bestehende Kooperation mit Sony im OTC-Segment nicht verlängert. Die gemeinsam entwickelten OTC-Hörgeräte werden damit nicht weitergeführt und laufen im US-Markt aus. Zur Exit-Frage sagt das nichts direkt, zeigt aber: Das Unternehmen räumt Randgeschäfte auf.

Für 2026 rechnet Demant nur mit einem Marktwachstum von 2 bis 4 %, bewusst konservativ und unter der eigenen mittel- bis langfristigen Annahme von 4 bis 6 %. Auch das ist kein Wert, der von sich aus hohe Bewertungsprämien rechtfertigt.

Was auf dem Spiel steht

EQT muss nach einer inzwischen mehr als zehnjährigen Beteiligung – gerechnet seit der Übernahme von Siemens Audiology im Jahr 2015 – einen Return nachweisen, der die hohe Anfangsverschuldung rechtfertigt. Ein IPO unter den eigenen Erwartungen wäre kein Totalschaden, aber ein Signal an den Markt. Für WS Audiology bedeutet der andauernde Exit-Prozess: Strategische Entscheidungen fallen mit Blick auf eine mögliche Börsennotierung, was nicht zwangsläufig schlecht ist, aber selten neutral bleibt.

Für die Hörakustik-Branche gehört WS Audiology weiterhin zu den wenigen weltweit führenden Hörgeräteherstellern ohne Börsennotierung. Unter den vier traditionellen Branchengrößen Sonova, Demant, GN Hearing und WS Audiology ist WSA derzeit der einzige Hersteller, der noch nicht an der Börse notiert ist. Sonova und Demant messen sich täglich an Analystenschätzungen, GN Hearing wird nach Abschluss der Amplifon-Übernahme Teil eines Einzelhandelskonzerns. Geht WSA tatsächlich an die Börse, entsteht eine neue, öffentlich einsehbare Vergleichsgröße für Bewertung und Wachstum im gesamten Sektor.