WSA hat seinen Zwischenbericht für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres vorgelegt. Operativ läuft es beim Hörgeräte-Konzern deutlich besser als im Vorjahr, und auch der Ausblick für das Gesamtjahr wird präzisiert. Doch der Bericht enthält auch eine Reihe von Entwicklungen, die Branchenbeobachter aufmerksam machen dürften: eine Veränderung im wichtigen US-Geschäft, ein Wechsel an der Konzernspitze und eine Refinanzierung mit verlängerten Laufzeiten.

Der Hörgeräte-Konzern WSA (Marken: Signia, Widex) meldet für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 (1. April bis 30. Juni 2026) ein organisches Umsatzwachstum von 3 % und eine deutlich verbesserte Profitabilität. Gleichzeitig verliert der Konzern zum Jahreswechsel 2026/27 einen großen US-Versicherungskunden im Managed-Care-Geschäft. Finanzvorständin Marianne Wiinholt scheidet zum 31. August 2026 auf eigenen Wunsch aus. Die Zahlen stammen aus dem Zwischenbericht vom 25. August 2026.

Umsatz und Marge ziehen an

Der Quartalsumsatz stieg auf 624 Millionen Euro (Vorjahresquartal: 621 Millionen). Das organische Wachstum lag bei 3 %, das ausgewiesene bei 1 %. Negative Währungseffekte von 12 Millionen Euro, vor allem durch einen schwächeren US-Dollar und japanischen Yen, bremsten die Berichtszahl. Die Bruttomarge kletterte auf 63,6 % (plus 1,1 Prozentpunkte). Dazu trugen stärkeres Wachstum im Endkundengeschäft und Effizienzgewinne bei. Das EBITDA vor Sondereffekten legte um 12 % auf 119 Millionen Euro zu, die Marge stieg auf 19,1 % (plus 2,0 Punkte). Unter dem Strich blieb ein Quartalsgewinn von 24 Millionen Euro (Vorjahr: 20 Millionen).

Großhandel schwächelt, Endkundengeschäft trägt

Das Bild fällt je nach Vertriebskanal unterschiedlich aus. Das Wholesale-Geschäft schrumpfte organisch um 2 %. WSA nennt dafür zwei Gründe: eine schwächer als erwartet verlaufende Marktentwicklung in einzelnen Schlüsselmärkten, darunter die USA, sowie den Zeitpunkt eigener Produkteinführungen im Vergleich zu Wettbewerbern. In den ersten neun Monaten lag das Wholesale-Minus bei 4 %. 1,6 Prozentpunkte davon gehen laut Bericht darauf zurück, dass WSA seine Kundenbasis seit dem Geschäftsjahr 2024/25 strenger steuert. Dieser Effekt wirkte sich nur in den ersten beiden Quartalen aus. Seit Q3 ist die Vergleichsbasis wieder deckungsgleich.

Das Endkundengeschäft (Managed Care, Retail, Online) wuchs dagegen um 8 %. Regional zeigte sich ein gemischtes Bild: Amerika wuchs organisch um 4 %, EMEA stagnierte bei 0 %, APAC legte um 3 % zu. In den ersten neun Monaten summierte sich das organische Konzernwachstum auf 1 %, während der Berichtsumsatz wegen der Währungseffekte um 4 % sank.

WSA bestätigt Prognose, engt Spanne ein

WSA bestätigt und präzisiert die Jahresprognose und engt die Bandbreite für das organische Umsatzwachstum von zuvor 0 bis 4 % auf 1 bis 2 % ein. Die EBITDA-Marge vor Sondereffekten soll gegenüber dem Vorjahr (17,7 %) um rund einen Prozentpunkt steigen.

Zur Einordnung: WSA schätzt das weltweite Mengenwachstum bei Hörgeräten für das dritte Quartal auf etwa 3 %. Diese Schätzung stützt sich auf Marktdaten, die nach eigenen Angaben rund zwei Drittel der Branche abdecken, sowie auf konzerneigene Annahmen.

Zwei neue KI-Plattformen sollen das Wachstum stützen

Auf der Produktseite bringt WSA gleich zwei KI-gestützte Neuheiten in den Markt. Signia MaX mit der Technologie „Acoustic Intelligence“ nutzt laut Unternehmensangaben vier spezialisierte neuronale Netze, die Sprache, Störgeräusche, die akustische Umgebung und die eigene Stimme des Trägers gleichzeitig verarbeiten sollen. Der Marktstart in den USA, Deutschland und den nordischen Ländern ist für den 24. August 2026 angesetzt, weitere Märkte folgen im Jahresverlauf. Bei Widex ist die Allure AI RIC mit „Clarity Boost“ bereits seit dem 1. Juni 2026 in fünf Märkten verfügbar und inzwischen auch in den USA gestartet. WSA berichtet von starker Nachfrage. Dazu kommt Compass Cloud 2.0, eine Cloud-Anpasssoftware, die laut Unternehmen in 48 Ländern läuft.

Auslaufender Großkunde und Wechsel an der Finanzspitze

Ein großer US-Managed-Care-Kunde wird seinen Vertrag nach dem 1. Januar 2027 nicht verlängern. WSA beziffert den erwarteten Netto-Umsatzeffekt für das Geschäftsjahr 2026/27 auf 60 bis 80 Millionen Euro. Den Effekt will der Konzern teilweise durch eigene Gegenmaßnahmen abfedern. Auf die laufende Jahresprognose 2025/26 habe dies keinen Einfluss, so das Unternehmen.

Zudem scheidet Finanzvorständin Marianne Wiinholt zum 31. August 2026 auf eigenen Wunsch aus dem Konzern aus, um sich Aufsichtsrats- und Beratungsmandaten zu widmen. Der Konzern sucht bereits nach einer Nachfolge. Parallel hat WSA seine Kreditlinien neu verhandelt: Alle Fälligkeiten verlängerten sich um drei Jahre, die revolvierende Kreditlinie bis August 2031, die Terminkredite bis Februar 2032, bei unveränderten Margen.

Ausblick

Die engere Prognose-Spanne von 1 bis 2 % ist präziser als das vorherige Band von 0 bis 4 %. Wie sich der auslaufende Vertrag mit dem US-Großkunden ab 2027 tatsächlich auf die Zahlen auswirkt und ob die neuen KI-Plattformen die Wholesale-Schwäche ausgleichen können, lässt sich anhand der bislang vorliegenden Daten nicht abschließend beurteilen. Der Zwischenbericht weist selbst darauf hin, dass ihn die Wirtschaftsprüfer weder testiert noch durchgesehen haben.