Der zur WSA-Gruppe gehörende Retailarm WSA Retail hat IntoEars & Oogvoororen übernommen – einen Anbieter hochwertiger Hörversorgung mit Standorten in den Niederlanden und Belgien. Die Marken bleiben eigenständig, die Führung wird neu geordnet. Was zunächst wie ein Benelux-Deal aussieht, hat jedoch einen deutschen Nachklang: Über die Verbindung zu Hearly ist WSA nun mittelbar auch im deutschen Fachhandel präsent.
Eine Gruppe, drei Namen
WSA Retail, das Unternehmen hinter der Hörgeräte-Fachhandelskette Oorwerk, erweitert seine Aktivitäten im Benelux-Raum durch die Übernahme von IntoEars und Oogvoororen. Beide Organisationen bleiben nach dem Vollzug der Transaktion unter ihren bisherigen Markennamen aktiv. Dasselbe gilt für Oorwerk, das bereits zuvor zum Portfolio von WSA Retail gehörte.
Hinter der Entscheidung, auf eine Markenkonsolidierung zu verzichten, steht ein bewusstes Bekenntnis zur jeweiligen Unternehmenskultur. IntoEars, Oogvoororen und Oorwerk sollen ihre eigene Identität, ihre Teams und ihre Arbeitsweise behalten.
Neue Führung, geordneter Übergang
Die operativen Veränderungen sind klar geregelt: Angelique de Wit, bislang General Managerin von Oorwerk, übernimmt künftig auch die Leitung von IntoEars und Oogvoororen.
Herman Langstraat, der IntoEars & Oogvoororen gemeinsam mit Joost Schravendeel und Yoeri Langstraat aufgebaut hatte, zieht sich schrittweise aus seiner Rolle als Geschäftsführer zurück. Ein abrupter Schnitt ist nicht geplant. Schravendeel und Yoeri Langstraat bleiben der Organisation erhalten, um Kontinuität gegenüber Mitarbeitenden, Kunden und Partnern zu sichern.
Langstraat selbst beschreibt den Schritt als logische Weiterentwicklung: Nach vielen Jahren, in denen IntoEars & Oogvoororen mit großer Sorgfalt aufgebaut worden sei, ermögliche die Transaktion nun, das Potenzial der Organisation weiter zu erschließen.
Physisch und digital aufgestellt
IntoEars und Oogvoororen verbinden stationäre Filialen mit Online-Dienstleistungen in den Niederlanden und Belgien. Die Organisationen sind auf persönliche Beratung und Wahlfreiheit für Kunden ausgerichtet – neben Terminen in der Filiale werden auch Hausbesuche und Fernbetreuung angeboten.
De Wit betont, dass die Kombination der Organisationen strategisch stimmig sei: Beide ergänzten sich, was die Übereinstimmung mit der Wachstumsstrategie von WSA Retail unterstreiche – möglichst viele Menschen mit Hörverlust mit maßgeschneiderten Lösungen zu versorgen.
WSA Retail als Teil eines globalen Konzerns
WSA ist international in der Hörversorgung tätig und vertreibt unter anderem die Hörgerätemarken Widex und Signia. Das Unternehmen ist in mehr als 130 Märkten aktiv und beschäftigt weltweit rund 12.000 Mitarbeitende. Die Übernahme von IntoEars & Oogvoororen ist damit Teil einer gezielten regionalen Verdichtung des Retail-Netzwerks – ohne dabei auf ein einheitliches Markenauftreten zu setzen.
Über den Kaufpreis und die genaue Anzahl der übernommenen Standorte wurden keine Angaben gemacht.
Hearly: WSAs stiller Fußabdruck in Deutschland
Was auf den ersten Blick wie ein reiner Benelux-Deal wirkt, hat eine wenig beachtete Verlängerung nach Deutschland. Hearly, ein Online-Anbieter mit sechs stationären Filialen in Bayern, NRW und Baden-Württemberg, bezeichnet sich auf seiner Website ausdrücklich als „Schwestergesellschaft der niederländischen OogvoorOren.nl“ – und wurde nach eigenen Angaben 2021 von Oogvoororen gegründet, um den deutschen Markt zu erschließen. Die EU-Marke „HEARLY“ ist beim EUIPO auf die IntoEars Holding B.V. eingetragen, die Holdinggesellschaft hinter IntoEars und Oogvoororen. Mitgründer Yoeri Langstraat führt Hearly auf seinem LinkedIn-Profil gleichrangig neben Oogvoororen und IntoEars.
Die gesellschaftsrechtliche Verflechtung ist damit keine Marketingformulierung, sondern strukturelle Realität: Mit der Übernahme von IntoEars & Oogvoororen durch WSA Retail hat der Konzern diese Verbindung eingeholt. Hearly ist nun mittelbar Teil des WSA-Gefüges – mit sechs Standorten in Deutschland und einem Preismodell, das Hörgeräte nach eigenen Angaben bis zu 50 Prozent günstiger anbietet als der Großteil des Wettbewerbs.
Ob WSA diese Konstellation aktiv angestrebt hat oder ob sie als Beifang der Benelux-Akquisition entstanden ist, bleibt offen. Für den deutschen Fachhandel ist der Unterschied allerdings unerheblich. WSA-CEO Christian Honsig hatte erklärt, das Unternehmen habe nicht vor, in Deutschland ein eigenes Retailgeschäft aufzubauen. Herstellereigenes Retail existiert hier aber bereits – unter einer anderen Flagge, mit demselben Konzernhintergrund.